Hainfeld

Erstellt am 31. August 2016, 03:00

von Gila Wohlmann

Erfolgsprojekt: "Orte des Respekts". Der Begegnungsraum „Comedor del Arte“ hat sich zu einem Treffpunkt für neue Mitbürger und Einheimische entwickelt, bei dem nur der Mensch im Mittelpunkt steht.

Alexandra-Eichenauer Knoll und Franz Witzmann haben ihr Projekt beim Wettbewerb „Orte des Respekts“ und beim Rot-Kreuz-Freiwilligenpreis eingereicht.  |  NOEN, privat

Der „Comedor del Arte“, der Begegnungsraum für Hiesige und neue Mitbürger, ein vom „Tu-was“-Sozialfestival gefördertes Sozialprojekt, rund um Franz Witzmann und Alexandra Eichenauer-Knoll entpuppt sich als wahres Erfolgsprojekt.

„Der Begegnungsraum in der Bahnstraße 1 ist seit sechs Monaten in Betrieb, als kurze Zwischenbilanz ist klar zu erkennen, dass großer Bedarf für die Räumlichkeiten und für dieses Projekt besteht“, sagt Franz Witzmann. „Mittlerweile“, berichtet er, „haben wir eine Vielzahl an regelmäßigen Veranstaltungen und zahlreiche freiwillige Mitwirkende für die unterschiedlichsten Aufgaben.“

„Beim Einrichten und bei der Grundreinigung waren stets Menschen eingebunden, die sich im Asylverfahren befinden“, erzählt er, auch, dass er „bei Einkäufen und Aufträgen besonderen Wert auf Regionalität legt“. Eines der Grundanliegen des „Comedor del Arte“ sei, dass die lokale Wirtschaft gefördert wird und der Gestaltungs- und Begegnungsraum dadurch eine andere Wahrnehmung erhält.

„Der Geschäftskontakt sei persönlich, menschlich und auf Langfristigkeit angelegt“, so Witzmann. Ob das gemeinsame Restaurieren, Deutschlernen oder Angebote für Kinder – es tut sich laufend etwas im „Comedor“. Einer der Höhepunkte der letzten Zeit war die Filmpräsentation von „Fremd bin ich eingezogen – auf der Flucht“.

"Wichtige Punkte sind Kooperation und Vernetzung“

In einer dreiwöchigen Workshopreihe hatte die Medienkünstlerin Sonja Wessel mit Menschen, die sich im Asylverfahren befinden, deren eigene persönliche Geschichten erarbeitet und in Form eines Kurzfilmes erzählt. Insgesamt sechs Menschen, die in Hainfeld in Quartieren untergebracht sind, konnten für diese Workshops gewonnen werden. Diese Filme und zwei weitere wurden präsentiert. Ein weiteres Highlight dieses Abends war das Konzert von Franz Hautzinger und Salah Addin. „Wichtige Punkte unseres Projekts sind Kooperation und Vernetzung“, so Witzmann.

So ist der „Comedor del Arte“ Abholstation für Bezieher von Gemüsekisten aus der kooperativen Landwirtschaft des Lebensgutes Miteinander. „Menschen, die sich im Asylverfahren befinden, helfen freiwillig im Gartenbetrieb des Lebensgutes“, freut sich Witzmann, denn: „All diese Menschen sind oftmals monate - oder jahrelang zu perspektivloser Untätigkeit gezwungen und sind sehr froh über diese Tätigkeiten. Solche Aktivitäten geben Tagesstruktur, bringen Begegnung mit Menschen vor Ort und fördern Integration und Zusammenarbeit.“

Beim Umsetzen der Philosophie der kleinen Schritte im „Comedor del Arte“ bedarf es Geduld, Ruhe und Gelassenheit. Witzmann: „Um das Projekt in das Ortsgefüge zu integrieren, sind gute nachbarschaftliche Beziehungen förderlich. Aus diesem Grund habe ich mit den Bewohnern der angrenzenden Häuser von Beginn an Gespräche geführt und darüber erzählt, was hier geschehen soll. Anfänglich hat es einige kritische und ein paar heftige Diskussionen gegeben, aber mittlerweile sind wir mit den meisten Nachbarn in einem freundschaftlichen Verhältnis. Wir grüßen uns freundlich, sie sehen wohlwollend, was geschieht, und manch einer freut sich über frisch gebackene Polsterzipf aus der Comedor-Küche.“

Gute Zusammenarbeit besteht mit dem Team der Rot-Kreuz-Tafel. „Aus Gründen des geordneten Ablaufs bei der Ausgabe an Samstagen, wurde vom Roten Kreuz veranlasst, dass nur mehr eine Person pro Familie zur Ausgabe vorgelassen wird. Um zu verhindern, dass sich zu viele Menschen auf dem Parkplatz vor dem Rot-Kreuz-Haus befinden, ist der ,Comedor del Arte‘ jetzt auch an Samstagen von 16 bis 20 Uhr geöffnet“, schildert Witzmann.

Verein zur Förderung wurde gegründet

Zusammenarbeit besteht auch mit dem Team der „Frauenblüten“ aus Traisen, mit dem Netzwerk von Neulengbach.hilft und der Villa Kreativ, ebenso mit der Flüchtlingshilfe der Diakonie. Jetzt wurde der „Herzverstand – Verein zur Förderung, Organisation und Betrieb des ,Comedor del Arte‘ sowie zur Weiterverbreitung der Vision einer empathischen Gesellschaft“ als nächster Schritt gegründet.