Erstellt am 11. September 2015, 05:47

von Markus Zauner

Hinterecker: „100 Betten mehr nötig“. Alfred Hinterecker über ein neues Hotel als Vision, die Gemeindealpe, die Sperre der Polizeiinspektion, die Landesausstellung, das Projekt Dorf-Resort und Flüchtlingsquartiere.

»Den touristischen und wirtschaftlichen Tiefpunkt haben wir aus meiner Sicht überwunden. Sich jetzt aber zurückzulehnen, hieße Rückschritt«, betont Alfred Hinterecker im NÖN-Interview. Foto: Zauner  |  NOEN, Markus Zauner

Zum Abschluss der Bürgermeistergespräche steht Alfred Hinterecker (70), der seit September 2001 ÖVP-Ortschef in Mitterbach ist, der NÖN Rede und Antwort.

NÖN: Denken Sie nach vierzehn Jahren im Amt nicht schön langsam daran, den Bürgermeisterjob an den Nagel zu hängen?
Alfred Hinterecker: So lange ich gesund bin und die Bürger mit meiner Arbeit einverstanden sind, bin ich weiter mit Freude für die Gemeinde tätig. Einen konkreten Termin für einen Rücktritt gibt es nicht.

„Beherbergungsstruktur ist momentan sehr kritisch“

Sie haben den jahrelangen Liftstillstand in Mitterbach erlebt, jetzt blüht die Gemeindealpe auf. Ist der Tourismus im Ort damit gerettet?
Durch die Investitionen des Landes am Berg sind wir auf einem guten Weg. Unvorstellbar, wenn wir die Bergbahn nicht hätten. Den touristischen und wirtschaftlichen Tiefpunkt haben wir aus meiner Sicht überwunden. Sich jetzt aber zurückzulehnen, hieße Rückschritt. Alle Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe sowie Anbieter touristischer Infrastrukturen müssen sich weiterhin bemühen, um den momentanen touristischen Aufschwung langfristig zu sichern.

Das angelaufene Pilotprojekt „Dorf-Resort“ zur Nutzung von Synergien bei Beherbergungsbetrieben ist ein solches Bemühen?
Ja, dieses Projekt ist wichtig, weil die Beherbergungsstruktur momentan sehr kritisch zu betrachten ist. Wir haben viele kleinstrukturierte Privat-Zimmer-Anbieter, die ihre Räumlichkeiten aus den verschiedensten Gründen sehr schwer an den Gast bringen. Dieses Projekt bietet Hilfestellung, vom Vermieten bis zum Putzen. Sechs Betriebe sind fix dabei, vier weitere zeigen konkret Interesse.

Ein zusätzliches Hotel im Ort ist Illusion?
Für mich ist das keine Illusion, sondern vielmehr Vision. Durch Investitionen der öffentlichen Hand ist vieles passiert in Mitterbach, auch private Investoren zeigen nun Interesse. Vielleicht wird mit ihnen ein zusätzliches Hotel möglich. Ein konkretes Projekt gibt es derzeit aber nicht. Ohne neue Häuser wird es jedenfalls schwierig werden, in Zukunft weitere Gäste in die Gemeinde zu holen. Es sind sicher 100 Betten mehr im Angebot nötig.

„Ich bin nach wie vor unglücklich, dass wir
keine Polizeiinspektion mehr im Ort haben.
Die Sicherheit in Mitterbach sehe ich aber
gegeben.“
Alfred Hinterecker

Die laufende Landesausstellung ist ja auch in Mitterbach vertreten. Ihre erste Bilanz dazu?
Grundsätzlich sind wir sehr froh, dass wir die Ausstellung in der Region haben. Mit dem Schutzhaus Vorderötscher und der Ausstellung „GLAUBENS:REICH“ ist Mitterbach sehr gut vertreten. Die Nächtigungszahlen im Schutzhaus sind sehr erfreulich, die Ausstellung in der ehemaligen evangelischen Schule erwartet demnächst den 2.000sten Besucher. Überhaupt ist das Dorfzentrum durch die Landesausstellung belebter. Und auch durch die neue Panoramabar sieht Mitterbach Gäste, die es vorher noch nicht gesehen hat.

Die Sperre der Polizeiinspektion Mitterbach wurde in der Bevölkerung nicht mit Freude aufgenommen. Wie sicher ist die Gemeinde jetzt?
Ich bin nach wie vor unglücklich, dass wir keine Polizeiinspektion mehr im Ort haben. Da es aber gelungen ist, dass die Polizei aus Mariazell, die nur fünf Kilometer entfernt stationiert ist, bei uns voll im Einsatz sein kann und auch die Polizisten aus Annaberg bei uns präsent sind, sehe ich die Sicherheit in Mitterbach gegeben.

Die Flüchtlingsproblematik ist in aller Munde: Nimmt die Gemeinde demnächst zusätzliche Flüchtlinge auf?
Bei uns sind immer um die 30 Flüchtlinge, das entspricht sechs Prozent des Bevölkerungsanteils. Damit liegen wir weit über den geforderten zwei Prozent. Es ist nicht angedacht, zusätzliche Flüchtlinge aufzunehmen.