Erstellt am 27. Dezember 2015, 05:08

von Astrid Krizanic-Fallmann

Trio vom Stab der Roten Armee befragt. Erwin Frieb war im Ersten Weltkrieg in Gefangenschaft. Erlebnisse in Sibirien und der Mandschurei schrieb er in Heft auf.

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Im Ersten Weltkrieg war Erwin Frieb, der am 2. September 1880 geboren wurde und am 12. September 1959 verstorben ist, als Gefangener in Tschita, Sibirien, inhaftiert.

Am 16. August 1918 fuhr der Major aus Rohrbach mit einem Passierschein der Roten Armee mit dem Vertreter des schwedischen Roten Kreuzes, Kapitän Astrand, und dem deutschen Kriegsgefangenen Jonas in die Mandschurei, um Lebensmittelspenden abzuholen. In Mandschuria (Manzhouli) angekommen, erfuhren sie, dass die Ladung von General Grigori Michailowitsch Semjonof – einem Führer der Weißen im russischen Bürgerkrieg – requiriert worden war. Als dieser mit japanischen Truppen die Stadt besetzte, bekamen die drei eine Bewilligung zur Rückkehr über die Front.

Nach einem längeren Fußmarsch durch die Steppe trafen sie in Borsa ein. „Bei unserer Ankunft wurden wir gebeten, sofort zum Hauptstab zu kommen, man erwartet uns“, schrieb Frieb auf.

Der Besuch war nicht zu umgehen. „Wir bildeten für diese Leute den einzigen Anhaltspunkt, denn wir kamen ja direkt von Semjonof, wir könnten den mystischen Schleier lüften. Wir betraten also ihren Waggon und wurden sehr höflich empfangen. Die Leute waren außerordentlich gespannt, was wir alles gesehen hatten.“

An einem großen Tisch saßen die verantwortlichen Führer der Roten Armee: ein junger Lehrer, ein Hochschüler und ein ehemaliger Offizier. Sie waren in der russischen Felduniform, ohne Achselklappen, nur der schmale silberne Gürtel und die Säbelkuppel deuteten an, dass sie Kommandanten waren. „Mit gekünstelter Gleichgültigkeit fragten sie uns, wie es auf der Reise gegangen sei, was es Neues gäbe, was wir so eigentlich alles gesehen hätten“, erinnerte sich Frieb. „Ihre eigene gedrückte Stimmung, ihre Neugier konnten sie nur schwer verbergen. Am liebsten hätten sie uns doch geradeaus gefragt: ,Wo steht der Feind, wie stark ist er?‘ Aber geschickt schlichen sie um dieses Thema herum.“

Die drei hatten sich schon vorher besprochen, wie weit sie mit den Nachrichten über Semjonof überhaupt gehen konnten, ohne damit militärische Maßnahmen zu provozieren. „Nur eine für uns harmlose Nachricht durften wir preisgeben“, notierte Frieb. „Wir teilten ihnen mit, dass am 20. 8. im Hotel Nikitin in Mandschuria neben uns zwei fremde ,Kriegsberichterstatter’ abgestiegen seien. Der eine von diesen war ein Amerikaner. Unsere Gastgeber spitzten jetzt die Ohren, sie bewerteten die Mitteilung scheinbar ganz richtig. Sonst vermieden wir jedes weitere militärische Gespräch.“