Erstellt am 23. Februar 2016, 05:04

von Gila Wohlmann

Immer mehr wollen eine Waffe für daheim. Anträge zur Erlangung der Waffenbesitzkarte steigen. Bislang keine vermehrten Amtshandlungen verzeichnet Polizei.

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Immer mehr Bürger im Bezirk Lilienfeld stellen den Antrag zur Erlangung einer Waffenbesitzkarte, bestätigt Bezirkshauptmann Franz Kemetmüller: „Dieser Trend hat 2015 begonnen und hält auch heuer bis jetzt ungebrochen an.“

Das entspricht auch dem landesweiten Trend. Waffenpässe werden jedoch immer weniger. „Dies ist auf die strenge Judikatur zurückzuführen“, erklärt Kemetmüller, dass es nur noch ganz wenigen vorbehalten sei, permanent eine Waffe mit sich zu führen. Und dafür müsse derjenige auch eine plausible, zumeist jagdliche (Jagdaufseher) oder berufliche Begründung, haben. Doch warum wollen nun immer mehr Private eine Waffe haben? „Die meisten geben Selbstschutz fürs Eigenheim, manche auch sportliche Ausübung, an“, sagt der Bezirkshauptmann. Prinzipiell meint er, dass jedoch in einem ländlichen Bezirk wie Lilienfeld keine große „Verunsicherung“ herrschen sollte und Lilienfeld zudem beim landesweiten Vergleich im Bereich der Kriminalitätsrate sehr niedrig liegt.

Im Anlassfall auch Waffenverbote 

Im Anlassfall werden auch Waffenverbote ausgesprochen. „Wir überprüfen im Auftrag der Bezirkshauptmannschaft die Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen bei der Verwahrung der Waffen“, erläutert Lilienfelds Bezirkspolizeikommandant Michael Hochgerner. Er ortet derzeit keine vermehrten Amtshandlungen in Bezug auf Waffen.

Großer Beliebtheit im Bezirk erfreuen sich Schützenvereine, wo die Schusswaffe „Hobby“ ist. Ewald Reichmann ist Obmann des Schützenvereins Türnitz. 116 Mitglieder hat derzeit sein Verein, geschossen wird vor allem mit Luftgewehr, Luftpistole und Kleinkalibergewehr. Dafür gibt es vorgesehene Schießstände.
Mit anderen Waffenarten wird im Verein kaum geschossen, denn dafür müsse man auf andere, weiter entfernte Schießsportanlagen fahren, so Reichmann. Von einer möglichen angedachten Verschärfung des Waffengesetzes hält er gar nichts. „Diese Verschärfung trifft nur die legalen Waffenbesitzer, Ganoven besorgen sich Waffen ja sowieso auf illegalem Weg. Das ist traurig, aber wahr“, stellt er fest.

„Diese Verschärfung trifft nur die legalen Waffenbesitzer, Ganoven besorgen sich Waffen ja sowieso auf illegalem Weg.“ Ewald Reichmann, Schützen-Obmann, Türnitz

Karl Teicher (Bild) vom Jagdtreffpunkt in Rotheau ist nicht nur Eschenauer Hegeringleiter, sondern vertreibt auch Waffen für die Firma Pfeiffenberger. Er ist Experte für Schusswaffen aller Art. Ihm ist aufgefallen, dass Waffen nicht zuletzt aufgrund der aktuellen weltpolitischen Lage und diverser Übergriffe natürlich Gesprächsthema sind, doch es herrsche keine Panik.

„In erster Linie sind meine Kunden Jäger, aber es erkundigen sich auch andere“, sagt Karl Teicher und weiß, dass gerne nach Gaspistolen gefragt wird: „Da rate ich komplett ab. Diese Waffen sehen einer echten Waffe täuschend ähnlich und können ein Gegenüber nur herausfordern.“ Er rät zur Anschaffung eines „Tierabwehrsprays“. „Dessen Wirkung ist in der Notwehrsituation nicht gleich so gravierend, im schlimmsten Falle tödlich, wie bei einer Schusswaffe, sodass ich dann vielleicht sogar hinter Gitter muss“, meint er.