Erstellt am 10. Februar 2016, 04:23

von Karl Pröglhöf

Thomas Hagmann: „Politik hat 20 Jahre viel versäumt!“. Wirtschaftskammerobmann Thomas Hagmann über die aktuelle Situation der Innenstadt.

Wirtschaftskammer-Obmann Thomas Hagmann  |  NOEN, Foto: Lechner

Konditor Thomas Hagmann ist seit Kurzem Obmann der Wirtschaftskammer. Karl Pröglhöf sprach mit ihm über die aktuelle Wirtschaftslage.

NÖN: Seit 1. Februar gilt in Krems die Verdoppelung der Tagesparkgebühr. Welche Auswirkungen erwarten Sie?
Hagmann: Die Innenstadtbewohner, die Unternehmer und auch die Mitarbeiter hoffen natürlich, dass diese Maßnahme die Kunden nicht abschreckt. Schlussendlich ist es eine Geldbeschaffungsaktion auf Kosten der Innenstadt. Wieder einmal, so wie schon bei der erstmaligen Einführung der Grünen Zone vor einigen Jahren. Ich hoffe, dass die Kremser verstehen, dass sich die Innenstadtbetriebe große Mühe geben und sie es verdienen, besucht zu werden. Die Landstraße ist das identitätsstiftende Element der Region. Wenn jemand an Krems denkt, dann denkt er an die Innenstadt und nicht an ein Einkaufszentrum oder einen Gewerbepark.

Sind fehlende Parkplätze bzw. die Gebühren wirklich das Kernproblem der Kremser Innenstadt?
Natürlich können wir das Thema alle nicht mehr hören, aber ich kann den Politikern auch nicht helfen. Sie müssen die Fehler der Politik der letzten 20 Jahre endlich aus dem Weg schaffen, wenn die Innenstadt überleben soll. Man hätte nicht auf Exkursion nach Deutschland fahren müssen, um zu sehen, wie man eine Innenstadt unterstützt. Es hätte gereicht, wenn man mit dem Zug nach Tulln oder St. Pölten gefahren wäre. Alle Fachmedien, alle Studien sagen das Gleiche. Impulse und Infrastruktur in der Innenstadt sind überall überlebensnotwendig.

Matthias Slatner von der Wirtschaftsservicestelle hat seinen Tätigkeitsbericht im Gemeinderat präsentiert. Sind Sie mit dieser Bilanz zufrieden?
Ich kenne Matthias seit meiner Kindheit. Er bemüht sich redlich und ist fachlich absolut in der Lage, diese Aufgabe zu meistern. Die Frage ist nur: Wie wird er von Behördenseite und Politik unterstützt? Lässt man ihn im Regen stehen und werden keine Impulse in der Innenstadt gesetzt, wird er scheitern. Meine Unterstützung hat er zu 100 Prozent.

Wer sollte welche Maßnahmen für Verbesserungen setzen?
Schlussendlich ist die Situation ein politisches Versagen. Es wird uns nicht erspart bleiben, die Versäumnisse aufzuarbeiten. Der Südtirolerplatz kann nur der Anfang sein. Sicherlich müssen die Ängste und Anliegen der Anrainer ernst genommen werden, und faire und gerechte Mediationsverfahren müssen helfen, dass wir alle in eine Richtung gehen.

Abgesehen von der Innenstadt: Wo liegen die Stärken und Schwächen von Krems als Wirtschaftsstandort?
Eine große Stärke ist, dass Krems noch immer eine Handels- und Gewerbestadt ist, und ein guter Mix – Handwerk, Gewerbe, Bildung, Industrie und Tourismus – vorhanden ist. Die zweite große Stärke ist das Hinterland mit den guten Mitarbeitern. Solange unsere Mitarbeiter nicht von irgendwelchen Ideologen oder Bürokraten verdorben werden, wissen diese noch, was Arbeit, Fleiß und gute Umgangsformen bedeuten.