Erstellt am 24. August 2016, 05:23

von Petra Vock

Millionen-Publikum für Kremser Regisseur. TV-Projekt Robert Neumüller sprach mit der NÖN über die Dreharbeiten für den Pausenfilm des nächsten Neujahrskonzertes.

Pausenfilm-Dreharbeiten beim Stephansdom: Robert Neumüller.  |  Lukas Roucka

Etwa 50 Millionen Zuseher auf der ganzen Welt verfolgen am 1. Jänner das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. Den Pausenfilm, der in circa 60 Ländern ausgestrahlt wird, gestaltet heuer ein Kremser: der preisgekrönte Regisseur Robert Neumüller. „Daran darf ich gar nicht denken“, lacht Neumüller im Gespräch mit der NÖN, „ich muss einfach schauen, es so gut wie möglich zu machen.“

„Der Walzer stammt aus einer ganz wilden Zeit“

Unter dem Motto „The Rhythm of Vienna“ wird es um die Anfänge des Walzers gehen: „Ich möchte daran erinnern, woher der Walzer eigentlich kommt“, erzählt Neumüller, „nämlich aus einer ganz wilden Zeit. Vor 1800, lang vor Strauss, war der Walzer verpönt. Er war der erste Paartanz, galt als rauschhaft. Die Leute sind hingegangen wie zu Clubbings.“

Diese Ekstase und Lebensfreude soll der Pausenfilm vermitteln, ganz ohne Text, nur mit Bildern und Musik. „Tibor Kovác, ein unfassbarer Geiger, wird die Paganini-Komposition ,Karneval in Venedig‘ spielen, und wenn er sozusagen als Teufelsgeiger die Tänzer animiert, kann man erahnen, wie es in Wien vor 200 Jahren zugegangen ist“, erklärt Neumüller.
Die Dreharbeiten in Wien haben Ende Juni begonnen und werden im September fortgesetzt.

Einige Tanzszenen im Freien mussten verschoben werden, weil das Wetter nicht mitspielte. „Die Außenaufnahmen, die noch fehlen, müssen wir jetzt im September an schönen Tagen drehen, denn es ist ein richtiger Sommerfilm“, so Neumüller. Einstudiert hat die Tanzszenen Opernball-Zeremonienmeister Roman Svabek.

Handwerker-Szenen mit jungen Darstellern

Neben 25 bis 30 Tanzpaaren wirken mehrere Ensembles der Wiener Philharmoniker mit und zwei blutjunge Gruppen: die „Kolophonistinnen“ – 14-jährige Cellistinnen – und das „groovin’Tango quINNtett“. „Das freut mich besonders, denn es gibt dem Ganzen ein besonderes Lebensgefühl“, so Neumüller. Jung sind auch die Darsteller der Handwerker-Szenen. Diese wurden an wunderschönen Schauplätzen gedreht, so etwa bei Sonnenauf- und Sonnenuntergang auf einem Turm des Stephansdoms.

Wichtig ist Neumüller, dass der Walzer nicht als etwas Verstaubtes herüberkommt: „Jenseits von Walzerseligkeit und Abendkleidern geht es dabei vor allem um Lebensfreude.“