Erstellt am 30. März 2016, 04:34

von Nadja Straubinger

Kastrationspflicht: Bauern und Jäger abwartend. Ausnahmeregelung für bäuerlich gehaltene Katzen aufgehoben, Tierschützer jubeln.

Kein Aprilscherz: Auch Bauernhof-Katzen müssen kastriert werden  |  NOEN, APA

Eine Änderung im Tierschutzgesetz, die Tierschützer lange herbeisehnen, tritt mit 1. April in Kraft: die Ausweitung der Kastrationspflicht auf Katzen in bäuerlicher Haltung. Bisher waren diese ausgenommen – nicht betroffen sind weiterhin Wohnungs- und Zuchtkatzen. Ziel dieser Maßnahme ist es, die Streunerkatzenpopulation nachhaltig und auf humane Weise unter Kontrolle zu bringen, so Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser.

Großes Fragezeichen: Kastrationspflicht in der Praxis

„Das müssen wir auf uns zukommen lassen“, so der Lilienfelder Bauernbund-Bezirksobmann Reinhold Mader. Er erklärt aber, dass die Katzen Teil der landwirtschaftlichen Betriebe seien und für die Dezimierung der Mäusepopulation Sorge tragen. Wie die Umsetzung der Kastrationspflicht in der Praxis aussehen werde, könne man jetzt noch nicht sagen.

„Es fehlt mir die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme. Ich denke, dass Katzen in bäuerlicher Haltung ein, soweit ich es beobachten kann, gutes und umsorgtes Katzenleben genießen“, so Bezirksjägermeister Martin Schacherl. Schließlich haben Katzen am Bauernhof eine wichtige Aufgabe, nämlich Mäuse fangen. Er könnte sich aber vorstellen, was der Grund für die Maßnahme einer Kastrationspflicht ist: die „unfeine“ Entsorgung von nicht geplantem Nachwuchs.

„Unfeine“ Entsorgung von nicht geplantem Nachwuchs

„In meinem Umfeld sehe ich aber immer wieder, dass junge Kätzchen immer Abnehmer finden und in gute Hände kommen“, so Schacherl. Bei der Jagd sind streunende Katzen im Bezirk kein Thema. Die Jägerschaft sei immer bemüht eine Lösung zu finden. „Der Abschuss ist die letzte Maßnahme, vor allem dann wenn frisch gesetzte Wildtiere zu Schaden kommen“, erklärt Schacherl.

„Wir begrüßen die Kastrationspflicht sehr. Sie war uns seit Jahren ein Anliegen.“Davor Stojanovic, Tierheimleiter

Als einen Meilenstein für den Tierschutz betrachtet der St. Pöltner Tierheimleiter Davor Stojanovic die Kastrationspflicht: „Wir begrüßen das sehr. Die Pflicht war uns seit Jahren ein Anliegen.“ Die Gesetzesänderung werde nicht nur eine Kontrolle der Vermehrung, sondern auch der Gesundheit ermöglichen: „Wir bekommen vermehrt Katzenbabys, die ausgesetzt wurden. Eine Geburtenkontrolle ist wichtig.“ Dabei sei vor allem die Zusammenarbeit gefragt: „Tierelend zu verringern ist nicht nur ein Tierschutzthema, sondern auch eines jeder Gemeinde und jedes Bürgers.“ Seitens des Landes gebe es immer wieder Unterstützungen bei Kastrationsaktionen.

Die Änderung

Die geänderte Tierhaltungsverordnung gilt ab 1. April:

  • 6. Punkt 2 Abs. 10 der Anlage 1: „Werden Katzen mit regelmäßigem Zugang ins Freie gehalten, so sind sie von einem Tierarzt kastrieren zu lassen, sofern diese Tiere nicht zur Zucht verwendet werden.“

  • Der Zusatz „im bäuerlichen Umfeld“ wurde gestrichen.

  • Kastration: Katzen können ab dem 4. Lebensmonat vom Tierarzt kastriert werden. Ab einem Alter von 6 Monaten ist die Kastration notwendig. Die Kosten variieren von Tierarzt zu Tierarzt.