Erstellt am 08. März 2016, 14:52

von Gila Wohlmann

Giftköder! Hundehasser im Bezirk?. Dalmatinerhündin von Hainfelderin fraß Giftköder. Kleinzellerin fand verdächtiges Fleischstück auf ihrer Terrasse.

Martina Zöchling aus Hainfeld ist glücklich, dass es Hündin Viola wieder besser geht. Hier in ihrem Garten fand sie den Giftköder nahe des Zauns am Schießstattweg. Foto: Wohlmann  |  NOEN, Gila Wohlmann
Fassungslosigkeit. Entsetzen. Unverständnis. Das sind der Hainfelder Unternehmerin Martina Zöchling und der Kleinzeller Schotterwerk-Betreiberin Natascha Bachner ins Gesicht geschrieben.

Sie sind überzeugt: Ihre beiden Vierbeiner sollten sichtlich Opfer einer hinterhältigen Giftattacke eines oder mehrerer mutmaßlicher Tierquäler werden.

Der Vorfall bei Zöchlings Privatanwesen am Schießstattweg in Hainfeld ereignete sich am 24. Februar. „Plötzlich sah ich, wie Viola etwas fraß und fand dann nahe des Gartenzauns unter der Hecke ein seltsame Masse. Diese sah aus wie vergammelter Käse oder Reste von Kaiserschmarrn. Darin befanden sich lila Körner. Ich wusste: ,Das kann nur Gift sein!‘“, schildert Zöchling.

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Sie fackelte nicht lange. Sofort verständigte sie Tierärztin Claudia Poosch-Böckl. Die Hainfelder Veterinärmedizinerin eilte sofort, obwohl sie eigentlich nicht im Dienst war, in die Ordination. „Ich spritzte der Dalmatinerhündin umgehend ein Mittel, das sie zum Erbrechen anregte, damit sie den Köder auswirft“, schildert diese.

Und wirklich. Die zweijährige Hündin erbrach die Reste. „Rund eine Dreiviertelstunde hatte die Arme schwersten Brechreiz, doch das war überlebensnotwendig“, schildert Zöchling.

Dies bestätigt auch Poosch-Böckl: „Je schneller man reagiert, desto besser. Sonst kann es zu schwersten Organschäden des Tieres kommen oder es kann auch tödlich enden.“ Diese schickte die Substanz auf die veterinärmedizinische Universität Wien ein. Der Befund bestätigte ihren Verdacht.

„Will keinesfalls Massenhysterie verursachen“

„Bei den blauen Körnern handelt es sich um das Gift Carbofuran. Dieses ist seit Jahren in Österreich verboten. Nur Personen mit besonderer Genehmigung dürfen dieses  beziehen“, weiß sie, bedauert aber auch, dass man im Internet sämtliche Mittel illegal frei beziehen könne.

„Das ist einfach ein Wahnsinn“, meint sie und bittet Tierhalter, vorsichtig zu sein. „Ich will keinesfalls eine Massenhysterie verursachen, aber man sollte auf jeden Fall achtsam sein, wenn der Hund etwas aufnimmt.“

Zöchling selbst meldete den Fall der Polizei Hainfeld. Sie hat auch den Köder fotografiert. „Wir haben die Anzeige aufgenommen. Unsere Ermittlungen laufen“, bestätigt ein Beamter. Auch der Lilienfelder Amtstierarzt Andreas Fallmann ist in Kenntnis. „Leider kommen solche  Fälle immer wieder vor“, weiß er aus langjähriger Erfahrung.

„Unvorstellbar, falls Kind solches Gift erwischt“

Zöchling hat ebenso über Facebook die Öffentlichkeit gewarnt und hängt nun Warnzetteln in Hainfeld auf. Über Facebook erfuhr sie dann auch, dass es noch eine weitere Giftattacke auf ähnliche Art bei Natascha Bachner gab.

„Ich bin einfach fassungslos, wie man einem wehrlosen Tier so etwas antun kann und dass man so einen Hass entwickeln kann“, gibt sie sich erschüttert und ist froh, dass ihre Viola durch das engagierte, professionelle Agieren ihrer Tierärztin sich wieder auf dem Weg der Besserung befindet.

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Derzeit lässt sie ihren Hund nur mit Beißkorb und Leine im Garten spazieren. „Das ist schon sehr traurig, wenn es einmal so weit kommen muss“, grollt Zöchling und gibt zu bedenken: „Bei uns wohnen sehr viele kleine Kinder in der Siedlung. Unvorstellbar, wenn ein Kind ein solches Gift erwischt.“

Glücklicherweise nichts von einem möglichen Gift erwischt hat der zweijährige Appenzeller-Mischling „Jimie“ von Natscha Bachner

„Am Freitag fand ich direkt auf meiner Terrasse eine zirka ein Kilo schwere fleisch- und sehnenartige Masse. Diese war mit pinkfarbenen Körnern versehen“, schildert sie, die in der Solbachsiedlung in Kleinzell wohnt. Im ersten Moment dachte sie an einen Fuchsköder, durch Jäger ausgelegt.

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„Ich habe aber mit Jägern gesprochen. Es wurde nichts ausgelegt“, sagt sie. Natürlich macht sie sehr skeptisch, wie der Köder überhaupt zu ihrer Terrasse gelangt sei, denn dafür muss man erst quer durch ihren Garten gehen.

Auch sie hat das seltsame Fleischstück fotografiert (siehe Bild unten). Untersuchen hat sie das Stück aber nicht lassen, sondern verbrannt.

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„Weil mein Jimie ja nichts gefressen hat“, begründet sie dies. „Wenn ich zu diesem Zeitpunkt aber schon gewusst hätte, dass es weitere Vorfälle gibt, hätte ich das natürlich nicht getan“, beteuert Bachner, die am Dienstag aufgrund der Parallelen zum Hainfelder Vorfall die Polizei St. Veit in Kenntnis gesetzt hat.

In St. Veit soll auch ein Köder gefunden worden sein. Dies konnte aber bis dato seitens der Exekutive nicht bestätigt werden.

„Wie kann man nur so grausam und gemein sein“, ist Bachner zutiefst erschüttert. Und: „Natürlich bekommt man dann auch Angst“, sagt die alleinerziehende Mutter einer achtjährigen Tochter.

Viele positive Rückmeldungen auf Hilfsaktion

Ob Zöchling und Bachner einen Verdacht haben, wer ihnen Böses will, da ja die Köder sichtlich mutwillig auf den Privatgrundstücken abgelegt wurden?

„Als Hundehalter ist man natürlich immer wieder mit Personen konfrontiert, die keine Hunde mögen, aber man kann natürlich nicht jeden unter Generalverdacht stellen“, meint Zöchling.

Bachner weiß nur, dass sie durch ihre jüngste Spendenaktion für Obdachlose und deren Hunde traurigerweise von einigen Leuten angefeindet wurde ( die NÖN berichtete über die Spendenaktion mehrmals ). „Aber das muss ja nicht in Zusammenhang stehen“, meint sie. „Es gab aber auch sehr viele positive Rückmeldungen auf meine Hilfsaktion und das freut natürlich“, fügt  Bachner hinzu.

Und beide Damen bestätigen, dass „man als Unternehmer leider immer wieder mit Neidern konfrontiert ist und selbst stolz sein dürfe, wenn man auf ehrliche, fleißige Arbeit blicken darf.“

Sachdienliche Hinweise, die zur Ausforschung des mutmaßlichen Tierquälers führen, sind jedenfalls an die Polizei Hainfeld unter 059133/3122 erbeten und werden vertraulich behandelt.

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