Erstellt am 21. September 2015, 08:20

von Petra Vock

Wahre Geschichten aus Lerchenfeld und Stein. Der Film „Einer von uns“ über den „Fall Krems“ hatte in der Vorwoche Weltpremiere, und „Jack“ erzählt von dem Mörder, der in Stein zum Literaten wurde.

Der Frauenmörder Jack Unterweger saß 14 Jahre lang in Stein und entwickelte sich in diesem Gefängnis zum gefeierten »Häfenliteraten«. Im Film »Jack« wird er von Burgschauspieler Johannes Krisch (Bild) verkörpert.  |  NOEN, Thimfilm
Krems ist derzeit ein heißes Thema auf der großen Kinoleinwand: Der Spielfilm „Einer von uns“, der auf der Erschießung eines 14-jährigen Einbrechers in Lerchenfeld beruht, ist soeben in Spanien uraufgeführt worden. Einen Bezug zu Krems hat auch der aktuelle Kinofilm über Jack Unterweger – der Frauenmörder, der Justizgeschichte schrieb, war 14 Jahre lang in Stein inhaftiert.

Vergangenen Freitag war es so weit: Der Spielfilm „Einer von uns“ war beim renommierten spanischen Filmfestival von San Sebastián erstmals auf der großen Leinwand zu sehen. „Volles Haus und großartiges Publikum“, freute sich das Filmteam nach der geglückten Premiere.

Die wahre Begebenheit, auf der „Einer von uns“ beruht, hatte nicht nur in Krems für Schlagzeilen gesorgt: Im August 2009 brachen Florian P. (14) und ein 16-jähriger Komplize in den Merkur-Markt in Krems-Lerchenfeld ein. Dabei wurde der erst 14-jährige P. von einem Polizisten erschossen, der Polizist später zu acht Monaten bedingter Haft verurteilt.

x  |  NOEN, www.sansebastianfestival.com


Kinobesucher aus Krems werden allerdings keine Schauplätze der Tragödie wiedererkennen, denn gedreht wurde in Wels. Dem in Wien lebenden Regisseur Stephan Richter ging es laut eigener Aussage nicht um eine exakte Rekonstruktion der Begebenheiten, sondern darum, „ein Stück österreichische Gesellschaft abzubilden“, die „Rebellion der örtlichen Jugend gegen das trostlose Leben in der Vorstadt“, wie es in der Filmbeschreibung des Festivals hieß.

Das ist Richter offenbar nicht schlecht gelungen, denn „Einer von uns“ – sein erster Spielfilm – ist in San Sebastián für den „New Directors Award“ nominiert, einen Preis für neue internationale Filmtalente, und war einer der wenigen deutschsprachigen Festivalbeiträge.

In Österreich kommt „Einer von uns“ am 20. November in die Kinos. Und in Krems? „Wir planen, den Film ,Einer von uns‘ auf jeden Fall zu zeigen“, verlautet es aus dem Kesselhaus-Kino. Allerdings steht der genaue Termin noch nicht fest.

Als besonders gefährlich in Stein inhaftiert

Von einer der schillerndsten Figuren der österreichischen Kriminalgeschichte handelt Elisabeth Scharangs Film „Jack“, der derzeit im Cinemaplexx Krems läuft und im Kesselhaus von 28. Oktober bis 1. November auf dem Programm steht.

Johann „Jack“ Unterweger wurde 1976 wegen des Mordes an einer 18-Jährigen zu lebenslanger Haft verurteilt und kam – weil man von besonderer Gefährlichkeit ausging – in die Justizanstalt Stein. Es war in diesem Gefängnis, wo er sich zum gefeierten „Häfenliteraten“ entwickelte: Er las, begann zu schreiben und galt schließlich als Musterbeispiel geglückter Resozialisierung. Zahlreiche Intellektuelle setzten sich für seine Freilassung ein, und 1990 durfte er Stein vorzeitig verlassen. Sechs Monate später begann eine Mordserie an Prostituierten, und 1994 wurde Unterweger – nach einer spektakulären Flucht nach Miami – wegen neunfachen Mordes neuerlich zu lebenslanger Haft verurteilt. Er bestritt seine Schuld, es gab jedoch schwerwiegende Indizien. Das Urteil wurde nie rechtskräftig, da Unterweger sich noch in derselben Nacht im Gefängnis in Graz erhängte.

„Jack“ zeigt Unterweger als abgründige, verletzte und bedrohliche Figur und überzeugt mit großartigen schauspielerischen Leistungen, allen voran von Unterweger-Darsteller Johannes Krisch. Der von Paulus Manker verkörperte Gefängnispsychologe ist eine an den Profiler Thomas Müller angelehnte fiktive Gestalt.

Noch heuer wird ein weiterer Film mit Bezug zum Bezirk Krems ausgestrahlt: Für die Anfangsszenen des Fernsehfilms „Kleine große Stimme“ mit Karl Merkatz wurde Ende März einige Tage im Gasthaus Freudensprung in Walkersdorf gedreht. „Kleine große Stimme“ erzählt die Geschichte eines dunkelhäutigen Besatzerkindes, das in den 50er-Jahren im Landgasthaus seiner Großeltern aufwächst und davon träumt, als Sängerknabe auf Tournee zu gehen, um in Amerika seinen Vater zu finden.

Auf Walkersdorf kam Regisseur Wolfgang Murnberger deshalb, weil ein typisches Dorfwirtshaus gesucht wurde und ein Mitglied des Filmteams das Gasthaus Freudensprung kannte und empfahl. Der Film wird voraussichtlich im Dezember im ORF ausgestrahlt.