Erstellt am 21. Juni 2016, 14:35

von Jutta Hahslinger

"Russischer Bär" attackiert Beamten in JA Stein. 16 weitere Monate hinter Gittern kassierte Stein-Insasse, weil er Wächter mit Sessel bewarf.

Der 29-jährige Hüne (rechts) aus Russland beteuerte ein »Missgeschick.«  |  NOEN, Foto: Hahslinger

"Der fünf Kilogramm schwere Sessel flog doch nicht durch Zauberhand gegen den Beamten", hakt Richterin Gudrun Hagen nach der halbherzigen Verantwortung des 29-jährigen Russen nach. Der Stein-Insasse beteuert ein „Missgeschick“ und bekennt sich „halb, halb“ schuldig.

Er habe den Sessel nicht absichtlich gegen den Justizwachebeamten geschleudert. In der kleinen Zelle habe er den Sessel, der wegen der Reinigung gerade am Bett lag, irgendwie erwischt und von der Pritsche gefegt, schildert der zwei-Meter-Hüne und will von einer Attacke nichts wissen.

Es habe eine Durchsuchung nach eingeschleusten Mobiltelefonen gegeben. Der Häftling zog sich für die körperlichen Visitierung aus und begann plötzlich zu schreien. „Und schon kam der Sessel geflogen. Ich konnte gerade noch schützend meinen Arm heben“, schildert das Opfer, ein 28-jähriger Justizwachebeamter, der durch die Sessel-Attacke eine Prellung des rechten Unterarms erlitt.

„Ich bin schon Jahre in Stein und war nie aggressiv“

Als dann die Verlegung des Insassen in einen gesicherten Haftraum anstand, widersetzte er sich. Fünf weitere Beamte waren erforderlich, den um sich tretenden und schlagenden Hünen zu bändigen: „Eine kontrollierte Verlegung war nicht möglich. Er ließ sich nicht beruhigen, war aggressiv und hat sich mit ganzem Körpereinsatz gewehrt“, schildern die Zeugen einhellig.

„Ich bin schon Jahre in Stein und war nie aggressiv“, wirft der Russe, der auf seiner Strafkarte unter anderem Vergewaltigung und Raub auflistet, sichtlich ungehalten ein.

Es tue ihm leid, beteuert er und zeigt sich bereit, 1.000 Euro Schmerzensgeld an den verletzten Beamten zu zahlen. Zähneknirschend nimmt er dann zur Kenntnis, dass dies zwar als Pluspunkt zählt, ihn aber nicht vor einer Strafe – 16 weiteren Monaten hinter Gittern – bewahrt.