Erstellt am 17. September 2015, 06:32

von Gila Wohlmann

Menschlichkeit gezeigt. Syrische Familie darf in Hohenberg wohnen. Nachbarn, Bekannte, Lehrer und viele andere helfen, wo es geht. Eine Dame hat ihr leer stehendes Haus zur Verfügung gestellt.

Ahmad, Mahmoud, Maram, Waad und Mais Vater Majed Mohammad Almohamad Aljouma und Gattin Mansour Raghdaa (hinten 4. und 5. v. l.) haben viele Helfer gefunden, so Edith und Franz Plank, Elena Grollnigg, Karl Liebhaber, Neue-Mittelschul-Direktorin Theresia Platzer, Lehrer Andreas Sulzer (hinten, v. l.) sowie Judith Grollnigg-Hajszan (vorne, 2. v. r.).  |  NOEN, privat

Seit Ende Juli hat in Hohenberg eine syrische Familie ein neues Zuhause gefunden. Vater Majed Aljouma, ein Englischlehrer, ist schon seit fast einem Jahr in Österreich. Eine gemeinsame Flucht wäre aufgrund der Gefahren und Kosten nicht für alle möglich gewesen.

Ein ganzes Haus bereit gestellt

Mutter Raghdaa, eine Ärztin, gelangte zunächst mit den fünf Kindern in die Türkei, und von dort dann im Juli nach Österreich. Jetzt dürfen sie alle in Hohenberg leben. Ermöglicht hat dies Frau H. aus Wien, die sich dazu sehr bescheiden gibt. „Ich lebe in Wien und das Haus stand leer. Da habe ich mir gedacht, es ist in Anbetracht der aktuellen Flüchtlingssituation Zeit, hier einen Beitrag zu leisten“, begründet sie die großzügige Gabe.

Vorerst auf die nächsten paar Jahre dürfen die Syrer das Anwesen nützen, zumindest so lange, bis es ihnen gelingt, wieder selbst auf eigenen Beinen zu stehen. Warum sie gleich ein ganzes Haus bereit stellt, ist für H. leicht erklärt: „Meiner Mutter wurde auch während des Zweiten Weltkrieges von den Hohenbergern geholfen. So kann ich etwas zurückgeben.“ Von Traiskirchen über die Diakonie vermittelt, kam Familie Aljouma nach Hohenberg.

Zahl der Helfer wächst an

„Endlich wieder zusammen sein, war für die Familie sehr berührend“, weiß Judith Grollnigg-Hajszan, Nachbarin der syrischen Familie. Sie unterstützt wie viele andere Helfer bei Behördengängen und bei der Integration der Familie. Die Zahl der Helfer ist groß und wächst. Sämtliche Nachbarn stehen mit Rat und Tat zur Verfügung, mehrere Personen wechseln sich mittlerweile beim ehrenamtlichen Deutschunterricht ab, auf Ämtern und bei Vereinen begegnet man den Aljoumas mit Freundlichkeit.

Neue Mittelschule und Gymnasium helfen

Ganz unbürokratisch durften die drei jüngeren Kinder Maram, Ahmad und Waad noch in den Ferien zur Schuleinschreibung zur Direktorin der Neuen Mittelschule Hohenberg, Theresia Platzer, kommen – und auch der Direktor des Gymnasiums Lilienfeld, Josef Heindl, hat sich spontan entschlossen, die beiden älteren Kinder Mais und Mahmoud aufzunehmen, obwohl wegen des Krieges seit Jahren kein Schulbesuch in Syrien mehr möglich war. Engagiert sind neben unzähligen anderen auch die Pädagogen Edith Plank und Andreas Sulzer.

Für Schulmaterial und Sportwoche wird in beiden Schulen Geld gesammelt. Sonja Liebhaber hat sich eingesetzt, dass die Kinder an Sport- und Sprachwochen teilnehmen können. Und Tierarzt Franz Plank hat sich spontan entschlossen, hierfür einen kleinen Beitrag zu leisten. Die Helfer geben sich einhellig: „Oft ist es für die Familie nicht leicht, auf Geschenke angewiesen zu sein. Sie möchte auch etwas zurückgeben.“ Und sie wollen mit Gerüchten aufräumen: „Sie tragen ihr Kopftuch aus Tradition – und nicht, weil sie irgendjemand dazu zwingt!

Die Familie ist am Gemeindeleben und an den österreichischen Sitten und Gebräuchen sehr interessiert. Wir haben durch sie die Möglichkeit, vieles über die syrische Kultur zu erfahren – um letztendlich festzustellen, dass wir alle gleich sind.“