Erstellt am 28. September 2015, 14:40

von Claudia Stöcklöcker

Handfeste Rauferei im Wirtshaus. Weil ein Pensionist in einem Gasthaus Streit vom Zaun brach, soll ein 47-Jähriger ausgerastet sein. „Beste Freunde waren die beiden nie“, sagt ein Zeuge. Prozess vertagt.

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„Saublöd g’redet hab’ ich“, sagt ein 65-Jähriger im Prozess am Landesgericht St. Pölten. Ob seiner Stänkerei soll den Pensionisten dann, bei einer handfesten Auseinandersetzung in einem Wirtshaus im Bezirk Lilienfeld, ein 47-Jähriger verletzt haben.

„Der fünfte Tritt ist eingefahren“

Der Arbeiter sitzt nun vor Gericht und erzählt von Notwehr. „Er hat mich beschimpft, dann wollt’ er heim, plötzlich ist er wieder dagestanden und auf mich los“, erklärt der Angeklagte vor Richterin Doris Wais-Pfeffer. Und: „Ich hab’ mich geduckt, abgewehrt, erwischt hat er eine Dame, die hat eine gekriegt. Plötzlich hat er die Hose bei den Knien gehabt und ist umgefallen und dagelegen.“

Brutales berichtet das Opfer. „‚Jetzt schleichst di‘, du feiger Hund!‘, hat er gesagt, deshalb bin ich ins Wirtshaus zurück. Dann hat er mich gestoßen, geschlagen, mir ist die Hose runtergerutscht, ich bin geflogen. Sofort ist der erste Tritt gekommen. Ich konnte ihn in dieser Situation nicht angreifen.“

Wie oft der Angeklagte zugetreten hat? „Fünf, sechs, sieben Mal. Der fünfte Tritt ist eingefahren. Dann hab’ ich ihn am Fuß erwischt, konnte ihn drehen, er ist auf dem Gesäß gelandet und wollte weitermachen. ‚Jetzt is aber aus!‘, hab’ ich geschrien.“

Ob das mutmaßliche Opfer alkoholisiert war? „Mir werden zehn Achterl nachgesagt.“ Ein Zeuge meint: „Ich glaub nicht, dass er so nüchtern war, dass er Verletzungen bemerkt hat.“

„Opfer wurde ganz schön zugerichtet“

Im Spital attestierten Ärzte: „Oberarmbruch, Hämatome, Jochbeinabschürfungen“. „Und die Rippen waren gebrochen, das hat man überall gesehen, nur nicht im Spital“, fügt der 65-Jährige hinzu. „Ganz schön zugerichtet“, sagt die Richterin.

Zeugen gab es viele unter den Wirtshausgästen. „Bei uns wird net gerauft!“, soll die Wirtin geschrien haben. Einer sagt: „Beste Freunde waren die beiden nie. Gestichelt hat der eine, und warum der die Hosen unten gehabt hat, das ist mir schleierhaft.“

„Nicht viel mitgekriegt“, habe ein anderer. „Weil ich das Hörgerät nicht dring’habt hab’ und mich mit jemand unterhalten hab’. Da muss ich mich ja konzentrieren. Einer wollt’ schlichten, mehr weiß ich nicht.“

„I hab’ net wirklich was gesehen und Tritte überhaupt nicht“, erklärt ein Dritter.

Urteil fällt die Richterin keines, sie vertagt zur Einholung eines medizinischen Gutachtens und Befragung weiterer Zeugen.