Erstellt am 09. Februar 2016, 04:18

von Thomas Werth

"Wir waren in der Sauna". Nach Wirbel um vermeintliche Asylwerber, die sich in Damensauna verirrten, melden sich nun zwei junge Kremser zu Wort: „Es dürfen nicht andere dafür kritisiert werden.“

Die Stadträtinnen Eva Hollerer (links) und Anna Wegl sowie Magistratsdirektor Karl Hallbauer (rechts) nahmen zusammen mit Anes und Hadis Stellung zu dem angeblichen Sauna-Skandal.  |  NOEN, Foto: Norbert Stadler

Für ein großes (mediales) Echo hat der

über vermeintliche Asylwerber gesorgt, die sich in die Damensauna des Kremser Hallenbads verirrten. Doch von einem Versehen wollten viele nichts wissen. „Einzelfall Nr. 65“ war noch einer der „positiven“ Kommentare zu diesem Thema.

Für Hadis (18) und Anes (17), zwei Österreicher – der eine Friseur, der andere Kellner – mit Wurzeln in Ex-Jugoslawien, Grund genug, ihren Mut zusammenzunehmen und Sozialstadträtin Eva Hollerer zu kontaktieren: „Wir waren das in der Sauna.“ Denn die beiden jungen Kremser wollen nicht, dass „weiter Flüchtlinge für etwas kritisiert werden, was sie nicht gemacht haben“.

„Es sollen nicht andere dafür kritisiert werden,
weil wir versehentlich in die Sauna gegangen sind.“
Hadis (18) und Anes (17)

Dabei hat sich der „Vorfall“ auch anders abgespielt als ursprünglich angenommen. Die beiden wollten sich nach dem Schwimmen im Hallenbad kurz die Haare richten – und bogen dabei irrtümlich in die Sauna ab. „Wir haben uns vertan“, erklärt Hadis. Dort herrschte aber, entgegen der ursprünglichen Meldung, gar kein Damen-, sondern ein gemischter Saunabetrieb.

Mit abfälligen Gesten wurden sie jedenfalls von einem männlichen Sauna-Gast sofort verscheucht, weil er in ihnen vermutlich Flüchtlinge gesehen hat. „Wir sind auch gleich wieder gegangen, wir wollten ja gar nicht in die Sauna“, erklärt der 18-Jährige, der zusammen mit seinem Freund dann noch länger im Bad geblieben ist. „Wir haben in dieser Zeit gar nichts von einer Aufregung mitbekommen.“

Umso erstaunter waren sie schließlich im Nachhinein über den vermeintlichen Skandal und wagten den Schritt in die Öffentlichkeit: „Die Stimmung gegen Flüchtlinge ist schon schlecht genug.“

Doch nicht nur die beiden sind entsetzt über die Folgen ihres Versehens, auch die Stadtverantwortlichen sind ob des Hasses erschüttert. Dazu zählt auch die Tatsache, dass die beiden von einem Saunagast sofort verscheucht wurden. „Dieses Verhalten rein aufgrund der Optik an den Tag zu legen ist doch kein normaler Umgang. Außerdem: Mit welchem Recht dürften Asylwerber nicht in die Sauna?“, so Magistratsdirektor Karl Hallbauer, der in diesem Zusammenhang auch mit einer Mär aufräumen möchte: „Es gibt für Asylwerber weder Gratis-Einlass noch einen vergünstigten Tarif. Und wenn sie Eintritt zahlen, dürfen sie natürlich auch rein.“

„Kann man Asylwerber nicht kennzeichnen?“

Stadträtin Eva Hollerer schildert in diesem Zusammenhang von mehr als bedenklichen Entwicklungen, mit denen auch bereits das Personal im Hallenbad konfrontiert wurde: „Ein Mitarbeiter wurde kürzlich von einem Badegast gefragt, ob es denn nicht möglich sei, Asylwerber im Bad zu kennzeichnen ...“ Zudem ergänzt sie: „Wir nehmen die Ängste wahr, und es wird bestimmt nicht weggeschaut. Aber es muss auch nix erfunden werden, wo nix ist. Es war ein großes Missverständnis, schließlich hätten die beiden ja in die Sauna gehen dürfen.“

An dem Plan der Stadt, Piktogramme anzubringen und einen englischsprachigen Folder aufzulegen, ändert sich aber nichts.

NÖN.at berichtete: