Erstellt am 24. November 2015, 04:03

von Markus Zauner

Wirbel um ÖBB-Fahrplan. Rund 150 Gymschüler aus dem Gölsental müssen mit dem Fahrplanwechsel in Lilienfeld eine gute Dreiviertelstunde auf den Zug warten. Suche nach Lösungen läuft.

Alles andere als Freude kommt über den neuen ÖBB-Fahrplan bei Gymschülern aus dem Gölsental und deren Eltern auf. Foto: NÖN  |  NOEN, NÖN

Keine neuen Erkenntnisse brachte aus Bezirkssicht am Donnerstag die offizielle Präsentation des ÖBB-Fahrplans, den Landesrat Karl Wilfing und Landtagsabgeordneter Karl Bader NÖN-Lesern bereits Ende Oktober als generelle Optimierung für die Traisentalbahn vorgestellt hatten.

Groiss: „Auf Schüler wird keine Rücksicht genommen“

Eine Verbesserung mit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember können Eltern aus dem Gölsental freilich nicht erkennen.

Im Gegenteil: „Auf die Schüler, die in unserer Region sicher die meisten Fahrgäste darstellen, wird bei der aktuellen Fahrplanänderung von Lilienfeld nach Hainfeld keine Rücksicht genommen“, wettert Medizinerin Brigitte Groiss stellvertretend für viele Eltern, die eine gemeinsame Stellungnahme (siehe auch unten) an die NÖN adressiert haben.

Konkret werde rund 150 Schülern des Gymnasiums Lilienfeld aus dem Gölsental in Zukunft zugemutet, eine gute Dreiviertelstunde in Lilienfeld auf den Zug zu warten.

Wunsch: Mehr Busse oder Zugoptimierung

„Mit Wartezeit, Zugfahrzeit plus weiterem Heimweg nach Ramsau, Kleinzell etc. ergeben sich Transportzeiten bis zu 1,5 Stunden, wobei der Heimweg zu Fuß noch nicht gerechnet wird“, schildert Groiss.

Es gebe zwar einen Bus, in dem aber nur ein Bruchteil der Schüler transportiert werden könne, weiß sie und macht auf ein Problem aufmerksam: „Wer entscheidet dann, wer mitfahren darf? Gewinnt der stärkste Drängler? Chaos ist vorprogrammiert.“

Der Wunsch der Eltern an die ÖBB ist unmissverständlich: Den Zugfahrplan für die Schüler optimieren oder genügend Busse für alle nach jeder Stunde bereitstellen.

„Eine spätere Fahrlage ist im Taktsystem ohne
Anschlussverluste leider nicht möglich.“
ÖBB-Sprecher Christopher Seif

ÖBB-Sprecher Christopher Seif betont, dass der vorliegende Fahrplan für 2016 mit den Schulzeiten in St. Pölten „sehr verträglich“ sei. Dies hätten die regionalen Vertreter beim Fahrplandialog im Juni auch zufrieden aufgenommen.

Seitens der ÖBB sei aber auch kommuniziert worden, dass auf der eingleisigen Bahnlinie nicht vom Taktgefüge entflochten gefahren werden könne.

Seif: „Eine spätere Fahrlage des R 6743 ab Lilienfeld–Traisen–St. Pölten beziehungsweise eine diesbezügliche Anpassung des R 6634 Traisen–Hainfeld ist im Taktsystem ohne Anschlussverluste und Taktbrücke in Traisen nach Hainfeld und in St. Pölten zu weiterführenden Bahnstrecken Richtung Wien, Linz und Herzogenburg–Tulln-Krems leider nicht möglich.“

Bader: „Ärgerlich für Betroffene und Politik“

Seif verweist daher „auf den alternativen Kraftfahrlinienverkehr beziehungsweise auf eine weitere Absprache mit den Schulen hinsichtlich einer Anpassung der Schulzeiten“.

Karl Bader spielt den ÖBB den Schwarzen Peter zu: „Trotz der Fahrplandialoge, die grundsätzlich eine gute Einrichtung sind, werden von den ÖBB Sachen hingeknallt, auf die man nur kurzfristig reagieren kann. Das ist ärgerlich für die Betroffenen und die Politik.“ Er sei in dieser Causa um eine Lösung bemüht. Übrigens ebenso wie Kleinregionsmanager Roland Beck (siehe „Zitate“).


Zitate: „Entschärfung“ für Beck das Ziel

„Trotz aller Frustration sind wir dran, eine Entschärfung zusammenzubringen.“
Kleinregionsmanager Roland Beck zur Fahrplan-Misere.

„Durch die Umsetzung des integralen Taktsystems ist es zu einer massiven Umstellung gekommen. Das große Manko daran ist, dass seit zwei Jahren Fahrplandialoge, wenn sie stattfinden, nicht mehr in der gewohnten Qualität umgesetzt werden, um Änderungen seitens der Region zu ermöglichen. Trotz der massiven Umstellung hat im Herbst gar kein Dialog stattgefunden. Zukünftig müssen die Dialoge wieder rechtzeitig erfolgen.“
Beck erklärt, woran es krankt.


Auszug aus dem Elternschreiben

„Ein Großteil der betroffenen SchülerInnen ist zwischen 10 und 14 Jahren alt. In der Schule brauchen Kinder dieses Alters Aufsicht und dürfen nicht einmal alleine das Schulgebäude verlassen, aber die ÖBB verkauft es als Vorteil, diese Kinder 45 Minuten ohne Aufsicht im Regen stehen zu lassen.
Die Frage ist, ob das Bahnhofsgebäude vor allem im Winter und bei Schlechtwetter so viele Kinder fasst. Zu Schulbeginn dürfen sich die SchülerInnen ein Top-Ticket (eigentlich eine gute Einführung) kaufen, das sich aber nach Bezahlung als ,Flop-Ticket‘ herausstellt, da auf ihre Bedürfnisse keine Rücksicht genommen wird.
Unsere Kinder sehen fast jedes Jahr, wie sich der Fahrplan für sie immer mehr verschlechtert und dass man sich in unserer ländlichen Region eigentlich nur auf das Auto verlassen kann.
Wir bitten die zuständigen Politiker, sich auch für die Jugend einzusetzen.“