Hainfeld

Erstellt am 05. August 2016, 15:56

Schlepper wohnte auch in Hainfeld. Syrer (44) weilte bei Asylwerberfamilie in der Stadt. Geschleppte Kinder wurden als „kleinere Paletten“ bezeichnet!

Waffen, Schmuck und Bargeld wurden sichergestellt. Zwei Täter wurden in Vösendorf festgenommen.   |  NOEN

Hausdurchsuchung des Landeskriminalamtes NÖ in Abstimmung mit dem Bundeskriminalamt vor wenigen Tagen in einer Wohnung Hainfeld: Ein Schlepper soll sich hier immer wieder aufhalten.

Die Salzburger Polizei hat in enger Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt, Landeskriminalamt NÖ sowie mit den ungarischen, polnischen und deutschen Behörden insgesamt 17 Schlepper festgenommen. Diese sollen laut ersten Schätzungen mindestens 1.000 Flüchtlinge illegal über die Grenze gebracht haben.

„Das Schleppen ist nicht billiger und nicht teurer geworden. Es handelt sich nach wie vor um ein sehr einträgliches Geschäft.“
 

Gerald Tatzgern vom Bundeskriminalamt

Die Ermittler hatten sich über mehrere Monate an die Hintermänner einer Schlepperorganisation herangearbeitet.

„Die Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und dem Iran waren über Ungarn meist in kleinen Gruppen per Auto unter anderem nach Deutschland gebracht worden. Für die Fahrt nach Wien zahlten Migranten 300 Euro pro Person, von Ungarn nach Deutschland zwischen 700 und 800 Euro, von Wien nach Frankreich waren etwa 2.400 Euro fällig“, schildert Gerald Tatzgern vom Bundeskriminalamt und stellt fest: „Das Schleppen ist in den vergangenen Monaten nicht billiger und nicht teurer geworden. Es handelt sich nach wie vor um ein sehr einträgliches Geschäft.“

Einzelne Transporte als „Fleischlieferung“

Bei der Organisation der Fahrten bediente sich die Gruppe gewisser Codes. Wurden Erwachsene geschleust, war von „Paletten“ die Rede, Kinder hießen „kleinere Paletten“. Ging es um Geld, wurde von „Papieren“ gesprochen. Einzelne Transportfahrten galten als „Fleischlieferung“.

Der entscheidende Schlag gelang am 21. Juli. Mehr als 100 Beamte nahmen in Österreich, Budapest und Berlin sieben Verdächtige fest. Bei den Hausdurchsungen wurden zahlreiche Waffen, Schmuck und Bargeld sichergestellt,

Im Zuge dessen fand auch die Hausdurchsuchung in Hainfeld statt. Hier soll ein syrischer Asylwerber (44) als einer der Haupttäter im Juni zwei bis drei Tage bei seiner Schwägerin und deren Kindern, die alle als Asylwerber hier wohnen, aufhältig gewesen sein. Der Familie kann derzeit jedoch nichts zur Last gelegt werden.

Am Tag der Hausdurchsuchung war der Gesuchte jedoch nicht dort. Der Kopf der Bande, ein als Flüchtling anerkannter Tschetschene, wurde in Poysdorf durch einen Cobrazugriff in seinem Auto festgenommen. „Die Täter verfügten zum Teil über alte Waffen, die sie über das Darknet erstanden und wieder scharf gemacht hatten“, sagt Tatzgern.

Die Täter, auch jener der in Hainfeld verweilte, sitzen nun in U-Haft und warten auf ihre Anklage. „Wir prüfen derzeit, ob die Bande auch für andere Straftaten infrage kommt“, gibt auch der Salzburger Polizeidirektor Franz Ruf bekannt.

Derzeit würden auch die Telefone forensisch ausgewertet. Möglicherweise lassen sich so Hinweise finden, die zu weiteren Schleppern führen. Die Polizei erhofft sich Rückschlüsse auf eine Zwischenhierarchie der Bande, die vermutlich am ganzen Balkan tätig ist.