Erstellt am 28. Januar 2016, 05:58

von Markus Zauner

Neue Debatte um Millionen-Kosten. Planer wittert materiellen Schaden von 2,4 Millionen. „Bund ist kein Schaden entstanden“, hält Landesschulrat dagegen.

Die im Kaisergarten des Stiftes Lilienfeld errichtete Turnhalle für das BG/BRG Lilienfeld -- hier ein Blick aus Richtung Klosterrotte -- beschäftigt den ursprünglichen Planer nach wie vor.  |  NOEN, zVg

Mit der Benutzungsgenehmigung ging im Sommer 2013 die "unendliche Geschichte" des Turnhallenneubaus für das Gymnasium zu Ende. Nach der Pleite der baubeauftragten Alpine wurden im Sommer 2014 als Abschlussakt dann auch noch die Außenanlagen durch die Firma Traunfellner fertiggestellt.

Überraschend lässt der ehemalige Generalplaner, Architekt Helmut Kunze, in einem Schreiben an die NÖN jetzt die Diskussion um die Kosten für das Großprojekt im Kaisergarten des Stiftes Lilienfeld neu aufflammen. Manch Beobachter hatte schon damals Zweifel angemeldet, dass die budgetierten Baukosten von 4,7 Millionen Euro eingehalten werden konnten. Kunze spricht nun von einem materiellen Schaden bei der Verwirklichung der Gym-Turnhalle in einer Größenordnung von 2,4 Millionen Euro.

Nach Kunzes Ausscheiden — ihm wurde zu Beginn der Bauarbeiten in Lilienfeld vom Bauherrn, dem Unterrichtsministerium, das Vertrauen entzogen — sei „ohne Not und sachliche Begründung umgeplant worden“ und ein „seiner ideellen Werte beraubtes, zeitlich stark verzögertes Bauwerk zu weit überhöhten Kosten entstanden“, wettert Kunze. Er reklamiert daher einen „Vergleich der ausgeschriebenen mit den bei der Ausführung tatsächlich entstandenen Kosten, um die Überhöhung der Baukosten argumentierbar darzustellen und Schadenersatz geltend machen zu können“.

„Bund leistet nur den Mietpreis“

Seitens des Landesschulrates für Niederösterreich, das den Bauherrn vertritt, verlautet zu Kunzes Forderung, dass „dem Bund kein Schaden entstanden ist“, wie Sprecher Harald Zeilinger feststellt. Gegenstand der Ausschreibung sei nämlich nicht die Vergabe von Planungs- und Bauleistungen gewesen, sondern nach dem PPP-Modell (Öffentlich-private-Partnerschaft) der Abschluss eines Mietvertrages zwischen dem Bund und dem per Ausschreibung ermittelten Investor, also der Alpine. Die Baukosten seien insofern für den Bund unerheblich, weil dieser als Mieter, so Zeilinger, „unabhängig von der Baukostenentwicklung ausschließlich den ermittelten Mietpreis leistet. Der Investor trägt das volle Baurisiko“.

Das Mietentgelt bei derartigen Ausschreibungsverfahren sei wiederum „unveränderlich und dient dem Investor zur Finanzierung seines gesamten Herstellungs- und Vermietungsaufwandes, wie zum Beispiel Planungskosten, Baukosten, Zinsen zur 10-jährigen Refinanzierung, Instandhaltungsverpflichtung für 10 Jahre, Baurisiko usw.“, ergänzt Zeilinger. Das Ausschreibungsverfahren sei Kunze bekannt gewesen, es sei sogar dessen Vergabevorschlag gewesen, der Alpine den Zuschlag zu geben, weil diese die kostengünstigste Miete angeboten habe, so Zeilinger weiter. Warum sich der Bauherr damals von Kunze getrennt hat, erklärt der Vertreter des Landesschulrates folgendermaßen: „In der Ausführungsphase ist es zu unüberbrückbaren Differenzen zwischen dem Investor und Architekt Kunze gekommen. Damit die Realisierung des Projektes durch die gescheiterte Zusammenarbeit nicht gefährdet wird, bestand für den Bund Handlungsbedarf.“

Kunzes Planungsarbeit lobt Zeilinger indes über den Klee: „Seine Entwurfsplanung hat sowohl aus architektonischer, als auch aus funktioneller Sicht überzeugt. Diese vom Bund genehmigte Planung war Grundlage für die Einreichung und Durchführung des baubehördlichen Bewilligungsverfahrens und der Investorenausschreibung.“ Für Josef Heindl, den Direktor des Gymnasiums, ist die Turnhalle, wie sie heute da steht, unverzichtbar geworden: „Wir sind sehr zufrieden. Es funktioniert alles, die Halle ist ein großer Gewinn.“