Erstellt am 05. Januar 2016, 05:08

von Nadja Straubinger und Gila Wohlmann

Aus für Zielpunkt-Filiale. Nahversorger / Zehn Mitarbeiter verlieren durch die Schließung des Geschäftes in St. Veit ihren Job. Team und Bürgermeister hoffen weiter auf eine Übernahme. Suche nach Postpartner läuft. ST.

 |  NOEN, NÖN

„Ich bin 52 Jahre und jetzt werde ich arbeitslos“, kann es Elisabeth Ziegelwanger noch nicht immer nicht fassen.

Die Traisnerin war Verkäuferin beim Zielpunkt St. Veit. Dieser hatte letzte Woche Totalabverkauf und seine Pforten bleiben bis auf Weiteres geschlossen. Doch sie ist nur eine von zehn betroffenen Mitarbeitern des Teams, drei davon sind derzeit in Karenz, Lehrlinge sind nicht dabei.

Am Montag waren die St. Veiter Mitarbeiter bei der Arbeiterkammer, um einen „vorzeitig berechtigten Austritt“ anzumelden. Ebenso betroffen ist die 24-jährige Hofstettenerin Kathrin Kögel. Sie war Feinkostleiterin für die ebenfalls pleite gegangene Firma Schirnhofer, die in den Zielpunkt-Filialen Wurst- und Fleischwaren vertrieb. Zuerst war sie im Kirchberger Zielpunkt tätig, dann in der St. Veiter Filiale. „Wir sind oft früher gekommen und später gegangen, um besten Kundenservice zu bieten. Alles sichtlich für nichts“, ist Kögel bedrückt.

„Mit dem Aus der Feinkostabteilung haben wir auch einen Rückgang an Kunden bemerkt. Das fehlte einfach. Wenn man nicht einmal mehr eine Leberkässemmel oder Schnitzel anbieten kann, ist es nicht verwunderlich, wenn Kunden woanders einkaufen“, ist Ziegelwanger aufgefallen.

„Wenn man nicht einmal mehr Leberkässemmel oder Schnitzel anbieten kann, ist es nicht verwunderlich, wenn Kunden woanders einkaufen.“ Elisabeth Ziegelwanger

Was das Team besonders ärgert: Bis zum 25. November hätte man in den „Filialen draußen nicht das Geringste von der Finanzmisere gewusst“, so die Mitarbeiter. Dies bestätigt auch der St. Veiter Filialleiter Manuel Novacek. Der 22-jährige Hofstettener hat im November sogar noch ein Fortbildungsseminar angeboten bekommen. „Erst kurzfristig wurde dieses bis auf Weiteres verschoben“, so Novacek. Auch seien in der St. Veiter Filiale noch Investitionen wie ein neues Getränkekühlregal geplant gewesen. Novacek, der seit seiner Lehrzeit im Unternehmen und seit einem halben Jahr St. Veiter Filialleiter ist, bekommt zumindest auf zehn Tage ein weiteres Dienstverhältnis als „Filialverantwortlicher“. So viel steht auf jeden Fall fest: Das St. Veiter Team hofft auf eine Übernahme durch eine andere Leitung und auf eine „gemeinsame Zukunft“. „Wir haben ein gutes Miteinander“, geben sie sich einhellig.

„Wir finden diesen Schritt sehr schade und hoffen, dass alle Mitarbeiter in den umliegenden Handelsbetrieben wieder einen Job finden“, betont Arbeiterkammer-Bezirksstellenleiter Burkhard Eberl.

Post ist weiter auf der Suche nach Partner

Der Verlust des Nahversorgers schmerzt auch Bürgermeister Johann Gastegger. „Ich hatte bis zuletzt gehofft, dass eine andere Lebensmittelhandelskette den Markt weiterführt. Leider war das nicht der Fall.“ Er hofft aber weiter, dass sich ein Interessent für den Standort findet. Außerdem schickt er voraus: „Gemeinsam mit der Post AG werden wir intensiv auf die Suche nach einem Postpartner gehen. Ich bin in ständigem Kontakt mit dem Verantwortlichen bei der Post.“ Notfalls springe, wie versprochen, die Gemeinde ein.