Rohrbach an der Gölsen

Erstellt am 08. August 2016, 07:50

von Astrid Krizanic-Fallmann

Warten auf Freilassung. In Gefangenschaft war Erwin Frieb aus Rohrbach im Ersten Weltkrieg. Seine Erlebnisse in Sibirien und in der Mandschurei schrieb er in einem Manuskript auf.

Handschriftlich notierte Erwin Frieb die Ereignisse, die er fern seiner Heimat erlebte. Foto: privat  |  privat

Während des Ersten Weltkrieges war Erwin Frieb, am 2. September 1880 geboren und am 12. September 1959 verstorben, als Gefangener in Sibirien inhaftiert.

Nach einer von der Roten Armee erlaubten Reise mit dem Vertreter des schwedischen Roten Kreuzes, Kapitän Astrand, und dem deutschen Kriegsgefangenen Jonas in die Mandschurei, um Lebensmittelspenden abzuholen, saß der Major im September 1918 wieder im Lager. Dieses wurde plötzlich aufgelöst, Mannschaft und russisches Aufsichtspersonal Richtung Wladiwostock geschickt.

Im März 1919 konnte Frieb dann mit einer dänischen Delegation nach Irkutsk fahren. „Welch eigenartiges Gefühl ergriff mich, als wir bei Pjestrzanka vorbeifuhren“, notierte er zum Kriegsgefangenenlager. „Am Rande des Abhanges standen noch die Baracken, welche wir bewohnten. Von dort oben lugten wir durch den Zaun sehnsüchtig hinunter auf die Eisenbahn und hofften, auf ihr doch endlich einmal in die Heimat zu fahren. Besorgt zählten wir die ungeheuren Munitionstransporte. Im Jahr 1917 sahen wir überall die rote Fahne emporsteigen, welche ein Jahr später wieder heruntergerissen wurde. Der ganze Erdball hatte sich verändert, nur wir Plenny standen noch am selben Fleck und hofften weiter.“

Obwohl der Krieg zu Ende war, saßen 1919 fast alle Gefangenen aus dieser Region noch weiter im Osten am Stillen Ozean. „Von den Giebeln der Baracken in Pjestrzanka aber flatterten die japanischen Flaggen mit der aufgehenden Sonne lustig im Winde“, hielt der Rohrbacher Offizier handschriftlich fest.

Dann kam Tschita. „Am Bahnhof stolzierten neue russische Junker in Uniform herum, die sollten die Stützen der vermeintlichen russischen Zukunftsarmee sein. In Tschita lebten noch einige hundert Kriegsgefangene aller Nationen, meistens bei der russischen Baukommission gegen Bezahlung angestellt. Es ging ihnen verhältnismäßig gut“, so Frieb.

Westlich von Tschita bis Beresowka hatte laut ihm der Zug wiederholt größere Aufenthalte mitten auf der Strecke, weil die Reparatur der im Vorjahr gesprengten Brücken noch immer nicht beendet war. „Der Mangel an Stahl und Eisen zeigte sich auf der ganzen Strecke, meist mussten riesige Holzbalken aushelfen“, schrieb er auf. „Es ist auch erklärlich, denn in ganz Ostsibirien gab es kein einziges Stahlwerk, welches eine Brücke erbauen konnte. Das Material musste aus Amerika oder Japan kommen. Dazu fehlte es aber noch an Geld und Schiffen“, meinte Frieb.