Traisen

Erstellt am 25. August 2016, 04:59

von Nadja Straubinger

„Dudelsack hatte hier Tradition“. Norbert Wallentin aus Traisen baut Dudelsäcke. 50 bis 160 Stunden benötigt er für ein Instrument.

Norbert Wallentin hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht: Er baut in Traisen Dudelsäcke.  |  NOEN, privat

Dudelsackbauer sind selten in Österreich, nur drei gibt es aktuell. Einer davon ist der Traisner Norbert Wallentin.

Er hat mit seiner Werkstatt sein Hobby zum Beruf gemacht, findet dennoch nicht, dass es außergewöhnlich ist, Dudelsäcke zu bauen, denn: „Der Dudelsack hatte hier Tradition. Zum Beispiel die Schäferpfeife und auch das Hümmelchen waren lange Zeit begehrte Volksmusikinstrumente. Auf Abbildungen vom lieben Augustin hält er immer einen Dudelsack in Händen“, weiß der Traisner.

„Der Reiz ist es, mit den eigenen Händen ein Instrument aus einem Stück Holz und einem Stück Leder zu erschaffen.“

Norbert Wallentin

2007 hat Wallentin begonnen, Elektrotechnik zu studieren. „Das Studium war etwas trocken und auch sehr theoretisch. Dann habe ich mir etwas gesucht, was nicht nur aus Formeln und Mathematik bestand, etwas zum Angreifen“, so Wallentin. Er spielte schon länger begeistert Dudelsack in der Mittelalterband Satara. Für sein Instrument baute er Rohrblätter und wollte immer mehr herausfinden, wie die Zusammenhänge zwischen Rohrblatt. Spielpfeife und schwingender Luftsäule sind. „Irgendwann war die Motivation, es selbst auszuprobieren, so groß, dass ich mir eine Drechselbank anschaffte“, erzählt Wallentin.

Gut zwei Jahre habe er nur Prototypen und Versuchsreihen gebaut. Er besuchte Seminare, um Kontakt zu Informationen von anderen Dudelsackbauern zu bekommen. In der Zwischenzeit richtete er die Werkstatt ein. „Damit war das Studium gelaufen“, schmunzelt der Dudelsackbauer aus Traisen.

Bauen selbst beigebracht

Das Bauen der Dudelsäcke hat sich Wallentin zu einem wesentlichen Teil selbst beigebracht. 2013 bis 2015 arbeitete er bei Andreas Rogge in Wendelsheim (Deutschland) mit. „Der Reiz ist es, mit den eigenen Händen ein Instrument aus einem Stück Holz und einem Stück Leder zu erschaffen“, spricht Wallentin über seine Leidenschaft. An einem Dudelsack sitzt er zwischen 50 und 160 Stunden — je nach Modell und Ausführung sowie gewünschten Extras. Im Jahr fertigt er zwischen fünf und acht Dudelsäcke.

Es gibt viele Möglichkeiten, den Dudelsack nach eigenen Wünschen zu gestalten. So können etwa die Lederfarbe, die Holz- und Bauart, dazu zählen auch die Anzahl der Bordune und Spieldruck sowie Lautstärke, ausgewählt werden. Das Holz, aus dem der Dudelsack gefertigt wird, muss vorher vier Jahre eingelagert werden, dann wird mit einigen Kanteln Holz begonnen, das Instrument zu fertigen. Es wird gebohrt, der Konus ausgeräumt und die Form gedrechselt. Die Oberfläche des Instruments wird geschliffen, geölt und danach lackiert. Das Leder für den Sack wird ausgeschnitten, vernäht, umgedreht und abgedichtet.

Am Ende muss der Dudelsack gestimmt werden. Auf diese Punkte kommt es beim Dudelsack am meisten an: „Gute Stabilität und Intonation, saubere Drechselarbeit, wenig Luftverbrauch und natürlich ein schöner, ausgewogener Klang“, weiß der begeisterte Dudelsackbauer aus Traisen.