Erstellt am 31. Januar 2016, 05:48

von Astrid Krizanic-Fallmann

Evakuierung vorbereitet. Erwin Frieb aus Rohrbach war im Ersten Weltkrieg als Soldat in Gefangenschaft. Seine Erlebnisse in Sibirien und in der Mandschurei schrieb er in einem Manuskript auf.

Handschriftlich notierte Erwin Frieb die Begebenheiten  |  NOEN, zVg

Im Ersten Weltkrieg war Erwin Frieb, der am 2. September 1880 geboren wurde und am 12. September 1959 verstorben ist, als Gefangener in Tschita, Sibirien, inhaftiert.

Am 16. August 1918 fuhr der Major mit dem Vertreter des schwedischen Roten Kreuzes, Kapitän Astrand, und dem deutschen Kriegsgefangenen Jonas, mit Erlaubnis der Roten Armee, in die Mandschurei, um Lebensmittelspenden abzuholen. In Mandschuria (Manzhouli) angekommen, erfuhren sie, dass die Ladung von General Grigori Michailowitsch Semjonof – einem Führer der Weißen im russischen Bürgerkrieg – requiriert worden war. Als dieser mit japanischen Truppen die Stadt besetzte, bekamen die drei eine Bewilligung zur Rückkehr über die Front. Nach einem abenteuerlichen Fußmarsch durch die Steppe kamen sie wieder in ein bewohntes Gebiet.

„In der Früh herrschte in Borsa lebhafte Bewegung“, schrieb Frieb auf. Der Ort sollte evakuiert werden. „Kopflos und jammernd liefen die Leute umher, die Panik hatte alle ergriffen. Auf dem Bahnhof standen zwei Züge, welche nach Norden fahren sollten. Kreischend und weinend verluden die Weiber ihre Habseligkeiten in die Waggons, altes Gerümpel und Haustiere standen wirr durcheinander.“

Zweifellos hatte sich die Lage der Roten Armee verschlechtert. „Wir wollten um 9 Uhr vormittags unseren Besuch beim Stab abstatten, erhielten aber die Auskunft, die Herren hätten bis in die Früh dringend zu arbeiten gehabt, sie schliefen jetzt, wir mögen später kommen“, notierte er. „Diese Verzögerung war uns nicht angenehm, denn wir kamen dadurch neuerlich in den ganzen Wirbel hinein.“ Um 11 Uhr vormittags wurden sie doch empfangen. „Die Gastgeber baten uns um Entschuldigung. Gesprächsweise, so nebenbei, teilten sie uns mit, dass die tschechische Armee am Baikalsee einige Vorteile errungen habe. Diese Nachricht interessierte uns besonders, weil wir doch nach Tschita wollten, also der unerwarteten tschechischen Offensive entgegen.“

Für die Bolschewiki ging es nun darum, die Soldaten noch vier Wochen aufzuhalten. Denn dann würde auf der mandschurischen Steppe eine Periode heftiger eisiger Stürme beginnen, die militärische Operationen erstickten. „Semjonof und die Japaner warteten diese schlechte Saison gar nicht ab, sie kamen wahrscheinlich schon morgen“, mutmaßte Frieb.