Mariazell

Erstellt am 15. April 2017, 15:01

von NÖN Redaktion

Gesundheitsversorgung: Arzt änderte Praxis. Vertrag mit Gebietskrankenkasse legte der Mariazeller Allgemeinmediziner Walter Surböck mit April nieder.

Walter Surböck (2. v. r.) unterstützen Physiotherapeutin Regina Frosch, Sprechstundenhilfe Sabine Morina (v. l.) und Assistentin Tanja Ebner (r.). Michael Konrad vervollständigte die letzten sieben Monate mit großem Engagement als Turnusarzt seine Ausbildung in Mariazell. Surböcks 90-jährige Mutter versorgt das Team täglich mit „gesunder Jause“.  |  NOEN, privat

Künftig verstärkt seinem Anliegen der „integrativen, komplementär-medizinischen Diagnostik und Therapie“ widmen will sich Walter Surböck.

Um dafür mehr Zeit für seine chronisch kranken Patienten zu haben, entschloss er sich mit seinem Praxisteam, den Vertrag mit der Gebietskrankenkasse ab 1. April niederzulegen: „In einem Jahr könnte ich zwar in Pension gehen. Es wäre aber schade, das angehäufte Wissen ungenützt in den Ruhestand zu tragen und die lange Erfahrung nicht unseren Patienten zur Verfügung zu stellen.“ Daher möchte der Arzt – solange es die eigenen geistigen und körperlichen Ressourcen zulassen – seinen Beruf weiter ausüben.

Keine "Lust" auf Ruhestand

Zum Auffinden der Ursachen einer Erkrankung, wie zum Beispiel Allergien, rheumatische Beschwerden, Arthrosen oder Krebs, und um zu einer sehr individuellen Therapie zu gelangen, sei viel Engagement nötig, schildert Surböck, dem die Verbindung Schul- und Komplementärmedizin am Herzen liegt. Darüber hat er Vorträge auf der ganzen Welt gehalten.

Für Patienten der Gebietskrankenkasse steht er als Wahlarzt weiterhin zur Verfügung. Die Honorare können vom Versicherten selbst mit der Gebietskrankenkasse zu deren Tarifen rückverrechnet werden. Patienten anderer Kassen sind von der Änderung nicht betroffen.

Gesundheitszentrum Mariazellerland hat sich etabliert

Für die Versorgung akuter Erkrankungen habe sich laut Surböck das Gesundheitszentrum Mariazellerland, welches als Pilotprojekt seit 1. Oktober 2016 in Betrieb ist, etabliert. Der Entwicklung des Gesundheitssystems allgemein steht Surböck kritisch gegenüber. Für ihn werden dadurch die Selbstständigkeit des Mediziners, Therapiefreiheit und freie Arztwahl in Frage gestellt. Auch strukturell hätte man bezüglich Nachnutzung des ehemaligen Landeskrankenhauses einiges besser machen können, resümiert der praktische Arzt.

„An den drei Kassen-Planstellen für Allgemeinmediziner hat sich grundsätzlich nichts geändert, derzeit sind zwei dieser Planstellen besetzt“, informiert Dieter Hausberger von der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse. Und: „Da das Gesundheitszentrum Mariazell mit seinen patientenfreundlichen Öffnungszeiten eine umfassende Versorgung der Bevölkerung garantiert und auch gut angenommen wird, ist eine Ausschreibung der Planstelle derzeit nicht vorgesehen“, so Hausberger.