Erstellt am 23. Februar 2016, 05:04

von Claudia Stöcklöcker

Freispruch für Polizisten nach Prügel-Vorwurf. Bei einer Schwerfahrzeugkontrolle sollen Polizisten einen Lkw-Fahrer mit der Faust geschlagen und getreten haben. Von Körperverletzung wurden sie freigesprochen.

 |  NOEN, Symbolbild

Mit schweren Vorwürfen sehen sich zwei Polizisten aus dem Bezirk Lilienfeld in einem Prozess am Landesgericht St. Pölten konfrontiert. Bei einer Verkehrskontrolle eines Lkw-Fahrers in Hohenberg sollen die Exekutivbeamten laut Staatsanwaltschaft einen 51-Jährigen verletzt haben.

Den Fall ins Rollen brachte eine Beschwerde des vermeintlichen Opfers beim Landesverwaltungsgericht, die Polizisten landeten vor dem Strafrichter. Geständig sind sie nicht.

"Wir wollten deeskalierend eingreifen"

Eine Schwerfahrzeugkontrolle führten die Exekutivbeamten im Februar 2014 in Hohenberg durch. „Er war unkooperativ, begründete das mit Zeitdruck“, sagt einer der Beschuldigten über das vermeintliche Opfer. „Er ist lauter geworden, wahrscheinlich, weil er stark überladen war. Wir wollten deeskalierend eingreifen.“ Und: „Körperkontakt hat es gegeben, aber ich habe ihm sicher keinen Faustschlag versetzt.“

Von einer schwierigen Amtshandlung erzählt auch der zweite Polizist: „Dass wir in Annaberg alle davongelaufen sind und uns jetzt bei ihm aufführen, hat er gesagt. In Annaberg, da wurden damals ja Kollegen erschossen. Das hat mich aufgeregt, berührt hab’ ich ihn aber nicht.“ Anderes berichtet der vermeintlich Verletzte. „Innerlich hab’ ich mich geärgert“, erzählt der Lkw-Fahrer und gibt verbale Beschimpfung nicht zu. „Einer hat mir massiv eine mit der Faust auf die linke Schulter gegeben. Blitzartig, das hat wehgetan, das war Wahnsinn.“

„Jetzt höre ich von ihm die vierte Version des Tathergangs. Von Schlägen hat er bis jetzt nichts erzählt. Was soll ich nun glauben?“ Richter Slavomir Wiaderek

Und: „Dann ist der andere auf mich zugerannt, hat ausgeholt, mich getreten, auf den Oberkörper geschlagen und gegen die Bordwand gedrückt. Vollgas, das hat gesessen.“ Mehrmals wurde der Lkw-Fahrer schon einvernommen, eines mache „dabei stutzig“, meint Richter Slavomir Wiaderek. „Jetzt höre ich von ihm die vierte Version des Tathergangs. Von Schlägen hat er bis jetzt nichts erzählt. Was soll ich nun glauben?“

Von Körperverletzung unter Ausnützung einer Amtsstellung werden die Exekutivbeamten im Zweifel freigesprochen. Schuld habe das Beweisverfahren mit der für eine Verurteilung notwendigen Sicherheit nicht ergeben. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.