Erstellt am 08. März 2016, 05:04

von Markus Zauner

Neue Klage gegen Mountainbikerin. Jagdpächter fordert von Frau das Unterlassen des Radelns.Haupt-Forststraße bleibt 2016 aber für Biker offen.

Auf der beschilderten Haupt-Forststraße des Muckenkogels darf auch heuer wieder geradelt werden. Wer abseits der freigegebenen Route mit dem Mountainbike fährt, muss -- wie eine Wienerin -- aber weiter mit einer Unterlassungsklage von Jagdpächter Rudolf Gürtler rechnen.  |  NOEN, NÖN & Shutterstock/gorillaimages

Rudolf Gürtler hatte 2014 mit seiner Unterlassungsklage gegen vier Mountainbiker, die am Muckenkogel unterwegs waren, für Schlagzeilen gesorgt. Mitte März steht der nächste Prozess ins Haus, vor den Richter muss auf Betreiben des Jagdpächters eine Wienerin. Allerdings nicht, weil sie auf der freigegebenen Haupt-Forststraße, sondern im Revierteil Freiland Steinhofgraben des Muckenkogels geradelt war.

„Wir erwischen ohnedies nur wenige von den Herr- beziehungsweise Frauschaften, die ständig im gesperrten Bereich unterwegs sind. Wenn ich nicht durchgreife, tanzen die Mountainbiker den Wanderern weiter auf dem Kopf und dem Wild weiter auf dem Haupt herum“, begründet Gürtler die eingebrachte Unterlassungsklage.

Bikervertreter: „Nicht immer gleich strafen“ 

Mountainbikervertreter Herbert Kollar appelliert an die Einhaltung der Fair-Play-Regeln. Durch das Radeln abseits der geöffneten Haupt-Forststraße und das Missachten der Vorschriften werde die freigegebene Route auf Dauer gefährdet.

Der Mountainbikervertreter mahnt aber auch Fingerspitzengefühl ein. Nur wenn sich Mountainbiker im Wiederholungsfall nicht an die Regeln halten würden, sei es zielführend, „mit schweren Geschützen“ aufzufahren. Andernfalls sollte man es bei einer Verwarnung beziehungsweise einem Gespräch belassen. Kollar: „Es muss auch nicht jeder Verkehrsteilnehmer immer gleich gestraft werden.“

„Wir wollen uns nicht von einigen schwarzen Schafen das Erreichte zunichte machen lassen“, so Ortschef Herbert Schrittwieser

Voll hinter Gürtler stellt sich Bürgermeister Herbert Schrittwieser: „Umso deutlicher man hier vorgeht, umso besser wird die Einhaltung in Zukunft funktionieren. Wir wollen uns nicht von einigen schwarzen Schafen das Erreichte wieder zunichte machen lassen.“ Deklariertes Ziel sei es, dass die freigegebene Strecke bestehen bleibt und die Einhaltung der Regeln funktioniert, so der Ortschef.

Gürtler ergänzt: „Grundsätzlich gilt das zwischen Grundeigentümer Stift Lilienfeld, der Stadtgemeinde Lilienfeld und mir bestehende Mountainbike-Übereinkommen auch 2016, zumal wir uns im Beobachtungszeitraum befinden.“ Das Fazit des Jagdpächters: „Wie meist im Leben, zerstören jene, die sich an keine fairen Vorgaben halten, den korrekten Mountainbikern die vereinbarte Nutzung. Ich bin sicher nicht dazu da, auf dem Berg Polizei zu spielen, muss aber im Interesse des mir anvertrauten Wildes durchgreifen, wenn ich schwarze Schafe antreffe.“

Mountainbikerprozess 2014 und Proteste

Die NÖN berichtete 2014 exklusiv über den Prozess gegen vier Mountainbiker, die im September 2013 zur Almmesse auf der Klosteralm am Muckenkogel mit dem Rad unterwegs waren und von Jagdpächter Rudolf Gürtler auf Unterlassung geklagt wurden.

Aufgrund der NÖN-Berichte zum Thema formierte sich die Unterschrifteninitiative „Straffreiheit für die Mountainbiker am Muckenkogel“, die über 5.000 Online-Unterschriften zusammenbrachte.

Die Mountainbiker-Plattform „Upmove“ rief folglich im Rahmen einer Trutzpartie zur Demo am Berg auf — mit dem (bis heute unerreichten) Ziel der generellen Wegefreiheit für Mountainbiker. Der Prozess endete letztlich mit einem Vergleich.