Erstellt am 19. Juni 2016, 04:35

von Astrid Krizanic-Fallmann

Amerikaner salutierten. In Gefangenschaft war Erwin Frieb aus Rohrbach im Ersten Weltkrieg. Seine Erlebnisse in Sibirien und in der Mandschurei schrieb er in einem Manuskript auf.

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Während des Ersten Weltkrieges war Erwin Frieb, welcher am 2. September 1880 geboren wurde und am 12. September 1959 verstorben ist, als Gefangener in Tschita, Sibirien, inhaftiert.

Nach einer von der Roten Armee erlaubten Reise mit dem Vertreter des schwedischen Roten Kreuzes, Kapitän Astrand, und dem deutschen Kriegsgefangenen Jonas, in die Mandschurei, um Lebensmittelspenden abzuholen, saß der Major im September 1918 wieder im Lager. Dieses wurde jedoch plötzlich aufgelöst, Mannschaft und russisches Aufsichtspersonal in Zügen Richtung Wladiwostock abtransportiert.

Bei einem Stopp wurden noch zwei Waggons mit Schweinen angekoppelt. „Diese kostbare Ladung verhalf uns zu einer stoßfreien, sanften Fahrt bis Charbin“, schilderte Frieb. „Bisher hatten sich unsere Lokomotivführer bei der Abfahrt aus den Stationen gerne den unschuldigen Spaß gemacht, mit blitzartigem Ruck anzufahren, so dass wir uns gegenseitig den heißen Tee ins Genick gossen oder am Kopf standen. Ab Tsitsikar ging’s aber anders. Ganz langsam und sanft fuhren wir aus den Stationen ab; damit sich nur kein Schwein verletze. Ja, das ist eine andere Ladung als Kriegsgefangene! Leider wurden diese Schweine in Charbin wieder abgekoppelt.“

Der Zug bummelte die endlose mandschurische Ebene langsam durch und erreichte nach Passieren des „mächtigen Sungari-Stromes die große schöne Stadt Charbin. Hier hatten wir einen Tag Aufenthalt“, notierte der Rohrbacher Offizier.

Am Bahnhof spazierten Soldaten der Entente-Staaten herum. „Ich hatte dort viel herumzulaufen und kam hiebei auch an einer amerikanischen Wache vorbei, welche schläfrig irgend ein Magazin bewachte. Als die Boys mich bemerkten, blickten sie mich zweifelnd an, sie wussten nicht, was ich eigentlich für ein Bursche wäre. Ich hatte meinen dunkelgrünen French-Rock mit den Hauptmann-Sternen und Achselspange an.“

Daraufhin erlaubte sich Frieb einen Scherz. „Ich verlangsamte meine Schritte und warf einen streng musternden Blick auf diese neugierige Gesellschaft. Jetzt bekamen sie es aber mit der Angst zu tun, sie sprangen flott auf und salutierten nach Leibeskräften, während der Posten selbst das Gewehr stramm präsentierte.“ Der österreichische Kriegsgefangene dankte ihnen „etwas arrogant, war aber sonst mit dem Verlauf dieser kleinen Übung zufrieden“. Frieb: Wenn diese Leute gewusst hätten, dass ich nur ein gewöhnlicher Plenny war?“