Erstellt am 24. Mai 2016, 05:44

von Markus Zauner

Pfarrboden: Land bietet Lifte zum Kauf an. Bei Bürgerinfo hieß es noch, die Anlagen in den nächsten Wochen abzubauen. Jetzt lebt die Chance auf Weiterführung.

Der Doppelsessellift Pfarrboden ist aus Sicht des Landes nicht rentabel.  |  NOEN, Heidlmaier

Die Ereignisse überschlugen sich in der Vorwoche: Zuerst kochten die Emotionen im Rahmen des Bürgerinformationsabends zur vom Land NÖ bekannt gegebenen Einstellung der Pfarrboden-Lifte  hoch.

Am Freitag kam dann die unerwartete Wende: Ecoplus-Geschäftsführer Helmut Miernicki bestätigte der NÖN, dass das Land die Lifte Interessenten nun zu einem „symbolischen Kaufpreis“ anbiete. Beim Bürgerinfoabend hatten die Landesvertreter noch angekündigt, die Anlagen, also den Doppelsessellift und den Schlepplift, aus wirtschaftlichen Gründen schon in den nächsten Wochen rückzubauen. Bürgermeisterin Petra Zeh sieht in diesem Angebot das Resultat der zuletzt intensiven Gespräche der Gemeindeführung mit der Landesspitze. Beigetragen habe aber auch die große Bürgerbeteiligung beim Informationsabend.

„Eine Rettung des Pfarrbodens wäre jedenfalls sowohl für die Betriebe als auch für die Skifahrer erfreulich“, erklärt Zeh. Konkrete Übernahmekandidaten für die Pfarrboden-Lifte (die Reidl-Lifte werden weiterhin vom Land betrieben) gab es zu Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht. Ob sich Annaberg als Abgangsgemeinde beteiligt, stand zuletzt ebenso noch in den Sternen, da der Gemeindeführung das konkrete Angebot des Landes noch nicht vorlag. Zeh: „Deshalb kann ich eine Beteiligung weder ausschließen, noch zusagen. Auch dazu sind Gespräche mit den Abteilungen des Landes NÖ nötig.“

„Akzeptieren das Zusperren nicht!"

Bürger-Info zum Rückzug des Landes verlief sehr emotional. Annaberger um Gunnar Prokop machten mobil.

,,Wir werden vor vollendete Tatsachen gestellt. Man hat uns nicht gefragt“: Zwei Aussagen, die im Zuge des Bürgerinformationsabends des Landes NÖ zur Einstellung der Pfarrboden-Lifte fielen und den Grundtenor in Annaberg widerspiegeln.

Nachdem sich bereits im Vorfeld (wie berichtet) eine stark unterstützte Facebook-Initiative zur Rettung des Pfarrbodens gegründet hatte, verlief die Diskussion im voll besetzten Saal des Gasthofs Engleitner erwartungsgemäß auch sehr emotional. Worte wie „Schnapsidee“ oder „Zuerst nachdenken und dann handeln“ wurden bemüht, auch ein „Buh“-Ruf durfte nicht fehlen.

Vollkommen zu eskalieren drohte der Infoabend, als gleich zu Beginn ein Besucher (scherzhaft, wie sich später herausstellte) erklärte: „Ich hätte besser die Pistole mitnehmen sollen.“ Ecoplus-Geschäftsführer Helmut Miernicki drohte daraufhin, die Veranstaltung sofort abzubrechen. Letztlich beruhigten sich die Gemüter wieder, die Gäste hörten sich die Eckpfeiler des Restrukturierungsprogramms von Markus Redl, dem Geschäftsführer der landeseigenen NÖ Bergbahnen–Beteiligungsgesellschaft m.b.H. (NÖ-BBG), an. Und das sieht die Einstellung der aus Sicht des Landes nicht rentablen Pfarrboden-Lifte (Doppelsessellift Pfarrboden und Schlepplift Reidl V) sowie den Ausbau der höher gelegenen Reidl-Lifte vor.

Drei von vier Jahren endeten negativ

Redls unmissverständliche Botschaft an die Bürger: „Ich will Ihnen klipp und klar die Wahrheit sagen. Wir stehen mit dem Rücken zur Wand.“ Oder anders formuliert: Gelinge es bei den Annaberger Liften nicht, ein positives operatives Ergebnis zu schaffen, drohe das Zusperren des gesamten Skigebietes durch das Land, so Redl. Der Geschäftsführer untermauerte mit Zahlen: „Seit der Übernahme der Annaberger Lifte durch die NÖ-BBG gab es mit Ausnahme der Saison 2012/2013 ein negatives EBITDA — in den drei Geschäftsjahren 2013/2014 bis 2015/2016 kumuliert mehr als 1,6 Millionen Euro.“

Ecoplus-Geschäftsführer Miernicki warf indes in die Waagschale, dass das Land bei der Übernahme der Lifte auch drei Millionen Euro an Altschulden übernommen habe. Jetzt sei die Zeit gekommen, beinhart wirtschaftlich rechnen zu müssen. Kämpferisch gab sich Gunnar Prokop, Gatte der verstorbenen Innenministerin Liese Prokop, unter starkem Applaus des Publikums: „Entscheidungen kann man revidieren. Zusperren akzeptieren wir nicht.“ Er werde daher seine Beziehungen zum Land nutzen, um den Pfarrboden noch zu retten. Aufgebracht sprach Prokop auch davon, dass Redls dargelegte Argumente für die Pfarrboden-Sperre „zum Teil manipuliert sind“. Was wiederum Miernicki in Abrede stellte: „Nichts ist getürkt.“

Reicht Reidl-Kapazität? Angst um Gastrobetriebe

Kritik kam auch von Annabergs Bürgermeisterin Petra Zeh: „Wir haben viele Tage der Freude erlebt, heute ist keiner. In allen Entscheidungen wurden wir sehr spät eingebunden. Wir hatten keine Chance, Sorgen und Ängste einzubringen.“ Noch deutlicher wurde Zehs Gatte Martin Zeh: „Als letzte Person wurde die Bürgermeisterin informiert.“

Zu den im Zuge der Versammlung geäußerten Sorgen zählten etwa, dass die Kapazitäten am Reidl nicht ausreichen könnten und die Betriebe im Ort Annaberg durch den Entfall der Pfarrboden-Lifte vor der Haustüre einen massiven Geschäftsentgang zu befürchten hätten. Zweifel wurden auch geäußert, ob Rennen statt am Pfarrboden am Reidl sinnvoll zu bewerkstelligen seien. Petra Zehs Appell daher: Die Pfarrboden-Lifte erst dann abdrehen, wenn man wirklich weiß, ob das neue Konzept funktioniert. Der Vorschlag eines Gastes sah zudem vor, nur den Schlepplift einzustellen, den Doppelsessellift am Pfarrboden aber zu belassen.

Zeh vergaß indes auch nicht, dem Land für vergangene Investitionen zu danken: „Wir sind immer gut bedient worden und haben sehr viel erhalten. Da können wir uns nicht beschweren.“ Und Tourismusexperte Arnold Oberacher hatte aufmunternde Worte im Gepäck: „Annaberg ist als Familienskigebiet etabliert. Es braucht aber zwei Saisonen, die Chance liegt im Sommer.“ Unterstützung soll es vom Land daher bei der Neuorientierung zum Ganzjahrestourismus geben.

Geplante Projekte

  • Ganzjahrestourismus: Die im Rahmen der Bürgerversammlung von NÖ-BBG-Geschäftsführer Markus Redl stichwortmäßig präsentierten Zukunftsvorhaben mit Schwerpunkt ganzjährige Produkte und Angebote:

  • Sommer: Hochseilgarten Reidl, Hochseilgarten Ötscher-Basis, Mountainbike, Wanderwege, Hennesteck.

  • Winter: Winterwanderwege, Nordic-Zentrum, Tourengeher.

  • Ganzjährig: Leitsystem, Welcome-Zone, Speicherteich, Aufbereitung/Vermarktung.

  • Basisthema: Mobilität.


„Der Landesskiverband NÖ hat sich im Frühjahr in einem Schreiben an Landeshauptmann Erwin Pröll und Landesrätin Petra Bohuslav gewandt, um die Beschneiungsanlagen am Annaberg Pfarrboden und in Lackenhof auf der Distelpiste zu verbessern, damit diese Trainingspisten den Kadern, den Partnerschulen und den Vereinen ab Dezember zur Verfügung stehen können. Die Eigentümervertreter gaben bekannt, dass aus wirtschaftlichen Gründen der Pfarrboden eingestellt wird.
Gleichzeitig wird in Annaberg am Reidl ein Trainingszentrum mit Infrastruktur und vor allem wesentlich verbesserter Beschneiung errichtet. Als Landesskiverband werden wir in diese Entwicklung mit einbezogen. Die erste Besprechung mit den Pistenplanern hat stattgefunden. Ich bin zuversichtlich, dass am Reidl für Skirennen praktische und dem Skisport entsprechende Bedingungen geschaffen werden können. Das erste Treffen vor Ort erlaubt mir diese vorsichtig optimistische Einschätzung.“ 
Wolfgang Labenbacher, der Präsident des Landesskiverbandes Niederösterreich

„Ich verstehe die vielen Emotionen. Das Land hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht und ist schon über Jahrzehnte ein verlässlicher Partner.“ 
Landtagsabgeordneter Karl Bader bei der Bürgerinfo

„Unsere Turnhalle ist der Annaberg. Natürlich trauern wir dem Pfarrboden nach. Sehr wichtig für uns ist aber, dass es durch den Ausbau zum Trainingszentrum Reidl am Annaberg weiter geht. Die Schule wird hier auch zukünftig Rennen und Training absolvieren.“ 
Martin Simader, der Direktor der Michaela Dorfmeister SKI Mittelschule Lilienfeld