Erstellt am 24. November 2015, 03:28

von Claudia Stöcklöcker

Frauen wurden abgezockt. Übers Internet suchte ein 39-Jähriger Kontakt zu Frauen aus Traisen. Trickreich lockte er ihnen dann Erspartes heraus. „Im Arbeiten habe ich keinen Sinn gesehen“, sagt er.

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„Ich bin sehr misstrauisch geworden“, sagt eine junge Frau im Prozess am Landesgericht St. Pölten. Das Blaue vom Himmel versprach ihr ein 39-Jähriger und zockte sie ab. Schwerer gewerbsmäßiger Betrug wird dem Deutschen nun vorgeworfen im Prozess am Landesgericht St. Pölten.

„Ich habe allen Frauen vorher geschrieben,
dass mir der Schneidezahn fehlt. Denn das
war wirklich peinlich.“
Angeklagter im Prozess

Über Internetforen lernte der Beschäftigungslose Frauen aus Traisen und dem Raum Tulln kennen. Vermögend zu sein, täuschte er allen vor. „Ich habe erzählt, dass ich Geld hätte, nur im Moment nicht drankäme“, gesteht er.

Warum er nicht gearbeitet hat? „Ich habe keinen Sinn darin gesehen. Und mein Schneidezahn war abgebrochen, so kann man sich nirgends vorstellen.“ „Das hat sie aber nicht davon abgehalten, Frauen zu kontaktieren“, kontert der Richter. Darauf der Angeklagte: „Ich habe allen vorher geschrieben, dass mir der Zahn fehlt. Denn das war wirklich peinlich.“

Von Lug und Trug erzählen die Opfer. „Mir hat er einen gefälschten Kontoauszug mit beträchtlichem Guthaben gezeigt und erzählt, dass er in Mallorca Boutiquen eröffnen will. Wir waren dort beim Immobilienmakler“, sagt eine Frau. Die Reisekosten streckte sie vor.

„Ich habe ihm Geld gegeben, weil er angeblich alles beim Wohnungsbrand verloren hat“, berichtet eine andere, einer Dritten entlockte er Bares und vertröstete sie mit „ausstehendem Erbe“. Alles ist das aber noch nicht, auch Nötigung wird dem 39-Jährigen vorgeworfen.

„Wollte nur erreichen, dass sie mit mir Schluss macht“

„Sie haben einem Opfer vorgetäuscht, im Gefängnis zu sitzen und Schutzgebühr zu brauchen, um sich vor sexhungrigen Mitgefangenen zu schützen. Dann haben Sie sich als Zellengenosse Franz ausgegeben und das Opfer aufgefordert, Nacktfotos zu senden, damit Sie der Franz nicht verknuspert!“, wettert der Richter.

„Ich wollte damit nur erreichen, dass sie mit mir Schluss macht“, rechtfertigt der Angeklagte diese Aktion. Jetzt wettert der Staatsanwalt: „Da ist Ihnen nichts Besseres eingefallen? Hätten Sie ihr doch gebeichtet, dass alles, was Sie ihr sonst erzählt haben, nicht stimmt. Das hätte gereicht!“

Zur weiteren Zeugeneinvernahme wird der Prozess vertagt.