Erstellt am 29. Dezember 2015, 05:03

Die zehn wichtigsten Ereignisse im Jahr 2015. Gemeinderatswahlen, Landesausstellung oder Öffnung der Mountainbikestrecke auf den Muckenkogel: Die NÖN lässt 2015 Revue passieren.

Foto des Jahres: Das Jubiläum »140 Jahre FF St. Aegyd-Markt« wird im April in St. Aegyd groß gefeiert. Großes Publikumsinteresse findet dabei die Fahrzeug- und Geräteschau unter dem Titel »Von der Dampfspritze zur Großpumpenanlage«. Hier präsentieren Hans Setznagel, Jürgen Niedermayer und Ernest Populorum (v. l.) eine Dampfspritze, Baujahr 1910, der FF Gainfarn. Im Bild mit den Kindern Tobias Heindl, Lena Heindl und Jonas Gruber.  |  NOEN, Zeller

Gemeinderatswahlen 2015

„Wir sind nach wie vor die Bürgermeisterpartei Nummer eins im Bezirk“, freut sich ÖVP-Bezirkschef Karl Bader am 25. Jänner. Die Volkspartei verteidigt bei den Gemeinderatswahlen im Bezirk ihre neun Bürgermeistersessel in Annaberg, Eschenau, Kaumberg, Kleinzell, Lilienfeld, Mitterbach, Ramsau, Rohrbach und Türnitz. Außerdem blieben die Schwarzen mit 141 Mandaten klar stärkste Kraft im Bezirk Lilienfeld vor der SPÖ (99). Die Sozialdemokraten stellen auch nach dem Wahlsonntag wieder fünf Bürgermeister, und zwar in Hainfeld, St. Veit, Traisen, Hohenberg und St. Aegyd.

Zugewinne verbuchen die Freiheitlichen, die zukünftig in zwölf verschiedenen Gemeinderäten vertreten sind. Die Grünen schaffen nur in Traisen den Einzug ins Gemeindeparlament. Beachtliche sechs Mandate holt die Bürgerliste von Bauernbundobmann Stefan Steinacher in Ramsau, die absolute ÖVP-Mehrheit hält aber.
 

Landesausstellung als Hit

280.648 Besucher an 192 Ausstellungstagen zählt die NÖ Landesausstellung „ÖTSCHER:REICH – Die Alpen und wir“ in Neubruck und Laubenbachmühle. Zigtausende Gäste schauen weiters bei der neu errichteten Ötscher-Basis in Wienerbruck, dem dritten Standort sowie Ausgangspunkt von Wanderungen, vorbei.

Anklang finden auch die 15 ÖTSCHER:REICH-Stationen, darunter das Stift Lilienfeld und die Schau „Evangelisch im Ötschergebiet“ in Mitterbach. Über die Landesausstellung hinaus soll künftig in verschiedensten Kooperationen die Regionalentwicklung vorangetrieben werden.
 

FF Annaberg aufgelöst

Die Personalnot der seit über 120 Jahren bestehenden FF Annaberg ist nicht erst seit gestern bekannt. Bereits 2013 steht die Feuerwehr mangels Kommando kurz vor der Auflösung. Bei der Vollversammlung Ende Mai wird nun definitiv die Auflösung der FF Annaberg beschlossen. Einstimmig. „Laut Papier haben wir noch 21 aktive Mitglieder. Die Hälfte davon kann man streichen. Mit zu wenig aktiven Mitgliedern kann keine Feuerwehr geführt werden“, begründet der damalige FF-Chef Peter Engleitner den Schritt.

Die FF Wienerbruck, die zweite Feuerwehr in der Gemeinde, übernimmt Mitte Oktober dann die Arbeit der FF Annaberg und zeichnet nun für die Betreuung des gesamten Gemeindegebietes verantwortlich. Die ersten Einsätze in der neuen Struktur funktionieren auch gut, erklärt Wienerbrucks FF-Chef Richard Hinteregger.
Ende Oktober löst sich die Freiwillige Feuerwehr Annaberg dann auch formal auf.

„Die Löschung der FF ist offiziell mit Bescheid an uns ergangen“, bestätigt Bürgermeisterin Petra Zeh. Die Ortschefin zieht trotz dem aus Personalnot entstandenen Aus für die FF Annaberg zufrieden Bilanz: „Wir bedanken uns bei allen Feuerwehrleuten für die konstruktive Zusammenarbeit in einer Angelegenheit, die doch alle Annaberger und Annabergerinnen persönlich betrifft. Alle haben zusammengearbeitet und somit die beste Lösung erzielt. Es war uns immer wichtig, dass die Versorgung der Bevölkerung der gesamten Gemeinde gesichert ist. Und das ist mit der Zusammenlegung der beiden Feuerwehren gelungen.“
 

Mountainbikestrecke auf den Muckenkogel

Nach langem Tauziehen einigen sich die Grundeigentümer, allen voran das Stift Lilienfeld, Jagdpächter Rudolf Gürtler und die Stadtgemeinde Lilienfeld auf die Freigabe der Haupt-Forststraße auf den Muckenkogel zum Mountainbiken, die Öffnung erfolgt per Mai. Bürgermeister Herbert Schrittwieser zieht vor dem Inkrafttreten der Wintersperre eine positive Bilanz: „An Top-Tagen war im Sommer eine dreistellige Summe an Radfahrern unterwegs.

Speziell für die Hütten ist die Mountainbikestrecke ein wertvoller wirtschaftlicher Faktor geworden.“ Auch Wirt Helmut Schroffenauer von der Klosteralm ist zufrieden: „Wir haben einen schönen Umsatz mit den Radfahrern gemacht. Speziell am Wochenende waren sehr viele Mountainbiker da.“
 

Bezirk als Filmkulisse

Für den 15-Minuten-Streifen „Jungwild“ von Drehbuchautor und Regisseur Bernhard Wenger wird im September am Hohenberger Thorhof gedreht. Die Hauptrollen in dem Kurzfilm über einen Vater-Sohn-Konflikt spielen Erwin Steinhauer und Thomas Schubert.

Teile der fünften Folge „Der Kronzeuge“ der elften Staffel von SOKO Donau werden indes im Juni fast eine Woche lang am Anwesen Kleinreith von Gottfried und Helga Wegerer in Lilienfeld gedreht. Als „unfassbar schön“ bezeichnet Gregor Seberg, der in der Krimiserie den Ermittler Oberstleutnant Helmuth Nowak verkörpert, das abgeschiedene Set am Berg. Der Gasthof Punz-Bertl in Türnitz bildet weiters den Schauplatz von Szenen für „Die Vorstadtweiber“.
 

Neuer Bezirkshauptmann

Im Mai kommt es zur offiziellen Amtsübergabe: Ernst Anzeletti, der seit Ende Jänner neuer Bezirkshauptmann in Wiener Neustadt ist, wird von Landeshauptmann Erwin Pröll im Stift Lilienfeld verabschiedet.  Franz Kemetmüller, der Ende März in Lilienfeld in Anzelettis Fußstapfen getreten ist, wird offiziell ins Amt eingeführt. Der neue Lilienfelder Bezirkshauptmann dankt in seiner Ansprache seinem Vorgänger, ein „gut geführtes Haus“ hinterlassen zu haben.

Er werde sich nach bestem Wissen und Gewissen und mit vollem Engagement für den Bezirk einsetzen, so Kemetmüller. Sein oberstes Gebot sei eine „schlanke, moderne und effiziente Verwaltung“. Er wolle ein „freundlicher, menschlicher, bürgernaher und gesetzestreuer Bezirkshauptmann“ sein. Und: „Im Bezirk halten die Menschen zusammen“, stellt Kemetmüller fest.

Anzeletti blickt auf sieben schöne Jahre in Lilienfeld zurück: Der Bezirk verfüge über eine „herausragende Landschaft und tolle Menschen“, so Anzelettis Abschiedssatz.
 

Lifteinstellung im Winter

Die Stadt Lilienfeld tritt auf die Kostenbremse: In der November-Gemeinderatssitzung beschließen die Mandatare die Einstellung des Liftverkehrs auf den Muckenkogel in der Wintersaison 2015/2016. Zugrunde liegt dieser Entscheidung, so Lift-Geschäftsführer und Vizebürgermeister Wolfgang Labenbacher, eine Hochrechnung, die im Falle eines Winterbetriebes bei kalkulierten 36 Betriebstagen Einnahmen von 10.000 Euro prognostiziert.

Dem gegenüber stehen Kosten für Betrieb und Vorbereitungsarbeiten von 35.000 Euro. Macht also ein zu erwartendes Minus von 25.000 Euro.

Nicht betroffen ist vom Aus des Winterbetriebes der Sommerverkehr am Muckenkogel, der im Frühjahr 2016 wieder aufgenommen werden soll.
 

Neues Annaberger Hotel

Mit dem Mostviertelfest und mehr als 350 geladenen Gästen wird Anfang Oktober das neue JUFA Annaberg Bergerlebnis-Resort nach einer Rekordbauzeit von nur 321 Tagen offiziell eröffnet.

„Vom Spatenstich bis zum Einchecken der ersten Gäste sind nur 321 Tage vergangen, in denen 1.000 Kubikmeter Fels weggesprengt und 3.500 Quadratmeter Beton eingebracht wurden, um ein Familienhotel mit 5.000 Quadratmeter Gesamtnutzfläche entstehen zu lassen“, schildert JUFA-Vorstand Gerhard Wendl bei der Eröffnung. Das neue Hotel in Annaberg bietet bei 20 neuen Arbeitsplätzen 208 Betten in 64 modern ausgestatteten Zimmern, die am Eröffnungswochenende bereits ausgebucht sind.

Insgesamt haben JUFA und das Land NÖ (ecoplus) elf Millionen Euro in den Standort investiert. „Das ist ein Impuls, der sich weit über den Standort hinaus positiv auswirken wird. Das neue JUFA-Hotel verspricht das touristische Zugpferd der gesamten Region zu werden“, erklärt Wirtschafts- und Tourismuslandesrätin Petra Bohuslav.
 

Apotheken-Insolvenz

Im September wird über die St.-Hubertus-Apotheke in Hohenberg das Insolvenzverfahren eröffnet. Ende Oktober hat das Bangen der Bevölkerung um den Fortbestand der Apotheke zum Glück ein Ende: Die Gläubiger stimmen dem Kauf durch die Lilienfelder Pharmazeutin Helene Böhm zu.

Gebäude wie auch Konzession gehen an Böhm, die die Apotheke seither weiterbetreibt. Apothekerin sein ist für sie nicht nur Beruf, sondern Berufung: „Mir gefällt die Verbindung der naturwissenschaftlichen mit der sozialen Komponente.“
 

Gerichtsentscheide

Zwei Gerichtsurteile sorgen 2016 im Bezirk für Aufsehen. Der im Sommer 2011 auf Geheiß von Bürgermeister Christian Leeb abgerissene ehemalige Gasthof „Schwarzer Adler“ im Türnitzer Ortszentrum muss nicht mehr aufgebaut werden: Zu diesem Schluss kommt das Landesverwaltungsgericht.

Anfang des Jahres kippt ebenfalls das Landesverwaltungsgericht den Negativbescheid der Bezirkshauptmannschaft zur Errichtung einer neuen Hofer-Filiale in Hainfeld. Der Weg für den Neubau ist somit frei. Mitte Oktober öffnet der Diskonter in der Gölsentalstadt seine Pforten.
 

Zitate des Jahres

„Ganz ehrlich – und das überrascht mich selber – bis jetzt war bei allen Gästen noch kein echter Grantscherb’n dabei. Ich hoffe nicht, dass die dann alle zum Schluss kommen.“ 
Naturvermittler Heribert Pfeffer, Annaberg, zur Landesausstellung

„Trotz der Fahrplandialoge werden von den ÖBB Sachen hingeknallt, auf die man nur kurzfristig reagieren kann. Das ist ärgerlich für die Betroffenen und die Politik.“
Landtagsabgeordneter Karl Bader ärgert sich über den ÖBB-Fahrplan

„Ich nehme nicht an, dass der Amtssachverständige auch zu dumm
ist.“
Ramsaus Ortschef Raimund Reichel (ÖVP) in einer hitzigen Gemeinderatssitzung in Richtung
Bürgerliste


„Die Folgen von Unfällen mit Rotwild sind oft dramatisch, weil es mindestens 50 Kilogramm wiegt. Da gibt es schon aus, wenn man drauffährt.“
Der Lilienfelder Bezirksjägermeister Martin Schacherl

„Wenn keine Nachfrage für den Nachtbus-Zubringer besteht, macht es auch keinen Sinn, Geld auszugeben.“ Lilienfelds Bürgermeister Herbert Schrittwieser zum Aus für den Nachtbus-Zubringer

 



2015 nahmen wir Abschied von ...

Herbert Mühleder: Der beliebte Facharzt für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde in Lilienfeld steht im 63. Lebensjahr, als ihn Anfang des Jahres der plötzliche Tod ereilt. In seine Fußstapfen als Zahnarzt tritt mit Dezember Erich Mayer.

Peter Gebhart: Er war lange Jahre Arbeiterkammer-Bezirksstellenleiter, Vizebürgermeister in St. Aegyd, engagiertes Mitglied der Feuerwehr und der Bergrettung St. Aegyd. Im März kommt Peter Gebhart auch im Dienste der Bergrettung tragisch ums Leben. Er überstellt gemeinsam mit zwei anderen Bergrettern neue Dienstfahrzeuge von Wiener Neustadt nach Tulln, wo diese für den Bergrettungsdienst umgebaut werden sollten. Plötzlich gerät der 73-Jährige auf der A 21 bei Alland mit dem St. Aegyder Dienstwagen von der Straße ab. Trotz des Rettungshubschraubereinsatzes gibt es für ihn keine Rettung mehr.

Günther Liegle: Vermutlich ein Herzversagen führt Anfang September zu seinem viel zu frühen Ableben: Günther Liegle, beliebtes langjähriges Mitglied der FF Traisen-Markt sowie Deutsch- und Geschichtelehrer an der HLW Türnitz und der Neuen Mittelschule Lilienfeld, steht erst im 58. Lebensjahr.
Andreas Fitzner: Der 47-jährige Andreas Fitzner, Hüttenwirt der Anna-Alm, lässt im Oktober bei einem Autounfall sein Leben. Er ist in der Früh in Annaberg mit seinem Pkw auf der Forststraße von der Anna-Alm kommend talwärts unterwegs, als das Unglück in einer 180-Grad-Kehre passiert: Der Wagen kommt aus unbekannter Ursache links von der Straße ab und stürzt über die Böschung. Dabei dürfte sich das Fahrzeug mehrmals überschlagen haben. Etwa 50 Meter unterhalb der Forststraße bleibt der Pkw des Mannes an einem Baum hängen.

Josef Eichinger: Kurz vor Weihnachten stirbt nach kurzer schwerer Krankheit Josef Eichinger im 88. Lebensjahr im Krankenhaus Hietzing in Wien. Eichinger war von 1978 bis 2014 Herausgeber der NÖN und von 1983 bis 2014 Vorsitzender des Aufsichtsrates des NÖ Pressehauses. Von 1978 bis 2014 stand er als Obmann an der Spitze des Pressvereins der Diözese St. Pölten. Bis zuletzt leitete Josef Eichinger noch die St. Pöltner Kirchenzeitung „Kirche bunt“.

Gustav Fuchs: Einem Schlaganfall erliegt kurz vor seinem 95. Geburtstag Gustav Fuchs aus Wienerbruck. Damit ist der der älteste Annaberger Gemeindebürger verstorben.