Rohrbach an der Gölsen

Erstellt am 29. August 2016, 10:08

von Astrid Krizanic-Fallmann

Nationen im Gerangel. In Gefangenschaft war Erwin Frieb aus Rohrbach im Ersten Weltkrieg. Seine Erlebnisse in Sibirien und in der Mandschurei schrieb er in einem Manuskript auf.

Handschriftlich notierte Erwin Frieb die Ereignisse, die er fern seiner Heimat erlebte. Foto: privat  |  privat

Während des Ersten Weltkrieges war Erwin Frieb, am 2. September 1880 geboren und am 12. September 1959 verstorben, als Gefangener in Sibirien inhaftiert.

Nach einer von der Roten Armee erlaubten Reise mit dem Vertreter des schwedischen Roten Kreuzes, Kapitän Astrand, und dem deutschen Kriegsgefangenen Jonas in die Mandschurei, um Lebensmittelspenden abzuholen, saß der Major im September 1918 wieder im Lager nahe Tschita. Dieses wurde plötzlich aufgelöst, Mannschaft und russisches Aufsichtspersonal Richtung Wladiwostock geschickt.

Im März 1919 konnte Frieb dann mit einer dänischen Delegation nach Irkutsk fahren. Nachdem er seine Arbeiten beim dänischen Vizekonsulat erledigt hatte, „trat ich wieder die ,Heimreise‘ nach Wladiwostock an. Kapitän Fuglede und der Sohn eines reichen dänischen Brauerei-Besitzers fuhren mit mir oder ich mit ihnen“, schrieb der Rohrbacher handschriftlich in sein Manuskript.

Ihre größte Sorge war die Sicherstellung der Plätze in der Eisenbahn. Diesbezüglich hatte das tschechische Bahnhofskommando etwas zu sagen. „Dort gelang es dem Konsulat, drei Plätze III. Klasse festzulegen, doch mussten wir zwei Stunden vor der Abfahrt durchs Hintertürl zum Waggon anschleichen, während der Perron noch für das Publikum abgesperrt war“, erinnerte sich Frieb.

Ein tschechischer Offizier führte sie zu ihrem Waggon. Doch hatte mittlerweile die ungeduldige Masse der Reisenden den Kordon und alle Absperrungen durchbrochen.

„Infolgedessen spielte sich die Einwaggonierung in Form eines wilden Gemetzels im dunkelsten Texas ab. Engländer, Russen, Japaner, dann Dänen, Chinesen und Amerikaner, alle wollten ihren Platz erobern. War es schon nur dem geprüften Parterre-Akrobaten möglich, in den Waggon hineinzukommen, durch das zugefrorene Doppelfenster ging es leider nicht, so war es nur wenig Glücklichen gelungen, das Reisegepäck heranzuziehen“, schildert er. „Kapitän Fuglede und ich machten vom Recht des Stärkeren weitgehendst Gebrauch. Alte Fußball- und Ringkampferinnerungen wurden wieder aufgefrischt, so dass wir schließlich alle unsere sieben Sachen beisammen hatten.“

Spät nachts verließen sie Irkutsk. „Und abermals entfernte ich mich noch mehr von der Heimat. Bald erschienen die Kontrollore und visitierten alle Reisedokumente sehr eingehend. Für mich als Plenny hatten sie kein weiteres Interesse. Auch später hatte ich bis Wladiwostock keinerlei Schwierigkeiten“, notierte Frieb.