Erstellt am 10. November 2015, 05:47

von Karl Pröglhöf

Südtirolerplatz: FPÖ schießt scharf dagegen. Die Reaktionen auf die Pläne zur Neugestaltung des Bereiches zwischen Steinertor und Gericht fallen unterschiedlich aus.

So öffnet sich der Platz des Siegerprojektes vom Steinertor hin zum Landesgericht.  |  NOEN, Schaubild: göbl architektur zt
Seit die Katze aus dem Sack ist – sprich: seit man weiß, wie der Südtirolerplatz in Zukunft aussehen soll – ist ein Meinungsbildungsprozess im Gang. Bei den Meldungen, die im Rathaus eingelangt sind, halten sich Befürworter und Gegner ziemlich die Waage. Die nebenstehende NÖN-Blitzumfrage fällt eher positiv aus. Das Internet-Voting auf der NÖN-Plattform fällt mit 13 zu 87 Prozent hingegen eindeutig negativ aus.

Auf politischer Ebene macht die FPÖ gegen die geplante Tiefgarage und die damit verbundene neue Oberflächengestaltung mobil.

„Der Grund für die Errichtung der Tiefgarage ist keineswegs der Bedarf an zusätzlichem Parkraum: Es gibt zu jeder Zeit genügend Parkplätze in der Innenstadt“, behauptet Stadtrat Werner Friedl. Mit der Tiefgarage beim Einkaufszentrum Steinertor und dem Parkhaus in der Bahnzeile gäbe es ausreichend Zusatzkapazitäten. Es bestehe auch keine Notwendigkeit für zusätzliche Stadtplätze oder Flaniermeilen.

„Vielmehr ist zu befürchten, dass die jahrelange Baugrube zum Todesstoß für manche Geschäfte in der Landstraße wird“, findet der freiheitliche Stadtpolitiker keine Argumente für den Bau der Garage. „In Wahrheit gibt es nur einen einzigen Menschen, der diesen ,Südtirolerplatz neu‘ haben will: den Eigentümer des EKZ Steinertor, der den Platz davor zu einer Fläche für Events machen will. Das kann doch für die Stadt Krems kein ausreichender Grund für ein solches Projekt sein, welches der Stadt außer Kosten nichts bringt“, resümiert Friedl.

Begründungen aus den Jury-Protokollen

Was hat eigentlich laut Juryprotokoll für und/oder gegen die Projekte gesprochen?
  • Das Siegerprojekt von Göbl Architekten ZT GmbH überzeugte durch die Leitidee der Neuinterpretation einer historischen Piazza mit einem klar strukturierten und großzügigen Gesamteindruck, der eine vielseitige Bespielbarkeit erlaubt. Darüber hinaus wird die klare Ausrichtung des Platzes Richtung Steinertor und Fußgeherzone hervorgehoben. Bei den vorgeschlagen Oberflächenmaterialien wird ein „Upgrading“ verlangt.

  • Bei Platz 2 von DnD Landschaftsplanung ZT KG wird der Platz in Form eines Plektrons gelobt, wobei die städtebaulichen Achsen in spielerischer Art aufgenommen werden. Abstriche gibt es bei der Funktionalität. Insbesondere die Kleingliedrigkeit des Platzes und das zentrale Wasserbecken führen dazu, dass nur ein verringertes Flächenpotenzial für größere Bühnenveranstaltungen zur Verfügung steht. Das Wasserbecken und der erhöhte Grünanteil würden auch zu höheren Betriebskosten führen.

    x  |  NOEN, Schaubild: DnD Landschaftsplanung
 
  • Bei Platz 3 von YEWO Landscapes e. U. gefällt die große zusammenhängende Fläche in der Platzmitte, die eine gute Bespielbarkeit erlaubt. Abstriche gibt es für die Verkehrsführung (zu nahe am Stadtcafé). Auch die Formensprache sei nicht mehr zeitgemäß, sodass der Gesamteindruck als zu ordentlich und strukturschwach empfunden werde.

x  |  NOEN, Schaubild: YEWO Landscapes e. U.

Gefährdet neuer Platz Welterbestatus?

Skepsis und Widerstand gegen die Tiefgarage und Platzgestaltung bleiben auch nach der Präsentation des Siegerprojektes. Gebündelt sind die Bedenken in der „IG Südtirolerplatz“. Von dieser Seite sind Einsprüche im Bauverfahren zu erwarten.

Die Initiative der Anrainer führt – abgesehen von den Belastungen während der Bauphase – auch ins Treffen, dass mit diesem Projekt auch der Status von Krems als Teil des Weltkulturerbes Wachau in Gefahr ist.

Diesen Aspekt wird am Donnerstag, 12. November, um 19 Uhr im Gasthof Klinglhuber der emeritierte Hochschulprofessor Wilfried Posch beleuchten. Er ist der Monitoring Beauftragte der UNESCO-Kommission für das Weltkulturerbe Wachau.

Schon bei der Präsentation der Pläne für die neue Landesgalerie anstelle des derzeitigen Gasthauses Hofbauer in der Kunstmeile hat sich Posch kritisch geäußert.

„Staus vorprogrammiert!“

Siegfried Wagner ist Betreiber des Stadtcafés Ulrich an der Nordseite des Platzes. Was hält er von den Plänen zur Neugestaltung des Platzes vor seinem Café?

x  |  NOEN, Foto: Lechner
"Es ist genau das gekommen, was wir uns nicht gewünscht haben. Nämlich eine lange Verkehrsführung um den Platz herum, direkt an meiner Terrasse vorbei. Mit den LKW-Fahrten zu den Weinbaubetrieben im Stadtgraben sind Staus vorprogrammiert", so Wagner. "Viel sinnvoller wäre eine unterirdische Direttissima im Bereich der bisherigen Straßenführung gewesen. Die Vorgabe der Ein- und Ausfahrt in die Garage hat die Verkehrsführung beeinflusst."

In der Planung ist ein Gastronomiebereich westlich seines Cafés eingezeichnet. Ob das für ihn interessant sein könnte, müsse man sich genauer ansehen: "Da geht sicher nur eine Kiosk-Lösung. Ich wollte die Terrasse um einen Lounge- und Wohlfühlbereich erweitern. Stattdessen kommen die Straße und ein großer, leerer Platz, der die ganze Wintersaison tot sein wird."