Erstellt am 26. Juli 2016, 05:33

von Gila Wohlmann

Der Bezirk sieht Monster. Viele sind begeistert. Noch keine Erfahrungswerte über Auswirkungen hat Psychotherapeutin. Polizei warnt vor Gefahren im Straßenverkehr und bei Datenweitergabe.

Sat.1

Es werden täglich mehr, die mit konzentriertem Blick auf ihr Smartphone starren und dabei durch die Gegend marschieren. Und sie haben alle das selbe Ziel: Sie sind auf Pokémon-Monsterjagd.

„Für mich ist dieses Spiel einfach Nostalgie"

Seit rund zwei Wochen ist das Smartphone-Reality-Spiel Pokemon Go auch in Österreich aktiv. Weltweit sind es bereits Millionen, die den kleinen Fantasiewesen, bekannt aus TV, Film und Videospielen, verfallen sind. Eine begeisterte Nutzerin ist Maria Feichtinger, 22 Jahre, Geographie-Studentin aus Traisen: „Für mich ist dieses Spiel einfach Nostalgie. Meine Schwester, mein Freund und ich sind große Pokémon-Fans. Ich hatte früher Pokémon-Stofftiere und habe mir damals den Film im Kino angesehen“, erzählt sie.

In Städten wie Wien oder auch an anderen fremden Orten sei es „besonders spannend“, Pokémon Go zu spielen, denn: „Man lernt Sehenswürdigkeiten wie Denkmäler kennen, wo Pokémon-Stops sind, die man sonst vielleicht nie gesehen hätte. So lernt man auch gleich Geschichte dazu“, ist sie überzeugt, Auch in Traisen hat sie bereits ausprobiert, zu spielen und war über die Pokémon-Stops beim Bahnhof Scheibmühl, Kreisverkehr und Hollaus-Denkmal überrascht, ebenso entdeckte sie eine „Tierarztarena“ bei der Praxis von Veterinärmedizinerin Ulrike Hirtl.

Diese ist bereits über die „Tierarztarena“ bei ihrer Ordination informiert: „Der Ansturm der Pokémon-Jäger hält sich noch in Grenzen. In der Ordination drinnen ,kämpfen‘ wir bis jetzt nur mit unwilligen Katzen und Hunden“, schmunzelt sie. Und: „Ich habe noch nie ein Handyspiel gespielt und hoffe auch, dass mir nie so fad sein wird, dass ich das machen muss! Das Positive bei diesem Spiel scheint zu sein, dass die Leute wenigstens raus gehen.“

Die Traisner Psychotherapeutin Birgit Richter sagt zum Monster-Hype: „Aus psychologischer Sicht habe ich noch keine Erfahrungswerte über die Auswirkungen dieses Spieles. Wenn es aber dazu animiert, dass junge Menschen wieder mehr sich in der freien Natur bewegen, hat dies natürlich auch Vorteile“, gibt aber zu bedenken: „Da das Sammeln der derzeit verfügbaren 133 Figuren zu einem gewissen Wettbewerb auch unter den Kindern und Jugendlichen führen kann, sollten Eltern die Zahlungsmöglichkeiten am Handy limitieren. Die Mikrotransaktionen ermöglichen, sich kleinere oder größere Vorteile zu erkaufen. Der Name Mikrotransaktion darf dabei nicht hinwegtäuschen, dass sich in kürzester Zeit eine große Einkaufssumme ergeben kann. Daher sei allen Kindern und Jugendlichen vor allem der unterhaltsame Charakter des Spiels nahegelegt und nicht der Wettkampf – wer hat in kürzester Zeit mehr!“ Dass das Spiel auch gefährlich sein kann, zeigen Fälle aus dem Ausland, wo schon eine junge Frau beim Spielen überfahren wurde oder Spieler bei Pokémon-Stops ausgeraubt wurden.

Jede Form von Ablenkung erhöht das Verkehrsrisiko

Vize-Bezirkspolizeikommandant Christian Filzwieser hat aufgrund der kurzen Laufzeit der App auch noch keine Erfahrungen über die Auswirkungen auf den Straßenverkehr, betont aber: „Jede Form von Ablenkung erhöht das Verkehrsrisiko. Wir hoffen sehr, dass sich Kraftfahrzeuglenker nicht dazu hinreißen lassen, das Pokémon Go während der Fahrt zu spielen oder dass Fußgänger nicht mehr auf den Straßenverkehr achten.“

 |  NOEN

Kriminalpräventionsbeamter Franz Pitzl von der Polizei Lilienfeld weiß auch um etwaige Gefahren des Reality-App-Vergnügens: „Wer beim Pokemon-Spiel oder auch sonst permanent sein Handy offen zur Schau stellt, läuft leichter Gefahr, Opfer eines Handyraubs oder Diebstahls zu werden. Durch die permanente GPS-Ortung sammelt die App laufend Daten der Spieler. Laut derzeitigen Nutzungsbedingungen dürfen diese auch weitergegeben werden.“

Derzeit gibt es noch keine personalisierte Werbung, mit der man bei Pokémon Go konfrontiert wird, aber das könne sich durchaus ändern. „Wer mit den Nutzungsbedingungen nicht einverstanden ist, kann daher nur eines machen: Auf das Spielen von Pokémon Go verzichten!“, sagt Pitzl.
 

Wie können nun Eltern, Kinder richtig auf das Spiel vorbereiten?

„Pokémon Go darf eigentlich erst ab 13 Jahren gespielt werden“, lässt der Polizist wissen und rät auch, genau Regeln für die Spieldauer und Nutzung festzulegen. Ebenso sollte man Kinder über etwaige kostenpflichtige App-In-Käufe informieren. Und noch einen Tipp hat er parat: ‚„Man kann für Kinder auch extra ein eigenes Konto für Pokémon Go einrichten.“

Umfrage beendet

  • Was sagen Sie zum Pokémon-Go-Hype?