Erstellt am 30. März 2016, 04:54

von Thomas Werth

Wirbel um Asyl-Quartier. Seit kurzem wohnen 45 junge männliche Asylwerber in ehemaligen Büroräumlichkeiten in der Steiner Donaulände.

Kritik gibt es an der Unterbringung von Flüchtlingen in ehemaligen Büroräumen in der Steiner Donaulände. Das Betreuungsunternehmen war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.  |  NOEN, Johann Lechner

Es ist dies neben der provisorischen Unterkunft in der Jugendherberge, in der 44 Personen – großteils Familien – noch bis Ende April leben, die von der Personenzahl größte Flüchtlingsunterkunft in Krems.

Doch während die anderen Quartiere von Asylwerbern in Krems größtenteils niemandem Probleme bereiten, ist dies in der Donaulände anders. So berichten Anrainer von mehreren Polizeieinsätzen, großteils wegen Lärmerregung. Erst vor wenigen Tagen musste die Exekutive ausrücken, weil sich Asylwerber mitten in der Nacht lautstark gestritten haben sollen. Der Grund: Ein Flüchtling habe zu kochen beginnen wollen. Die Polizei bestätigt zwar diesen Einsatz, möchte ihn aber keinesfalls überbewerten. Es gebe Wohnanlagen ohne Asylwerber, die weitaus mehr Probleme bereiten würden.

Auch Stadt unzufrieden

Aber nicht nur die Anrainer, auch die Stadt selbst ist nicht zufrieden – vor allem nicht mit dem Zustandekommen der Unterbringung. „Sowohl Anrainer, als auch die Stadt wurden vor vollendete Tatsachen gestellt“, erklärt Bürgermeister Reinhard Resch. Der Stadtchef betont zwar, dass er rein rechtlich keinen Einfluss bei der Vermietung von Unterkünften an Flüchtlinge habe, der „erfolgreiche Kremser Weg hat aber immer vorgesehen, dass mit den Verantwortlichen im guten Einvernehmen Quartiere festgelegt werden und die Anrainer informiert werden.“

In diesem Falle habe es erst einen Infoabend gegeben, als die Asylwerber bereits eingezogen waren und es schon Beschwerden der Anrainer gegeben habe. Manuela Leoni, Koordinatorin der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe, ist einerseits unzufrieden mit der fehlenden Vor-Information („Es ist alles sehr kurzfristig passiert – wir vom Ehrenamt sind schnell eingesprungen“), andererseits auch mit dem Quartier selbst: „Es ist als Wohnanlage nicht geeignet, weil es eigentlich Büros sind.“ Daher sei es laut Leoni ungerecht, den Asylwerbern die Schuld zu geben: „Sie haben keine Privatsphäre – und wo 45 Leute zusammen leben, gibt es halt naturgemäß auch Lärm.“

Ins selbe Horn stößt auch Stadträtin Eva Hollerer: „Wir streiten ja schon mal mit Ehepartnern und Kindern – hier kommen wildfremde Personen mit einer dramatischen Vorgeschichte auf engstem Raum zusammen.“

Hollerer bemerkt zudem, dass es in der Bevölkerung ein Missverständnis gibt, was den Einfluss der Stadt bei der Vergabe von Wohnungen betrifft: „Die Stadt kann nur etwas gestalten, wo sie einen Einfluss hat. Beim Mietrecht geht das aber nicht. Hier werden häufig Fakten mit Emotionen vermischt.“ Daher sei der Infoabend am 4. April auch so wichtig.

„Goldenes Naserl mit Flüchtling-Quartieren“

Dazu kommt die Gefahr, dass viele in der Unterbringung von Asylwerbern mittlerweile einen Geschäftszweig sehen. „Es gibt leider immer mehr, die sich mit Flüchtlingen ein goldenes Naserl verdienen wollen“, so Hollerer. Auch einige Kremser Unternehmer würden laut Hollerer dazu zählen: „Es gibt Leute, die sich bei der Stadt erkundigen, was notwendig ist, um in leerstehenden Räumlichkeiten Flüchtlinge unterzubringen. Das ist für sie eine simple Kostenrechnung.“

Seitens der Stadt gebe es aber keine Unterstützung. „Weil wir eine Unterkunft bis maximal 40 Asylwerber befürworten. Für Unternehmer wird es aber erst ab 100 finanziell interessant“, so Hollerer.