Erstellt am 21. September 2015, 14:17

„Mein Haus ausgeräumt“. 63-Jähriger schnupperte bereits Gefängnisluft. Nach Haftentlassung fand er Unterschlupf bei einem Freund aus der Kindheit. Dort soll er emsig zugelangt haben.

 |  NOEN, BilderBox.com (BilderBox - Erwin Wodicka)

„Am Begräbnistag meiner Mutter hab’ ich ihn nach Jahren wieder getroffen. Wir sind gemeinsam aufgewachsen, und er hat mir sein Leid geschildert“, erzählt ein 69-Jähriger im Prozess am Landesgericht St. Pölten.

Dem Freund aus der Kindheit griff der Wiener unter die Arme, ließ den Vorbestraften nach Entlassung aus dem Gefängnis im Haus der verstorbenen Mutter in Hohenberg wohnen. Gedankt haben soll ihm das der Freund auf unredliche Weise.

„Meine Freundin hat mich gefragt, ob ich umgestellt hab’, weil so viel gefehlt hat. Und die Kästen waren leer. Er hat mein Haus ausgeräumt, wer soll’s denn sonst gewesen sein? Ich hab’ ihm vertraut“, erzählt das mutmaßliche Opfer.

Von Schuhen bis zur Ziehharmonika

Vieles soll der 63-jährige Angeklagte erbeutet haben. „So viel, dass man einen Kleintransporter braucht“, sagt Richterin Doris Wais-Pfeffer. „Acht Dirndlkleider, zehn Blusen, 30 Paar Schuhe, eine über hundert Jahre alte Ziehharmonika, antike Schatullen und Vasen, Münzen, eine Standuhr“, listet die Anklägerin auf.

„Und Kameras, darunter eine alte Schmalfilmkamera. Für die hab’ ich zwei Jahre lang gearbeitet“, setzt der Wiener fort. Erreichbar wäre für ihn der 63-Jährige dann nicht mehr gewesen. Auf Schadenersatz verzichtet er. „Pfiat di, du alter Bandit!“, verabschiedet er sich vom Angeklagten.

Als Fahnder auf Fersen nach Salzburg abgesetzt

Geständig dazu ist der 63-Jährige nicht. Dass er ein Ölgemälde mitgehen ließ, gibt er zu. „Dort war ich als Kind Schwammerl suchen. Die Haustür war offen, und weil ich in Notlage war, hab’ ich es aus dem Wohnzimmer mitgenommen. Ich hab’ gedacht, das bringt 1.000 Euro. Im Dorotheum haben sie gesagt, dass es nix wert wär’.“

Alles ist das nicht. Einem Herzogenburger kaufte er ein Auto ab, 2.000 Euro dafür blieb er schuldig. „Weil mir die Sparkasse mein Geld nicht ausbezahlt hat“, erklärt er. Auf Kur lernte er eine Wienerin kennen. Die soll er um 25 100-Euro-Scheine erleichtert haben. „Sie hat gesagt, ich könnte Geld aus der Schatulle nehmen“, meint er dazu.

Nach Salzburg setzte sich der der 63-Jährige dann ab, weil, „ich mein Bild in der Zeitung gesehen hab’“. Als Ermittler ihn schon suchten, logierte er gerade in einem Herzogenburger Wirtshaus. Offen blieb auch diese Rechnung.

Auf ein Urteil muss der 63-Jährige noch warten, Zeugen müssen noch befragt werden.