Erstellt am 19. April 2016, 05:04

von Markus Zauner

"Rote Karte für Müllsünder". 83 Tonnen falsch entsorgt: Zu stark verunreinigte Biotonnen werden erstmals nicht mehr entleert!

 |  NOEN, zVg

Die Trennquoten liegen in heimischen Gefilden über dem Landesschnitt. Was die Biomüllsammlung betrifft, ist das freilich nur ein schwacher Trost, denn im vergangenen Jahr fielen rund 83 Tonnen Siebrest, also falsch entsorgter Müll, an. Das sind bei etwa 1.000 Tonnen Küchen- und Gartenabfällen, die jährlich zu Kompost verarbeitet werden, fast 10 Prozent Verunreinigung.

Viel zu viel, schlägt der Abfallverband Lilienfeld nun Alarm und sagt mit einem noch im April startenden „Kartensystem“ Trenn-Muffeln den Kampf an. Wird bei der Sammlung festgestellt, dass die Biotonne eines Haushaltes grob verunreinigt ist, gibt es die „gelbe Karte“. Unter Angabe der Störstoffe, die gefunden wurden (Restmüll, Kunststoff- oder Glasverpackungen, Dosen, gefährliche Abfälle), hinterlegt die Müllabfuhr in der entleerten Biotonne konkret einen gelben Zettel — mit dem gleichzeitigen Hinweis, dass der Inhalt bei andauernder Verunreinigung nicht entsorgt wird.

„Beweisfotos“ gegen Müllsünder

Trennresistente Parteien kassieren im Wiederholungsfall dann unter dem Motto „So nicht“ die „rote Karte“. Heißt: Die Tonne wird nicht entleert — die Besitzer müssen Störstoffe, die fotografisch dokumentiert werden, aussortieren und dürfen die Biotonne dann erst wieder bei der nächsten Abfuhr bereitstellen. Ziel dieser Erziehungsmaßnahme sei es, statt zehn auf fünf Prozent Verunreinigung zu reduzieren, gibt Franz Rybaczek, der abfallrechtliche Geschäftsführer des Gemeindeverbandes für Abfallbehandlung und Umweltschutz im Bezirk Lilienfeld, die Marschroute vor.

Lackdosen oder Spritzen landen im Biomüll

Was alles im Biomüll landet, liest sich abenteuerlich. „Leider gibt es manchmal auch schwerwiegende Fehlwürfe, wie Lackdosen oder Spritzen“, gibt Rybaczek Beispiele. Und: „Der Aufwand, den Franz Berger, Landwirt und Betreiber der Kompostanlage in Wiesenfeld, mit der händischen Sortierung des angelieferten Materiales hat, steigt stetig“, weiß der Geschäftsführer und verweist auch auf die steigenden Kosten der Verarbeitung.

„Verunreinigte Bioabfälle müssen als Restmüll entsorgt werden. Die Behandlung einer Tonne Restmüll kostet etwa drei Mal so viel wie die fachgerechte Kompostierung einer Tonne Biomüll“, rechnet Rybaczek vor. Kosten, die mittelfristig über die Müllgebühren auf die Bürger abgewälzt werden könnten, warnt Rybaczek. Er ist aber optimistisch, mit der Schwerpunktaktion der „gelben“ und „roten Karten“ etwas zum Besseren bewirken zu können.

Problem beschränkt sich auf den Bezirk Lilienfeld

Bemerkenswertes Detail am Rande: Während sich die Qualität der angelieferten Bioabfälle in den Verbandsgemeinden des Bezirkes Lilienfeld in letzter Zeit, so der Geschäftsführer, „dramatisch verschlechtert hat“, ist dies in Herzogenburg und Traismauer, jenen zwei Gemeinden aus dem Bezirk St. Pölten, die ebenfalls zum Verband gehören, erstaunlicherweise nicht der Fall. Plausible Erklärungen dafür gibt es freilich nicht.