Erstellt am 12. Juni 2016, 00:45

von Astrid Krizanic-Fallmann

Begegnung mit Chinesen. In Gefangenschaft war Erwin Frieb aus Rohrbach im Ersten Weltkrieg. Seine Erlebnisse in Sibirien und in der Mandschurei schrieb er in einem Manuskript auf.

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Während des Ersten Weltkrieges war Erwin Frieb, am 2. September 1880 geboren und am 12. September 1959 verstorben, als Gefangener in Tschita, Sibirien, inhaftiert.

Nach einer von der Roten Armee erlaubten Reise mit dem Vertreter des schwedischen Roten Kreuzes, Kapitän Astrand, und dem deutschen Kriegsgefangenen Jonas, in die Mandschurei, um Lebensmittelspenden abzuholen, saß der Major im September 1918 wieder im Lager. Dieses wurde jedoch plötzlich aufgelöst, Mannschaft und russisches Aufsichtspersonal in Zügen Richtung Wladiwostock abtransportiert.

„In Mandschuria war langer Aufenthalt“, erinnerte sich der Rohrbacher, „die Czechen forderten von uns Arbeitsmannschaft zwecks Umladen von Artilleriemunition. Unser russischer Transportkommandant war sichtlich in Verlegenheit, weil er das Ansuchen nicht abweisen konnte, uns aber auch einen solchen Befehl nicht geben wollte.“

Da die Situation bedenklich wurde, trommelten er und ein Hauptmann eine Schar Freiwilliger zusammen. „Wir hatten in kaum drei Stunden die schweren Munitionskisten von einem amerikanischen Waggon in den zweiten umgeladen, hierauf fuhren wir nach Südosten weiter“, so Frieb. In Chailar erfuhren die Männer vom militärischen Zusammenbruch Bulgariens: „Wir alle waren tief ergriffen. Den mächtigen Gebirgszug des Chingan überschritten wir in riesigen Serpentinen und kamen in die monotone Ebene. Die chinesische Ostbahn war in gutem Zustand. Die Stationsanlagen machten einen soliden Eindruck.“

Wegen des Holzmangels der Mandschurei waren die meisten Gebäude aus Stein. Die Chinesen wohnten allerdings in Lehmhäusern von primitivster Konstruktion. „Manchmal benutzten wir die freie Zeit zur Besichtigung der Orte. Die meisten Ansiedelungen waren fast ausschließlich von Chinesen bewohnt. Überall herrschte lebhaftes Geschäftstreiben inmitten von Elend und Schmutz. Träge fuhren die typischen zweirädrigen Karren, von fünf hungrigen Pferden gezogen, durch die grundlosen Straßen“, notierte Frieb.

Die Gasthäuser hatten einen Holzreifen mit farbigem Papierstreifen vor der Tür hängen. „Aus der Stube drang der penetrante Geruch von widrigem Schmalz. Allenthalben wurde gegessen, geschrien und gefeilscht, im überfüllten Dampfbad trank man fleißig bitteren Tee. Als Zahlung nahm der misstrauische Chinese nur das alte russische Geld. Die Leute sprachen nur ganz wenig russisch, selten etwas englisch. Ich geriet auch in ein Geschäft, wo nur chinesisch gesprochen wurde. Das war sehr lustig.“