Lilienfeld

Erstellt am 09. August 2016, 04:52

von Markus Zauner

Biker-Prozess: Urteil gefällt. Frau soll Radeln unterlassen und Verfahrenskosten über 3.108 Euro berappen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Das Mountainbiken am Muckenkogel sorgt weiter für Gesprächsstoff.  |  NOEN, privat

Ohne öffentliche Urteilsverkündung endete im Frühjahr der Prozess gegen eine Mountainbikerin, die von Muckenkogel-Jagdpächter Rudolf Gürtler auf Unterlassung geklagt worden war.

Jetzt liegt der NÖN exklusiv das Urteil des Bezirksgerichtes Lilienfeld vor. Fazit: Jene Dame, die am 29. September 2015 abseits der freigegebenen Haupt-Forststraße im Revierteil Freiland Steinhofgraben des Muckenkogels in die Pedale getreten war, hat den Prozess in erster Instanz verloren.

Gericht ortet „Schutzbehauptung“

 

Es bestehe „nicht der geringste Zweifel“ daran, dass Kläger Rudolf Gürtler nach wie vor als Pächter des betroffenen Jagdgebietes fungiere und der zugrunde liegende Pachtvertrag Gültigkeit habe, heißt es im Urteil. Die Verteidigung hatte argumentiert, Gürtler sei nicht mehr Jagdpächter, sondern nur Abschussnehmer am Muckenkogel — womit er keine Berechtigung zur Unterlassungsklage besitze.

„Einige wenige Zuwiderhandelnde gefährden durch ihr unkorrektes Verhalten die freigegebene Strecke.“

Vizeortschef Wolfgang Labenbacher

Gleichfalls unstrittig aus Sicht des Bezirksgerichtes Lilienfeld: Das Radeln auf den Forststraßen im gegenständlichen Bereich untersagen aktuell sowohl Eigentümer als auch Jagdpächter. Und: Dass die beklagte Mountainbikerin die entsprechenden Fahrverbotstafeln falsch verstanden habe, könne nur als Schutzbehauptung interpretiert werden, wird im Urteil festgehalten. Die Radfahrerin muss nun laut Erstgericht in diesem Bereich das Mountainbiken unterlassen — und die Verfahrenskosten über 3.108 Euro tragen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, eine Berufung ist noch einige Wochen möglich.

Für Vizebürgermeister Wolfgang Labenbacher ist klar: „Einige wenige Zuwiderhandelnde gefährden durch ihr unkorrektes Verhalten die legale, freigegebene Strecke. Viele Wege führen auf den Muckenkogel, einer ist für Mountainbiker freigegeben. Ich bitte um Beachtung dieser Regelung im Sinne der Allgemeinheit.“

Einhaltung sei wichtig

Die Einhaltung des Übereinkommens zwischen Stadtgemeinde Lilienfeld und Grundeigentümern zum Fortbestand der Mountainbikestrecke auf die Hinteralm sei ihm wichtig, ergänzt Labenbacher. Der Vizeortschef ersucht daher „alle Mountainbiker, die Fair-Play-Regeln zu akzeptieren“.

Apropos Fair-Play-Regeln: Mountainbikervertreter Herbert Kollar verweist darauf, dass sich am Muckenkogel „fasst alle“ an diese halten würden. In puncto Bestrafung sei Fingerspitzengefühl gefragt. „Als Polizist ist es auch gut, zuerst eine Verwarnung auszusprechen“, bemüht Kollar den Vergleich mit dem Straßenverkehr. Das müsse speziell für Nicht-Ortskundige am Muckenkogel gelten. Wer im wiederholten Falle die Regeln am Berg missachte, dürfe sich hingegen nicht über Konsequenzen beschweren, so Kollar.

Einen Seitenhieb teilt angesichts des Ersturteils Rudolf Gürtler aus: „Jene, die sich grundsätzlich an keine Vorgaben halten, zerstören korrekten Sportlern viele Möglichkeiten.“