Erstellt am 14. Dezember 2015, 08:20

von Gila Wohlmann

Margit Nowak: "Otto gehört ja zu mir". Margit Nowak (67) erhielt den AUVA-Pflegepreis des Landes Niederösterreich für ihr unermüdliches Engagement für ihren seit einem Arbeitsunfall gelähmten Gatten Otto.

Das Schicksal hat sie noch mehr zusammengeschweißt: Margit Nowak mit Gatten Otto (Mitte), Enkel Raphael Seltz und Sohn Otto junior (rechts).  |  NOEN, Foto: Wohlmann

Es gibt Menschen, die leisten Beachtliches im Beruf, andere Herausragendes im Sport. Und dann gibt es Menschen, die Unfassbares bewältigen im Alltag, ohne dabei groß darüber zu reden: Eine solche Person ist Margit Nowak.

Sie wurde am Montag (nach Redaktionsschluss) mit dem AUVA-Pflegepreis für Niederösterreich geehrt. Die 67-Jährige pflegt ihren Ehemann Otto, der nach einem schweren Arbeitsunfall praktisch rund um die Uhr pflegebedürftig ist, zu Hause. Der 2. Dezember 2005 hat das Leben des Paares, das sich bereits in der Berufsschule kennengelernt hat, vollkommen verändert.

„Otto ist damals mit dem Stapler im FF-Haus umgekippt, dieser stürzte auf ihn. Ein schweres Schädel-Hirn-Trauma mit Querschnittslähmung war die Folge“, schildert sie. Drei Monate Krankenhausaufenthalt in St. Pölten, fünf Monate zur Rehabilitation im „Weißen Hof“ folgten. Doch das war erst der Anfang. Viele Therapien standen an. „Otto musste bis zu 25 Tabletten am Tag einnehmen, er hatte eine Bauchbett- und Nasensonde und benötigte Sauerstoff, auch ein Teil des Stimmbandes musste weggeschnitten werden“, schildert die Pensionistin, selbst dreifache Mutter und Großmutter. Die Pflege treibe sie zwar oft an ihre körperlichen Grenzen, aber sie betont: „Ich habe gelernt, mit dem Schicksal zu leben. Otto ist ja schließlich mein Mann. Er gehört zu mir!“

Brand als weiterer Schicksalsschlag

Die Wohnung musste umgebaut werden. Das war mit hohem Finanzaufwand verbunden. Ein weiterer Schicksalsschlag traf die Familie im Jahr 2006, als ein Kabelbrand in der Küche die Wohnung im Flammen aufgehen ließ. Das Paar konnte sich noch rechtzeitig ins Freie retten. „Alles brannte lichterloh“, schildert Sohn Otto junior (39). Doch auch hier ließen sich die Nowaks nicht unterkriegen.

Otto Nowak ist es ein besonderes Anliegen, Dank sämtlichen Organisationen – von der Rettung bis zur Feuerwehr, Bürgermeister Herbert Thumpser, Helga Slama, Franz Zöchling sowie den Ärzten Ulrike Bieber und Karl Hauss auszusprechen, ebenso Wilfried Binder für die jahrelange kostenlose Massage. „Ohne all diese und viele andere Unterstützer, insbesondere auch die AUVA, wäre vieles nicht möglich gewesen“, sind die beiden überzeugt. Höhepunkt für beide ist jedes Jahr der Aufenthalt in Rovinj, ermöglicht durch die AUVA.

Der AUVA-Pflegepreis wurde bereits zum 18. Mal vergeben. Mit diesem holt die AUVA-Landesstelle Wien einmal im Jahr jene Menschen vor den Vorhang, die ihre Angehörigen nach schweren Arbeitsunfällen zu Hause pflegen und jeden Tag, ganz im Stillen und abseits der Öffentlichkeit, große Leistungen vollbringen.