Lilienfeld

Erstellt am 23. August 2016, 05:29

von Markus Zauner

Eberl: „Das grenzt an Unverfrorenheit“. Manch Dienstgeber tritt Urlaubsanspruch mit Füßen, kritisiert AK-Chef. 49.335 Euro an Entgeltnachzahlung erreicht.

Gerald Novak, Bezirksstellenleiter Burkhard Eberl und AK-Niederösterreich-Vizepräsident Michael Fiala präsentieren die arbeitsrechtliche Bilanz für den Bezirk Lilienfeld.  |  NOEN, privat

Bezirksstellenleiter Burkhard Eberl ließ anlässlich der Pressekonferenz zur Halbjahresbilanz der Arbeiterkammer (AK) seinem Ärger freien Lauf: „Wenn trotz der Anspruchsvoraussetzungen die sechste Urlaubswoche nicht gegeben wird, grenzt das an Unverfrorenheit.“ Eberl bezog sich auf eine Handelsangestellte, die im Bezirk Lilienfeld fast 22 Jahre durchgehend im selben Unternehmen beschäftigt war und mehr als fünf Jahre an Vordienstzeiten vorzuweisen hatte.

Das Problem im Detail: Nachdem die Arbeitnehmerin im Freundeskreis darauf hingewiesen worden war, seit fast zwei Jahren Anspruch auf einen höheren Urlaub zu haben, und sich folglich bei der AK informierte, redete sie ihren Chef an. Postwendend bekam die Angestellte lauf AK zu hören, wie schlecht es der Firma gehe und dass sie schon selber ansuchen müsse, um ihre Ansprüche zu wahren. „Ein in einem Gesetz verankerter Anspruch muss nicht zusätzlich eingefordert werden, sondern sollte für einen verantwortungsbewussten Arbeitgeber als selbstverständlich gelten“, betont Eberl zum konkreten Fall.

Die AK Lilienfeld forderte rückwirkend den Urlaubsanspruch ein und sicherte die künftigen Ansprüche. Weil sich diese Angelegenheit bei den Mitarbeitern des Unternehmens herumsprach, ließen drei weitere altgediente Bedienstete ihre Urlaubsansprüche kontrollieren und stellten mit Freude fest, dass bei ihnen auch bald die sechste Urlaubswoche zur Tatsache wird.

„Die Leute tendieren mehr zur persönlichen Beratung, insgesamt werden unsere Interventionen immer komplizierter.“ AK-Bezirksstellenleiter Burkhard Eberl

Unterm Strich lobt Eberl freilich die gute Sozialpartnerschaft, sprich Zusammenarbeit mit der Wirtschaftskammer. Dank dieser könnten im Bezirk 80 Prozent der Fälle außergerichtlich bereinigt werden. In Zahlen heißt das konkret: Im Zuge der arbeits- und sozialrechtlichen Beratungstätigkeit der AK im ersten Halbjahr 2016 konnten stolze 42.167 Euro außergerichtlich für die Arbeitnehmer eingebracht werden. Weitere 7.168 Euro wurden gerichtlich eingefordert, was insgesamt 49.335 Euro an Entgeltnachzahlungen bedeutet (Details siehe unten).

Plus bei Beratungen, komplexe Interventionen

Auffallend beim Betrachten der Halbjahresbilanz: Die Zahl der Beratungen an der AK-Bezirksstelle ist im Steigen: In den ersten sechs Monaten des heurigen Jahres stehen 533 zu Buche, im Vergleichszeitraum 2015 waren es nur 385. „Die Leute tendieren mehr zur persönlichen Beratung, insgesamt werden unsere Interventionen immer komplizierter“, merkt Burkhard Eberl an.

Halbjahresbilanz 2016 Bezirk Lilienfeld

Arbeits- und sozialrechtliche Beratungstätigkeit:
Beratungen: 533
Interventionen beim Arbeitgeber: 23
Kostenloser Rechtsschutz: 20
Außergerichtlich eingebracht: 42.167 Euro
Gerichtlich eingebracht:  7.168 Euro
Insolvenzvertretung: 253.762 Euro wurden für 16 Arbeitnehmer aus zwei insolventen Betrieben gesichert.
Gesamt eingebracht:  303.097 Euro

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