Lilienfeld , Traisen , St. Veit an der Gölsen , Wilhelmsburg

Erstellt am 19. April 2017, 06:00

von Nadja Straubinger und Daniel Lohninger

Pläne liegen auf: Heiße Phase für die S34. Bis Ende Mai kann im UVP-Verfahren Einspruch eingelegt werden. Baustart für 2019 geplant.

Über die S 34-Pläne informierten im VAZ Projektleiter-Stellvertreter Norbert Baumberger, Projektleiter Leopold Lechner sowie Silvia Kovacs und Christof Dauda vom Amt der NÖ Landesregierung.  |  NOEN, Straubinger

43 Jahre nach den ersten Überlegungen für eine Traisental-Schnellstraße steht die S 34 kurz vor der Realisierung. Seit vergangenem Mittwoch liegen die Pläne für die neun Kilometer lange Strecke von St. Pölten bis Wilhelmsburg und die Spange Wörth im Magistrat St. Pölten sowie in den Gemeindeämtern Ober-Grafendorf und Wilhelmsburg zur Einsichtnahme auf. Bis Ende Mai können Einsprüche bei der Umweltabteilung des Landes (RU 4) sowie im Infrastrukturministerium eingebracht werden.

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Die erste öffentliche Präsentation der Pläne im VAZ verlief ruhig. „Viele haben sich informiert. Die Gesprächsbasis war durchwegs konstruktiv“, berichtet Projektleiter Leopold Lechner. Die Zeit der grundsätzlichen Debatte über die Sinnhaftigkeit der S 34 sei vorbei, jetzt gehe es um Fragen der Umsetzung.

Die schriftlich eingebrachten Einwände werden von Sachverständigen bewertet. Parteistellung haben nicht nur Anrainer, sondern auch Umweltanwalt, Standort-Gemeinden und angrenzende Gemeinden, Bürgerinitiativen sowie Umweltorganisationen. Im Herbst wird die mündliche UVP-Verhandlung stattfinden.

Stadt Wilhelmsburg kündigt Einspruch an

Bei der Asfinag rechnet man damit, dass es Einsprüche geben wird. Ob die den für 2019 geplanten Baubeginn verzögern können, ist noch nicht absehbar. Das hängt vor allem davon ab, ob der UVP-Bescheid wie vorgesehen im nächsten Frühjahr da ist und dann auch hält. Wird er beeinsprucht und landet beim Bundesverwaltungsgericht, ist mit einer Verzögerung um zumindest ein weiteres Jahr zu rechnen.

Einen Einspruch aus Wilhelmsburg werde es auf jeden Fall geben, versichert Bürgermeister Rudolf Ameisbichler (SP): „Die S 34 in dieser Form ist für uns inakzeptabel.“ Grund für den Ärger ist, dass die vierspurige Schnellstraße in Wilhelmsburg in die zweispurige B 20 mündet. „Das kann sich nicht ausgehen“, so Ameisbichler. Das gelte umso mehr, als 2030 anstatt der gegenwärtig 16.000 hier 20.000 Fahrzeuge pro Tag unterwegs sein werden. Die einzig sinnvolle Lösung wäre, zuerst die B 334 nach Traisen auszubauen und Wilhelmsburg zu umfahren. Ameisbichler fürchtet zudem, dass durch die leistungsfähige Straße vermehrt Kaufkraft abfließe.

Bezirk Lilienfeld zum Thema S 34 gespalten

„Seit Jahren zähle ich zu den absoluten Befürwortern der S 34 und in Folge der B334“, betont ÖVP-Bezirksparteiobmann Karl Bader. Er ist überzeugt, dass das wirtschaftliche Überleben des Bezirkes von der Umsetzung der neuen Verkehrsverbindung abhängen wird. „Ein neuer Bericht der Statistik Austria zeigt eindeutig, dass niederösterreichische Bezirke, die mit Autobahnen und Schnellstraßen erschlossen sind, in den letzten zehn Jahren deutlich an Einwohnern gewonnen haben“, so Bader. Im Bezirk Lilienfeld hingegen schrumpft die Bevölkerung, lediglich in Eschenau und Kaumberg gab es Zuwächse. „Es geht um mehr Lebensqualität im ländlichen Raum und um qualifizierte Arbeitsplätze, damit auch die Jungen bleiben“, betont Bader.

Während Bader auf eine rasche Umsetzung hofft, tritt SPÖ-Bezirksparteiobmann Herbert Thumpser gegen die S 34 in der geplanten Form auf. „Es wird jedes Mal ein Nadelöhr geben. Entweder in Wilhelmsburg oder bei einer Weiterführung in Traisen – mit weitreichenden ökologischen Folgen“, erklärt Thumpser.

Ausbau der B20 sinnvoller?

Gemeinsam mit St. Veit und Wilhelmsburg hat Traisen eine Studie machen lassen, die zeigte, dass ein dreispuriger Ausbau der bestehenden B 20 in einigen Bereichen möglich sei. „Das wäre billiger und ökologischer“, sagt Thumpser. Auf Sicht ist auch Thumpsers Anliegen ein Ring um St. Pölten, bei dem man sich in Wilhelmsburg entscheiden kann, ob man auf die Autobahn will oder in das Zentrum von St. Pölten.

FP-Bezirksobmann Christian Hafenecker spricht sich für die S 34 aus: „Sie ist für die Abwanderung und Rekordarbeitslosigkeit im Bezirk von größter Bedeutung.“ Mit der Schnellstraße werde eine Anbindung an die Hauptverkehrsadern A 1 und S 33 geschaffen und damit die Attraktivität des Bezirks erhöht. Die FPÖ will Druck machen: „Es darf zu keinen weiteren Verzögerungen kommen.“

Die zweite S 34-Planungsausstellung findet am Dienstag, 25. April, von 16 bis 19 Uhr im VAZ statt.

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