St. Veit an der Gölsen

Erstellt am 22. Juni 2016, 03:35

von Markus Zauner

300 Unterschriften zum Start. Mobilmachung gegen geplante Apotheke gut angelaufen, Apothekerkammer verweist auf Vorteile.

Die Gemeindespitze um Bürgermeister Johann Gastegger ruft zur Unterschriftenaktion gegen die geplante Apotheke auf.  |  NOEN, zVg

NÖN-Leser sind im Bilde: Die Bezirkshauptmannschaft Lilienfeld steht vor der Entscheidung, ob sie den Antrag zur Eröffnung einer öffentlichen Apotheke in St. Veit bewilligt oder nicht. Der angekündigte Protest der beiden praktischen Ärzte in St. Veit und der Gemeindespitze ist Mitte der Vorwoche angelaufen — mit guter Resonanz. „Wir haben schon rund 300 Unterschriften gegen die Apotheke gesammelt“, berichtet Bürgermeister Johann Gastegger. Die Gemeindeführung und die zwei St. Veiter Allgemeinmediziner sehen die ärztliche Versorgung in der Gemeinde gefährdet, weil im Falle einer öffentlichen Apotheke die Hausapotheken der Mediziner geschlossen werden müssten und das Praktizieren damit kaum bis nicht mehr rentabel sei.

Eine Mär, die Ärzte und Gemeinde verbreiten würden, kontert die Apothekerkammer. „Die Hausapotheke ist weder ein Grund, dass man als junger Arzt aufs Land geht, noch ist sie dafür verantwortlich, dass Ärzte mit Abwanderung drohen“, heißt es in einer Aussendung mit Verweis auf Studien des Instituts für Höhere Studien.

„Eine öffentliche Apotheke in einer 4.000-Einwohner-Gemeinde ist gerechtfertigt.“

Heinz Haberfeld, Präsident der Österreichischen Apothekerkammer, Landesgeschäftsstelle Niederösterreich, ergänzt: „Eine öffentliche Apotheke in einer 4.000-Einwohner-Gemeinde ist gerechtfertigt.“ Es gebe Beispiele von Ärzten in deutlich einwohnerschwächeren Kommunen als St. Veit, die auch ohne Hausapotheke ordentlich verdienen würden, betont Haberfeld.

Generell argumentiert die Apothekerkammer mit einer langen Liste, warum eine öffentliche Apotheke für die Gemeinde einen Gewinn darstellt. Ein Beispiel: „Überall dort, wo eine Apotheke in den vergangenen Jahren eröffnet hat, hat sich die Arzneimittelversorgung deutlich verbessert“, so die Interessenvertretung.

Arzneimittelversorgung über Ärzte wird kritisch gesehen

Zu bedenken gibt Präsident Haberfeld überdies: „Auch in der Schweiz wird inzwischen die Arzneimittelversorgung über Ärzte kritisch gesehen, da Patienten in Situationen, wo der Arzt am Verkauf der Medikamente verdient, wesentlich mehr verordnet wird, was nicht unbedingt im Interesse des Patienten beziehungsweise der öffentlichen Hand sein muss.“

Und der Präsident verweist auf eine Erhebung der Kommunalmesse: „Die legt ganz klar dar, dass dort, wo es eine öffentliche Apotheke gibt, die Bevölkerung sehr zufrieden ist und die öffentliche Apotheke im Vergleich zu anderen Institutionen in einer Gemeinde am besten abschneidet.“

NÖN-Online-Voting

Ein klares Ergebnis brachte die Online-Abstimmung zum Thema. Nur 37 Prozent der User waren der Meinung, dass „St. Veit eine öffentliche Apotheke braucht“, 63 Prozent halten sie für nicht nötig.