Lilienfeld

Erstellt am 17. Mai 2017, 05:13

von Gila Wohlmann

NÖ Tierärztekammer-Präsident: „Mangel an Landpraxen“. Über die vielfältigen Aufgaben der Veterinäre auch im Human-Gesundheitsbereich will Heinz Heistinger als wieder gewählter Präsident der NÖ Tierärztekammer aufklären.

Der Lilienfelder Tierarzt Heinz Heistinger wurde wieder zum Präsident der Landesstelle der Tierärztekammer gewählt.  |  NOEN, Wohlmann

Der Lilienfelder Tierarzt Heinz Heistinger wurde als Präsident der Landesstelle der österreichischen Tierärztekammer wiedergewählt. Im NÖN-Gespräch erzählt er über seine dortigen Aufgaben.

NÖN: Haben Sie mit der Wiederwahl gerechnet?
Heinz Heistinger: Mein Team und ich haben bei unserer mittlerweile zweiten Wiederwahl über 62 Prozent aller Stimmen erhalten. Das ist ein klarer Auftrag!

Was sind Ihre nächsten Ziele?
Es wird mir weiter ein großes Anliegen sein, das tierärztliche Berufsbild in der breiten Öffentlichkeit in all seinen Facetten bekannt zu machen. Der tierärztliche Beruf ist noch immer ein Gesundheitsberuf. Durch die zunehmende Ver städt erung unserer Gesellschaft ist dieses Bild leider in den Hintergrund gerückt. Viele Kollegen sichern aber durch ihre Arbeit als amtliche Fleischuntersuchungsorgane Qualität und Unbedenklichkeit von Lebensmitteln. Zahlreiche auf dem Land niedergelassene Tierärzte führen Tierseuchenkontrollen, Tierschutzkontrollen sowie Sachverständigentätigkeiten im Lebensmittel- und Konsumentenschutzbereich durch. Das wissen leider nur wenige.

Welche Leistung der letzten Amtsperiode macht Sie stolz?
Dass wir in Niederösterreich endlich wieder ein funktionierendes System zur Kastration von Streunertieren und der tierärztlichen Erstversorgung von Fundtieren haben. Diese Aktionen laufen nun seit einigen Jahren in Zusammenarbeit mit der NÖ Landesregierung und den Gemeinden. Auch die Fundtierdatenbank wurde in Zusammenarbeit mit der NÖ Landesregierung entwickelt und stellt für den Tierbesitzer als auch für den Tierarzt, der vor allem am Wochenende erste Anlaufstelle für Tierfinder ist, eine wertvolle Hilfe zur Meldung und Rückführung dar.

"Gemeinsam mit der NÖ Landesregierung und der NÖ Landwirtschaftskammer wollen wir Initiativen starten, die tierärztliche Versorgung am Land besser aufrecht zu erhalten"

Was hat nicht so gut funktioniert?
Leider ist es noch nicht ausreichend gelungen, bekannter zu machen, dass Tierärzte ausschließlich als freiberufliche Unternehmer tätig sind und es in Österreich kein öffentliches kuratives Veterinärgesundheitssystem oder irgendeine Subventionierung von notwendigen, weil tierschutzrelevanten, Nacht- und Wochenenddiensten gibt. Dieses System kann bei uns nur funktionieren, wenn Tierbesitzer bereit sind, für diese Leistungen zu bezahlen.

Was ist Ihnen noch wichtig?
Gemeinsam mit der NÖ Landesregierung und der NÖ Landwirtschaftskammer wollen wir Initiativen starten, die tierärztliche Versorgung am Land besser aufrecht zu erhalten. Leider haben wir — ähnlich wie in der Humanmedizin — eine zunehmende Dichte von Praxen in den Ballungsräumen und einen Mangel an Landpraxen.