Erstellt am 21. April 2017, 05:00

von Nadja Straubinger und Daniel Lohninger

Milchbauern wollen die NÖM übernehmen. Obmann Johann Krendl will mit den 3.300 Bauern der Genossenschaft, den Anteil von 25 auf 100 Prozent aufstocken.

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Die NÖM, Österreichs zweitgrößter Molkerei-Konzern, könnte schon bald im Besitz der Molkereigenossenschaft Niederösterreich (MGN) sein. Einstimmig legten sich Vorstand und Aufsichtsrat in der Vorwoche fest, dass die 3.300 Milchbauern den 75-Prozent-Anteil der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien übernehmen wollen.

„Wir haben den Anspruch, dass wir alleiniger Lieferantder NÖM sind.“Johann Krendl, MGN-Obmann

Wichtigster Akteur auf Seite der Milchbauern ist Johann Krendl aus Kasten, der seit 2012 Obmann der MGN ist. „Wir haben den Anspruch, dass wir alleiniger Lieferant der NÖM sind. Diesen Anspruch können wir dauerhaft nur absichern, wenn uns die NÖM gehört“, erklärt Krendl.

Bezirksbauernkammerobmann Reinhold Mader begrüßt die aktuellen Entwicklungen.  |  NOEN, Archiv

Sukzessive haben die Milchbauern seit 1999 ihren Anteil von 6 auf 25 Prozent erhöht. Mit der kompletten Übernahme der NÖM wollen die Genossenschaftsbauern sicherstellen, dass sie unabhängig von möglichen künftigen Entwicklungen der Eigentümerstruktur ihren Absatz gesichert haben. Krendl: „Wir wissen natürlich, dass wir als 100-Prozent-Eigentümer auch das 100-prozentige Risiko tragen werden. Aber wir haben dann auch alle Entscheidungen selbst in der Hand und mehr Gestaltungsspielraum.“

Verhandlungen mit der Raiffeisen-Holding als nächster Schritt

Als nächster Schritt stehen die konkreten Verhandlungen mit der Raiffeisen-Holding an. Deren Obmann Erwin Hameseder zeigte sich bei der Generalversammlung der MGN gesprächsbereit. Krendl hofft, die Übernahme bis Ende des Jahres unter Dach und Fach zu haben.

Finanziert werden soll der Deal neben der Aufnahme von Krediten dadurch, dass der Genossenschaftsanteil der MGN-Milchbauern über acht Jahre jedes Jahr geringfügig von zwei auf 10 Cent erhöht werde. Ein Geschäftsanteil für die durchschnittliche Jahresanlieferung von 125.000 Kilo entspräche derzeit 2.500 Euro. Die 3.324 MGN-Mitglieder zusammen halten derzeit Anteile im Wert von 8,1 Millionen Euro.

Bauern im Gölsental beliefern die NÖM

Zu den wichtigen Stützen der NÖM zählen auch die Milchbauern des Gölsentals, die geschlossen ihre Milch nach Baden liefern. Bezirksbauernkammer-Obmann Reinhold Mader sieht die Entwicklung positiv. „Wir haben natürlich ein Interesse daran, dass wir selbst bestimmen können, wie wir das Werk aufstellen wollen“, so Mader.

Die Anlage in Baden sei gut, es sei immer wieder investiert worden. „Die anderen Genossenschaften in Österreich sind alle in bäuerlicher Hand. Ich könnte mir vorstellen, dass die Zusammenarbeit zwischen den Molkereien intensiviert werden kann“, zeigt sich Mader optimistisch. Derzeit werde der Markt von drei Unternehmen bestimmt, es gibt aber mehr Molkereien, was zu einem Ungleichgewicht führt.