Erstellt am 08. März 2016, 05:04

von Markus Zauner

Ansturm auf Info über Flüchtlinge. Gasthaussaal platzte aus allen Nähen. Debatte verlief weitgehend sachlich. Aktuell 30 Flüchtlinge in Rainfeld.

Der Saal des Gasthauses Engl-Zöchling war gerammelt voll. Gespannt lauschten die Bürger den Ausführungen der Vortragenden, ehe Fragen gestellt wurden.  |  NOEN, zVg

,,Behandeln wir das Thema auf Sachebene. Nicht, dass Worte fallen, für die wir uns später bei unseren Kindern entschuldigen müssen“, fand Bürgermeister Johann Gastegger (SPÖ) einleitend klare Worte.

Ein Appell, der fruchtete: Knapp zweieinhalb Stunden wurde auf Einladung des Ortschefs im Saal des Gasthauses Engl-Zöchling über die Flüchtlingsunterbringung in Rainfeld informiert und diskutiert. Gegner wie Befürworter mischten sich unter die über 100 Gäste des Bürgerabends, die Debatte verlief weitgehend sachlich.
Aktuell sind in der gesamten Gemeinde St. Veit 35 Asylwerber untergebracht, davon 30 in der 800 Einwohner zählenden Katastrale Rainfeld, lieferte Gastegger druckfrische Zahlen. Weitere Flüchtlinge (16 bis maximal 27) sollen in der Marienhütte untergebracht werden.

„Wer behauptet, die SPÖ will 78 Asylwerber in der Gemeinde, der sagt nicht die Wahrheit.“ Bürgermeister Johann Gastegger

St. Veit werde sich „nicht vor der Verantwortung drücken“, erklärte Gastegger zur Flüchtlingsunterbringung, Privatquartiere wie in Rainfeld seien im Gegensatz zu Massenquartieren die bessere Alternative, so der Ortschef. Gleichzeitig betonte Gastegger aber, dass die Grenzen in Rainfeld erreicht seien: „Wer behauptet, die SPÖ will 78 Asylwerber in der Gemeinde (das wäre die Zwei-Prozent-Quote, Anmerkung der Redaktion), der sagt nicht die Wahrheit.“

Zu viele Asylweber „auf kleinem Raum“ seien in Rainfeld untergebracht, führten die Kritiker ins Treffen — das vor dem Hintergrund, dass es angesichts des beträchtlichen Anteils von Personen mit nicht deutscher Muttersprache in Rainfeld ohnehin schon „genug gibt, die nicht integriert sind“, so eine Bürgerin. Eine Mutter wiederum machte aus ihren Ängsten kein Hehl: „Wir haben Bedenken, unsere Kinder alleine gehen zu lassen.“
Er habe freilich „keine Angst“, hielt ein anderer Bürger im Zuge der Debatte dagegen: „Es wird nicht anders funktionieren, als die Flüchtlinge zu integrieren.“

Von keinem nötigen Einschreiten der Polizei seit dem Einzug der Flüchtlinge in Rainfeld kurz vor Weihnachten berichtete St. Veits Polizeiinspektionskommandant Robert Millecker, der gleichzeitig einräumte: „Ich verstehe die Ängste und Sorgen der Rainfelder.“ Falls doch Probleme mit Asylwerbern auftauchen sollten, appellierten Millecker und Gastegger, sofort die Exekutive anzurufen.

„Etwas Neues bringt immer Ängste mit sich“

Leopold Edy, der mit seiner Familie aktuell 24 Flüchtlingen (elf Kindern und dreizehn Erwachsenen) in Rainfeld Quartier bietet und auch Eigentümer der Marienhütte ist, gestand ein: „Etwas Neues bringt immer Ängste mit sich.“ Intention sei es, „den Ärmsten der Armen“, sprich Flüchtlingskindern, zu helfen, weshalb Edy an die Flüchtlingskoordinationsstelle des Landes auch den Wunsch herantrug, in der Marienhütte weitere Familien unterzubringen. Und Edy betonte angesichts geäußerter Sicherheitsbedenken, dass sich besorgte Bürger „vor dem Falschen fürchten würden.“ Im Zusammenhang mit seinen „Schützlingen“ habe er „noch keinen Vorfall melden müssen.“

Bei allfälligen Problemen seien er oder seine Frau „24 Stunden erreichbar.“
Höchstes Lob heimste die Familie Edy für ihre Bemühungen um Flüchtlinge im Zuge des Bürgerabends von Christoph Planitzer von der Koordinationsstelle für Integrationsangelegenheiten im Amt der NÖ Landesregierung ein. Wie es mit der Zuteilung weiterer Flüchtlinge in der Gemeinde weitergeht, liegt übrigens (bis zum Erreichen der 2-Prozent-Quote) in den Händen des Landes.