Erstellt am 19. Oktober 2015, 07:22

von Astrid Krizanic-Fallmann

Stiftsarchivarin erforschte Wirken von Abt. Stiftsarchivarin Irene Rabl beschäftigte sich mit Chrysostomus Wieser und der 1653 in Lilienfeld gegründeten Josephsbruderschaft. Buchvorstellung ist am 24. Oktober.

Seit März 2009 ist Buchautorin Irene Rabl in Lilienfeld als Stiftsarchivarin und als Ansprechpartnerin für die Bibliothek und die Sammlungen tätig. Foto: Krizanic-Fallmann  |  NOEN, Krizanic-Fallmann

Einen wissenschaftlich noch wenig erforschten Bereich der niederösterreichischen Kirchengeschichte greift die Historikerin in der Druckfassung ihrer 2014 an der Universität Wien approbierten Dissertation auf.

„Interessantes zweites Forschungsgebiet“ ergab sich

„Als Stiftsarchivarin wollte ich gerne ein Lilienfeld-Thema bearbeiten“, sagt Irene Rabl über „Ite ad Joseph. Chrysostomus Wieser und die Lilienfelder Erzbruderschaft des Hl. Joseph“.

Durch die Mitarbeit beim Startprojekt „Monastische Aufklärung“ des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung sowie durch ihre Magisterarbeit von 2009 sollte es das 17. und 18. Jahrhundert betreffen.

Die 1653 in Lilienfeld gegründete Josephsbruderschaft habe sich im Laufe der Zeit als „interessantes zweites Forschungsgebiet ergeben“, da sie keine reine Biographie über den von 1716 bis 1747 amtierenden Abt Chrysostomus Wieser schreiben wollte.

„Nun ist es ein Buch mit einem umfangreichen biographischen Teil zu Wieser, einem ausführlichen Teil zur Geschichte der Bruderschaft und einem kürzeren Teil zur Verbindung der beiden Komplexe geworden“, erklärt Rabl.

Rundschreiben in Göttweig, Rom und Rein erhalten

Die Recherchen stellten sich wegen der Quellenlage als schwierig heraus. „Von der Bruderschaft gibt es keine wirtschaftlichen Aufzeichnungen mehr und auch kein Bruderschaftsalbum, in das sich die Mitglieder eingetragen haben“, schildert sie. Vorhanden sind jedoch jährliche Rundschreiben mit einem Nekrolog. Rabl: „Diese liegen in der Hauptsache in den Stiftsarchiven von Göttweig und Rein sowie im römischen Vikariatsarchiv.“

Wiesers Aktivitäten manifestierten sich neben der langjährigen Ausübung des Präsesamts besonders in seinen vielen Predigten, die er bei Wallfahrten und Prozessionen vor den Bruderschaftsmitgliedern hielt. Sein seelsorgliches Wirken zeigt sich auch anhand seiner neun in Annaberg gehaltenen Kinderlehren – einem speziellen Katechismusunterricht für Kinder – sowie persönlicher Kontakte, die er zu katholischen Adeligen und anderen Bruderschaften pflegte.

„Das Besondere ist einerseits die Dimension der Bruderschaft mit über 300.000 Mitgliedern, Männer und Frauen, im gesamten Habsburgerreich zwischen 1653 und 1783 und der überaus prominente Vorstand aus hohem Adel und hoher Geistlichkeit“, weiß Rabl.

Präsentiert wird die Neuerscheinung am Samstag, 24. Oktober, um 15 Uhr im Kaisersaal. Eine Anmeldung dazu ist unter archiv@stift-lilienfeld.at erbeten. Im Anhang finden sich auch erstmals ein Personenkatalog des Bruderschaftsvorstands von 1658 bis 1782 sowie ein farbig bebilderter Objektkatalog.