Erstellt am 20. Juni 2016, 14:35

von Astrid Krizanic-Fallmann

Wüste Fahrt mit dem Zug. In Gefangenschaft war Erwin Frieb aus Rohrbach im Ersten Weltkrieg. Seine Erlebnisse in Sibirien und in der Mandschurei schrieb er in einem Manuskript auf.

Handschriftlich notierte Erwin Frieb die Ereignisse, die er fern seiner Heimat erlebte.  |  NOEN, zVg
Während des Ersten Weltkrieges war Erwin Frieb, am 2. September 1880 geboren und am 12. September 1959 verstorben, als Gefangener in Tschita, Sibirien, inhaftiert.

Nach einer von der Roten Armee erlaubten Reise mit dem Vertreter des schwedischen Roten Kreuzes, Kapitän Astrand, und dem deutschen Kriegsgefangenen Jonas, in die Mandschurei, um Lebensmittelspenden abzuholen, saß der Major im September 1918 wieder im Lager. Dieses wurde plötzlich aufgelöst, Mannschaft und russisches Aufsichtspersonal in Zügen Richtung Wladiwostock geschickt.

In Charbin – dem jetzigen Harbin in der Volksrepublik China – gab es einen längeren Aufenthalt. „Charbin machte auf mich den Eindruck einer mächtig aufblühenden Handelsstadt mit unbegrenzten Entwicklungsmöglichkeiten“, erinnerte sich Frieb.

Rund eine halbe Million Einwohner lebte damals dort. Davon mehr Chinesen, obwohl sich „während der Bolschewikenzeit in Sibirien sich viele russische Offiziersfamilien, der Adel und die Banken nach Charbin geflüchtet hatten“, schrieb der Rohrbacher in seinem Manuskript nieder. Nach der Gegenrevolution waren die „Vorsichtigen einstweilen hiergeblieben und nicht zurückgekehrt“.

Eine abenteuerliche Reise

Südlich von Charbin überquerte der Transport den letzten hohen Gebirgszug. Die Bahn machte einige riesige, komplizierte Schleifen und passierte auch längere Tunnels, deren Eingänge mit neuen betonierten Wachhäuschen befestigt waren. In Letzteren hatten sich allerdings japanische Truppen einquartiert.

„Nachdem wir den Gebirgskamm überschritten hatten, schien unser Lokomotivführer einen Rausch I. Klasse gehabt zu haben, denn er fuhr die ganze steile Strecke mit voller Geschwindigkeit herunter“, notierte Frieb. „Es war eine tolle, wüste Fahrt, bei welcher die alten windschiefen Waggons in allen Fugen krachten und sich bogen.

Unsere an der Decke aufgehängten Tschainiks, die Häferln, Laternen, Kleider und Schuhe baumelten wild durcheinander. Besorgt versuchte so mancher, die herumtanzenden Gläser und Teller zu retten. Bei den verschiedenen Kurven hat der liebe Herrgott redlich mitgeholfen, denn dass wir dort nicht komplett umschmissen, ist ein wahres Wunder gewesen.“

Nach dem Eintreffen in der nächsten Station stellten sie die Ordnung wieder her. Frieb: „Die zerbrochenen Lampenzylinder, Gläser etc. wurden hinausgeworfen. Die Räder der Tepluschkas rauchten vor Hitze. Ein Waggon musste ausrangiert werden, weil er endgültig unbrauchbar geworden war.