Rohrbach an der Gölsen

Erstellt am 01. August 2016, 07:10

von Astrid Krizanic-Fallmann

Huldigung war ein Irrtum. In Gefangenschaft war Erwin Frieb aus Rohrbach im Ersten Weltkrieg. Seine Erlebnisse in Sibirien und in der Mandschurei schrieb er in einem Manuskript auf.

Handschriftlich notierte Erwin Frieb die Ereignisse, die er fern seiner Heimat erlebte. Foto: privat  |  privat

Während des Ersten Weltkrieges war Erwin Frieb, am 2. September 1880 geboren und am 12. September 1959 verstorben, als Gefangener in Tschita, Sibirien, inhaftiert.

Nach einer von der Roten Armee erlaubten Reise mit dem Vertreter des schwedischen Roten Kreuzes, Kapitän Astrand, und dem deutschen Kriegsgefangenen Jonas in die Mandschurei, um Lebensmittelspenden abzuholen, saß der Major im September 1918 wieder im Lager. Dieses wurde plötzlich aufgelöst, Mannschaft und russisches Aufsichtspersonal Richtung Wladiwostock geschickt.

„Waren alle sehr gerührt“

Im März 1919 konnte Frieb dann mit einer dänischen Delegation nach Irkutsk fahren. „Die Kälte war deutlich im Zunehmen begriffen, wir spürten, dass wir gegen Norden reisten“, schrieb der Rohrbacher nieder. Im Zug befand sich auch ein hoher chinesischer Würdenträger. Auf allen größeren Stationen wurde daher eine feierliche Begrüßung durch die chinesischen Ortsbehörden abgehalten.

„Unser Waggon war nahe der Lokomotive, während der Obermandarin in der Mitte des Zuges fuhr“, erinnerte sich Frieb. In der Station Chandao-cheng-si war wieder der obligate Empfang. Die chinesische Ehrenwache stand am Bahnsteig.

„Unser Waggon hielt gerade vor der chinesischen Wache. Wir waren alle über diese spontane Huldigung sehr gerührt. Die chinesischen Soldaten präsentierten, die Offiziere hatten stramm die Säbel gesenkt und ein Trompeter bemühte sich ernstlich, etwas zu blasen“, schilderte der Offizier. „Nachdem bei unserem Fenster die dänische Flagge heraushing, hatte die ganze Szene unter der großen Zuschauermenge sichtlich den Eindruck hervorgerufen, dass wir für diese Ehrung bezugsberechtigt waren.“

Und während sich die äußerst neugierige Bevölkerung um ihren Waggon scharte, stand der „arme Mandarin verlassen weit hinten im Zuge beim Fenster und beobachtete mit Schmerz, die ihm zugedachte Ehrung“, ergänzte der österreichische Kriegsgefangene. „Unser Koch stellte auf die Dauer dieser Extravorstellung den Betrieb ein und sprach eine vernichtende Kritik über chinesische Gewehrgriffe aus.“

Nach Passieren der sibirischen Grenze gelangten sie bei Tag an jene für Frieb interessante Strecke bei Dauria. „Überall sah man dort Menschen, wo einst, vor einem halben Jahr, alles vor der Flucht vor Semjonof war. Der blaue Rauch stieg kerzengerade aus den Häusern empor, die Bahnwächtersfrau stand vorschriftsmäßig beim Schranken, ein schwarzer Hund lief bellend dem Zug nach. Alles lebte hier wieder, und Semjonof war der Machthaber“, notierte er.