Erstellt am 28. Januar 2016, 04:18

von Thomas Werth

Unterkunft für Tiere gesucht: „Hätten Familie verdient“. Das Kremser Tierheim sucht für ältere Tiere mit teils tragischer Vergangenheit einen liebevollen Platz. Doch diese Suche gestaltet sich alles andere als leicht.

Sakka, im Bild mit Spaziergeherin Uli Stöberl, hat in Ost-Rumänien ein hartes Leben geführt und sollte in einer Tötungsstation landen. Nun sucht das Tierheim nach einem Platz für die Hündin.  |  NOEN, privat

Hund Sakka, Katze Helia und mehrere andere Vierbeiner im Kremser Tierheim haben ein besonderes „Handicap“: ihr Alter. Ihnen droht daher das Schicksal, den Lebensabend im Tierheim zu verbringen.

Doch dessen Mitarbeiter geben die Hoffnung nicht auf, noch einen Platz für die Tiere zu finden. „Auch wenn es nicht leicht ist, schließlich werden im Internet tagtäglich hunderte putzige Welpen angeboten“, so Andrea Specht. Sie hat auch eine potenzielle Zielgruppe im Hinterkopf: „Oft hören wir von älteren Tierfreunden, dass sie jetzt zu alt seien, sich noch einmal für einen vierbeinigen Begleiter zu entscheiden und Verantwortung zu übernehmen. Doch gerade in solchen Fällen mag ein bereits älteres Tier die Lücke schließen, die der Wunsch nach einem Haustier zurücklässt.“

„Es ist nicht nur die Summe der Tage,
die ein erfülltes Leben ausmacht, sondern
das, was jeden einzelnen dieser Tage
zu einem guten Tag macht.“

Denn die Lebensspanne sei absehbar, der Hund oder die Katze bereits ruhiger. „Ältere Tiere verlangen nicht mehr nach stundenlangen Spaziergängen, sie genießen hingegen gemeinsame Zeit mit dem Menschen“, so Specht, die selbst bereits zwei alte Hunde aus dem Tierheim bei sich aufnahm: „Ich habe meine Entscheidung keine Sekunde bereut. Es waren so viele schöne, unvergessliche Momente. Es ist eben nicht nur die Summe der Tage, die ein erfülltes Leben ausmacht, sondern das, was jeden einzelnen dieser Tage zu einem guten Tag macht.“

Für Specht grenzt es außerdem an ein Wunder, für Sakka überhaupt noch ein Zuhause suchen zu dürfen. Die kniehohe Hündin hat auf den Straßen Ost-Rumäniens ein hartes und gefährliches Streuner-Leben geführt und sich von Abfällen ernährt. Bei einem Unfall vor einigen Jahren blieb sie mit zahlreichen Brüchen am Straßenrand liegen. „Eigentlich ein Todesurteil für jeden Streuner“, so Specht. Doch der heute knapp 13-jährigen Hündin gelang es irgendwie, sich weiterzuschleppen und nicht zu verhungern. „Irgendwann wuchsen die Knochen zusammen und sie lernte wieder laufen“, so Specht.

x  |  NOEN, Foto: privat

Jahre später wurde die abgemagerte Sakka von rumänischen Tierschützern entdeckt und in ein privates Tierheim mit mehr als 250 Streunern gebracht. „Doch das Gebäude musste einer Tötungsstation weichen“, schildert Specht. Befreundete Tierschützer baten um Hilfe – so auch beim Tierheim Krems.

„Wir haben die vier ältesten Hunde, die die geringsten Chancen hatten, nach Krems geholt. Dazu zählte auch Sakka“, so Specht. Dort begeistert die ehemalige Streunerin trotz ihrer Vergangenheit mit viel Lebensfreude und Optimismus, von ihrer Verletzung ist dank medikamentöser Unterstützung kaum etwas zu bemerken. „Sie hätte es sich so verdient, eine Familie zu finden. Wir würden sogar die Kosten für Medikamente und Tierarzt übernehmen“, so Tierheim-Obfrau Nina Zinn-Zinnenburg.

Helia (12) wurde nach einem Unfall verletzt geborgen und konnte sich kaum bewegen. Sie musste lange gesund gepflegt werden. Da ihre Reaktionen seitdem verlangsamt sind, sucht die verschmuste Katze ein Zuhause ohne Freigang.

Übrigens: Wer helfen möchte, aber keinen Platz für die Tiere hat, kann auch eine Patenschaft übernehmen.


Als Pate helfen

Das Tierheim Krems bietet jenen, die helfen möchten, aber keinen Platz für einen Vierbeiner haben, eine Patenschaft für alte oder pflegebedürftige Tiere als Alternative an. Durch sogenannte Betreuungspatenschaften können besseres Futter, hochwertigere Medikamente, Behandlungen oder Operationen finanziert werden. Für das Tierheim ist die finanzielle Unterstützung sehr wichtig: Trotz staatlicher Subventionen muss mehr als die Hälfte der jährlich anfallenden Kosten (bis zu 400.000 Euro) selbst aufgebracht werden.

Nähere Infos und Anfragen unter info@tierheim-krems.at. oder 0664/4020202.