Erstellt am 18. April 2016, 08:14

von Astrid Krizanic-Fallmann

Trio fand kein Gehör. In Gefangenschaft war Erwin Frieb aus Rohrbach im Ersten Weltkrieg. Seine Erlebnisse in Sibirien und in der Mandschurei schrieb er in einem Manuskript auf.

Handschriftlich notierte Erwin Frieb die Ereignisse, die er fern seiner Heimat erlebte. Foto: privat  |  NOEN, privat

Im Ersten Weltkrieg war Erwin Frieb, der am 2. September 1880 geboren wurde und am 12. September 1959 verstorben ist, als Gefangener in Tschita, Sibirien, inhaftiert.

Am 16. August 1918 fuhr der Major mit dem Vertreter des schwedischen Roten Kreuzes, Kapitän Astrand, und dem deutschen Kriegsgefangenen Jonas, mit Erlaubnis der Roten Armee, in die Mandschurei, um Lebensmittelspenden abzuholen.

„Niemand hatte es mehr für möglich
gehalten, dass wir uns durch all die
Fronten werden durchbeißen können.“
Erwin Frieb


In Mandschuria (Manzhouli) angekommen, wurde ihnen mitgeteilt, dass die Ladung von General Grigori Michailowitsch Semjonof – einem Führer der Weißen im russischen Bürgerkrieg – requiriert worden war. Als dieser mit japanischen Truppen die Stadt besetzte, trat das Trio zu Fuß, per Wagen und mit Extrazügen eine mit Hindernissen gepflasterte Rückkehr an.

Wieder in Tschita eingetroffen, hatte der Ort über Nacht die rote Fahne mit der weißen getauscht.

„Nach einigen Tagen begannen wir unsere Bemühungen, um von Semjonof einen Ersatz für die requirierten Güter zu bekommen“, erinnerte sich Frieb. „Wir wurden aber von Pontius zu Pilatus gesendet, niemand wollte von der Sache etwas wissen, niemand wollte uns empfangen. Der Umsturz hatte wohl dem bürgerlichen Element von Transbaikalien auf die Beine geholfen. Aber zugleich flammte der alte Hass gegen die Germani auf, sofort begann man den neuen Krieg gegen Deutschland zu predigen und versuchte, an den notwendigen Vorbereitungen zu arbeiten.“

Immer weniger fanden die drei Männer Gehör. Semjonof und sein Stab hielten sich noch ferne. „Vorläufig waren mehr die Tschechen am Ruder. Schließlich mussten wir unsere Jagd nach dem Geld einstellen. Jonas wanderte mit schwerer Dysenterie ins Spital, ich wurde mit den anderen Offizieren der Neutralen Transportkommission verhaftet und nach Pjestrzanka expediert. Der Schwede stand vereinsamt da“, notierte der Offizier. Man hatte gegen alle Rotkreuzvertreter ein solches Misstrauen, dass Kapitän Astrand sich nur mit Mühe halten konnte, wusste Frieb.