Lilienfeld

Erstellt am 26. April 2017, 05:20

von Astrid Krizanic-Fallmann

Stift Lilienfeld als Vorbild. Heimisches Zisterzienserkloster ist das erste, von dem die komplette Sammlung an mittelalterlichen und neuzeitlichen Handschriften im Internet zugänglich ist.

Bei der Präsentation: Vizebürgermeister Manuel Aichberger, Prior Pius Maurer, Stiftsarchivarin Irene Rabl, Direktor Thomas Aigner vom Diözesanarchiv, Abt Matthäus Nimmervoll, Diözesanarchiv-Mitarbeiter Eugen Novak und Superior P. Michael Staberl (v. l.) aus Mariazell.  |  NOEN, Krizanic-Fallmann

Das im Vorjahr umgesetzte Projekt wurde am vergangenen Freitag der Öffentlichkeit präsentiert: In Kooperation mit dem Diözesanarchiv St. Pölten konnten alle 220 mittelalterlichen und 60 frühneuzeitlichen Handschriften der Stiftsbibliothek und des Stiftsarchivs digitalisiert werden.

„Unter den Stiften ist Lilienfeld das erste, von dem der komplette Bestand online abrufbar ist. Das ist großartig“, betonte Direktor Thomas Aigner vom Diözesanarchiv. Schon bei der EDV-mäßigen, lückenlosen Erfassung der Urkunden vor zehn Jahren wäre das heimische Zisterzienserkloster unter den Protagonisten gewesen, berichtete Aigner. Der ursprüngliche Plan war, nur die in Lilienfeld überlieferten Handschriften aus dem 1782 aufgehobenen Benediktinerkloster (Klein)-Mariazell bei Altenmarkt an der Triesting für Aigners Projekt „MCellA – Interdisziplinäre Studien zum ehemaligen Benediktinerkloster (Klein)-Mariazell in Österreich“ elektronisch zu verarbeiten. Dieses fächerübergreifende Vorhaben startete schon 2014. Stiftsarchivarin Irene Rabl ist Projektmitarbeiterin und forscht zur Geschichte der Bibliothek, da dem Stift Lilienfeld (Klein)-Mariazeller Drucke, Handschriften und Wiegendrucke (Inkunabeln) übergeben wurden.

Stiftsbibliothek seit dem 17. Jahrhundert

„Ein weiterer Grund zur Freude“ sei für Aigner deshalb auch, dass nunmehr eine „fundamentale Quelle der Geschichte für die Leute der Region um Altenmarkt virtuell zur Verfügung steht“, so der Direktor des Diözesanarchivs.

„Die Mönche in den Schreibstuben waren im Mittelalter Kulturträger und Wissensvermittler von antiken, aber auch kirchlichen, christlichen Schriften“, merkte Prior P. Pius Maurer als Verantwortlicher der Stiftsbibliothek an. Das bedeutsamste Werk in Lilienfeld ist die von Abt Ulrich nach seiner Amtszeit von 1345 bis 1351 verfasste „Concordantiae caritatis“ (Cod. 151), eine reich bebilderte Handschrift nach dem Typus der Armenbibeln. Mit den nun weltweit im Internet zugänglichen Handschriften werde erneut Kultur vermittelt, sagte Maurer.

An drei Beispielen, darunter eine Predigt von Abt Chrysostomus Wieser aus dem 17. Jahrhundert, zeigte Stiftsarchivarin Irene Rabl vor, wie diese unter www.archivnet.at oder unter www.manuscriptorium.com zu finden und welche Informationen abrufbar sind. „Die ältesten Handschriften stammen aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, die ältesten Drucke aus der Zeit um 1520“, erklärte Rabl den Besuchern.

Die heutige Stiftsbibliothek besteht seit dem 17. Jahrhundert. Wo sie vorher untergebracht war, ist nicht mehr zu lokalisieren. „Der Bücherschrank im Kreuzgang ist jedoch noch zu identifizieren“, ergänzte die Expertin. „Irene Rabl ist mit Herz und Seele bei der Arbeit“, würdigte indes Abt Matthäus Nimmervoll ihre umfangreichen Tätigkeiten.