Erstellt am 15. April 2016, 09:43

von Thomas Werth

Tierrettung: Kritik an der Kremser Feuerwehr. Ingrid Fiegl fühlte sich von Florianis im Stich gelassen. Kommandant Urschler: "Ist Sache des Rauchfangkehrers."

Ingrid Fiegl zeigt auf das Lüftungsgitter, über das sie mit einem Bekannten den Schacht reinigte.  |  NOEN, NÖN

Selbst ist die Frau - dies musste Ingrid Fiegl (67) jüngst feststellen. Die Pensionistin hörte in ihrem Haus im Lüftungsschacht ein Fiepen. „Etwas tiefer als von einem Vogel“, erzählt sie. Also rief sie die Tierrettung. „Diese verwies mich weiter zur Feuerwehr.“ Die auch prompt kam.

Fiegl: „Am ersten Tag meinten sie, dass es wahrscheinlich nur eine Fledermaus sei, die am nächsten Tag eh nicht mehr da wäre.“ Doch sie hörte wieder das Geräusch. Also kamen die Florianis wieder. „Sie wollten es aufstemmen, das wollte ich nicht. Man muss ja nicht das halbe Haus abreißen, um ein Tier zu befreien“, ist sie überzeugt.

Schlussendlich habe sie die Feuerwehrmänner rausgeschmissen. „Weil sie plötzlich meinten, dass der Schacht, der früher ein Teil eines Doppelkamins war und seit 100 Jahren ein Lüftungsschacht ist, eventuell illegal sei und gegen den Brandschutz verstoße.“

„Wir versuchen immer zu helfen – aber
manchmal ist es halt leider etwas schwierig.“

Zusammen mit einem Bekannten habe Fiegl dann das Problem selbst gelöst: „Es genügte, eine Lamelle auszuhängen. Wir haben dann den Schacht gereinigt, da ist ein größeres Nest heruntergefallen.“ Seitdem sei auch das Fiepen nicht mehr zu hören.

Feuerwehrkommandant Gerhard Urschler erklärt, dass es in diesem Fall Sache des Rauchfangkehrers sei, wenn der Schacht ins Freie geht. „Als wir ihr das klar machen wollten, hat sich ein Wortwechsel entwickelt.“ Dass ein Aufstemmen keine ideale Lösung gewesen wäre, weiß Urschler: „Aber wie sollen wir sonst das Fiepen beheben, ohne in die Mauer zu gehen?“

Dass das Lüftungsgitter übersehen wurde, könne vorkommen. „Man braucht eine Ortskundigkeit, die hat aber meist nur der Bewohner“, erklärt Urschler, der zudem ergänzt: „Wir versuchen immer zu helfen – aber manchmal ist es halt leider etwas schwierig.“