Erstellt am 14. Oktober 2015, 05:57

von Gila Wohlmann

Vom Flüchtling zur Unternehmerin. Vertrieben aus Bosnien, aufgenommen im Stift und nun Chefin im eigenen Putzbetrieb: Suada Hamzic ist auf Erfolgskurs.

Suada Hamzic ist Profi-Reinigungskraft.  |  NOEN, Wohlmann

"Wir hatten ein gutes Leben in Bosnien, ein schönes Haus. Plötzlich stand das Militär vor unserer Tür“: Noch heute erinnert sich Suada Hamzic mit Schrecken an die Kriegswirren in Ex-Jugoslawien in den 1990er-Jahren.

Schlimme Erlebnisse: "Überall waren schon Soldaten"

„Wir hatten genau eine Stunde Zeit, unsere Sachen zu packen. Auf den Bergen waren schon überall Soldaten“, schildert sie. Der Weg führte sie, damals mit Kleinkind, und ihren Gatten Remo vorerst nach Kroatien und weiter nach Österreich. „Wir hatten nie ein bestimmtes Land als Ziel, auch haben wir nie tausende Euro für eine Schleppung bezahlt“, berichtet sie.

Per Bus kam die Familie nach Traiskirchen. Es wurde um Asyl angesucht. Im Stift Lilienfeld fanden sie ihre erste Heimat – und Suada Hamzic Arbeit in der Stiftsküche. Eine Zeit, an die sie bis heute sehr gerne zurückdenkt. „Ich danke den Mönchen im Stift Lilienfeld sehr, dass ich so nett aufgenommen wurde.“ Die Familie bekam Bleiberecht.

Malereifirma, Lokale und Putzen: „Ich will Erfolg“

Mittlerweile hat Remo Hamzic eine eigenes Malereiunternehmen, die Familie lebt in Traisen und vermietet zwei Lokale. Doch das ist Suada Hamzic nicht genug. „Ich will Erfolg“, sagt sie.

Da sie gerne putzt, hat sie die Ausbildung zur Gebäude- und Fassadenreinigerin gemacht und ein Unternehmen gegründet. „Ich hoffe auf viele Kunden im Raum Lilienfeld und St. Pölten-Land“, sagt sie.

"Traurig, dass so viele Menschen unnötig sterben mussten"

Ihre Kinder sind bereits groß, Sohn Nermin lernt Universalschweißer, die Tochter will auf die Universität, um Dolmetscherin zu werden.

Zum Krieg in ihrer alten Heimat meint sie nur: „Jetzt leben alle wieder friedlich nebeneinander. Wie traurig, dass so viele Menschen unnötig sterben mussten und auch viele schöne Kulturgüter zerstört wurden.“